«We really fucked up this time»

Eine Strandhochzeit in Thailand. Davor ein Junggesellen-Brunch mit seinen Kumpels Dough und Phil. Das ist alles, was sich der Zahnarzt Stu nach der Hochzeit von Doughs vorangehenden Sause in Las Vegas wünscht. Er deckt sogar seinen Orangensaft mit einer Serviette ab, damit ihm nicht noch einmal halluzinogene Substanzen untergejubelt werden. Doch natürlich kommt in «The Hangover Part 2» alles ganz anders.

In einem heruntergekommenen Hotelzimmer irgendwo in Bangkok wachen Stu, Phil und Alan (den Stu gegen seinen Willen einladen musste) einen Tag vor der Hochzeit auf. Es fehlen Dough, der früh ins Bett ging, und Teddy, der hochbegabte Bruder von Stus Braut, von dem – bis auf einen abgetrennten Finger – jegliche Spur fehlt. Unfreiwillig begeben sich «the three best friends that anyone can have» auf Erinnerungssuche, was dem Zuschauer ziemlich bekannt vorkommt. Man ersetze Tiger durch Kapuzineräffchen und Baby durch schweigenden Mönch, und fertig ist die Fortsetzung. So zumindest scheint das Rezept der Filmmacher gelautet zu haben.

Der Film nimmt sich – beziehungsweise seinen Vorgänger – jedoch auch selbst auf die Schippe. «I can’t believe this is happening again», ruft Stu aus. Die – wenn auch vagen – Erinnerungen an das Chaos in Vegas sorgen immer wieder für Erheiterung. Man wisse halt, wie man Party macht, sagt Alan. Doch es wird auch Neuland betreten. Die asiatische Metropole Bangkok steht im krassen Kontrast zum Glamour von Las Vegas des ersten Teils. Und auch die Charaktere werden vertiefend dargestellt. Man sieht Stu bei der Arbeit als Zahnarzt, Phil – noch immer – als unzufriedenen Familienvater und Alan in seinem “Kinder”-Zimmer, wo grosse Abzüge der gelöscht geglaubten Fotos aus dem ersten Teil an der Wand hängen. Es wurde wirklich versucht, sich vom erfolgreichen ersten Film abzuheben, was oft in Übertreibung ausartet – mehr Perversion, mehr Schimpfwörter, mehr Peniswitze.

Am Schluss kommt – natürlich – alles gut, auch wenn Phil kurz vor dem Aufgeben war. «We really fucked up this time», beichtet er Doughs Frau Tracy – Ironie definitiv beabsichtigt. Teddy wird gefunden (wo genau, soll hier nicht verraten werden), die vier entwenden ein Schnellboot und kommen gerade rechtzeitig zurück ins Strandhotel, um Stus Noch-nicht-ganz-Schwiegervater am Abblasen der Hochzeit zu hindern. In einem stark misslungenen Versuch von Moral beschreibt Stu – teils, um sich zu entschuldigen, teils, um endlich die Anerkennung des Vaters seiner Braut zu gewinnen – seine dunkle Seite, den «Dämon» in sich, der ihn immer wieder zu Sex mit Stripperinnen und Verunstaltungen seines eigenen Gesichts verleitet. Aber es sei ja alles gut gekommen, schliesst er. «We took on Bangkok—and we won!»

«The Hangover Part 2» endet genau gleich wie der erste Teil – mit den Fotos der vergessenen Nacht. Insgesamt bietet der Film gute Unterhaltung, mehr aber auch nicht. In einen Rausch gelacht wie bei der Aufwachszene des ersten Teils habe ich mich nicht. So gesehen bin ich froh, dass die Quelle ausgetrocknet, der Stoff zu Ende ist und es hoffentlich keinen dritten Teil geben wird – obwohl der bereits in Planung sein soll. Aber mal ganz ehrlich: Wer soll denn als nächster heiraten? Alan?

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