„Was haben wir getan?“ – Lore

Lore erzählt die Geschichte von fünf Geschwistern, die am Ende des 2. Weltkriegs ohne ihre Eltern dastehen und sich ihren Weg durch das neue, in Zonen aufgeteilte, Deutschland suchen müssen.

Lore und ihre vier Geschwister, darunter auch das Baby Peter, werden aus ihrer idyllischen Welt gerissen, als absehbar wird, dass kein Endsieg mehr zu erwarten ist und dass dies, seinem Selbstmord nach zu urteilen, auch Hitler eingesehen hat. Der Vater ist bereits weg, als hoher Militär wahrscheinlich verhaftet oder getötet; die Mutter stellt sich dem Feind freiwillig und lässt ihre fünf Kinder unter der Aufsicht der Ältesten zurück. Sie sollen zu ihrer Oma nach Hamburg reisen.
Das diese Reise vom Schwarzwald nach Hamburg kein Sonntagsausflug, sondern ein harter Kampf ums Überleben und genügend Nahrung ist, zeigt sich schnell und Lore bemüht sich mit allen Kräften, ihren Geschwistern ein Mutterersatz zu sein. Es zeigt sich aber schnell, dass sie dem Ganzen allein nicht gewachsen ist. Auf ihrem Weg Richtung Norden treffen sie auf Thomas. Mit seinem Pass, der ihn als Jude ausgibt, rettet er sie vor den amerikanischen Besatzern und begleitet sie von da an, gegen den Willen von Lore, auf ihrem Weg. Für sie ist er ein dreckiger Jude, der nur lügen und betrügen kann, ein „Parasit“. Doch, wie so oft, gibt es nicht nur schwarz und weiss …

Der Film in der Regie von Cate Shortland, nach dem Roman „The Dark Room“ von Rachel Seiffert, zeigt eindrücklich eine andere Geschichte des 2. Weltkriegs, die der „Bösen“, die irgendwo genauso Opfer sind und sich einer Welt voll mit  neuen Machtverhältnissen gegenübersehen. Die Bildsprache wird hier sehr schön herangezogen, um den Inhalt der Geschichte zu unterstreichen. So wird oftmals von schrägunten gefilmt, wenn Lore sich irgendwo  zurechtfinden muss, ihre Welt ist in Schieflage geraten. Wasser spielt eine weitere wichtige Rolle, mal reinigend, wenn Lore sich ihre Haare wäscht, mal schwarz verfärbt, von schwarzer Farbe zum Färben der Kleidung.

Es ist nicht überraschend, dass das Nachkriegsdrama diverse Preise gewonnen hat, unter anderem den Prix du Public UBS am Internationalen Filmfestival von Locarno 2012. Mich persönlich hat das Verhältnis zwischen Lore und Thomas besonders überzeugt – sie, die Halt bräuchte, aber keinen will und er, der sich irgendwie zu ihr hingezogen fühlt. Lore ist mittlerweilen als DVD erhältlich und jedem zu empfehlen, der gerne melancholische, schlichte Filme schaut.


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