Challenge the Patience

Am Ende der sicherlich bereichernden Konferenz «Challenge the Best» fand am 28. März eine einschläfernde und ihrem Namen nicht gerecht werdende Panel-Debatte statt. Drohen Veranstaltungen an unserer Uni am ureigenen Elitegehabe der HSG zu scheitern?

Voranstellen möchte ich aller Kritik, dass ich Studierenden meiner Universität dankbar bin für jedes zusätzliche Engagement, das sie neben dem Studium erbringen. Ich bin mir bewusst, welche Arbeit die Organisation einer grossen Konferenz wie Challenge the Best mit sich bringt. Umso frustrierender ist es, wenn die eigentlich öffentlichkeitswirksame Abschlussveranstaltung der geleisteten Arbeit nicht gerecht wird.

Ausrangiert oder schlicht keinen Bock?

Jeder der Teilnehmer an der «Debatte» hatte seine Berechtigung zur Anwesenheit. Sie haben für unsere Gesellschaft jeweils einen wichtigen (akademischen) Dienst erwiesen. Und vermutlich liegt es genau an dieser einen Tatsache, dass diese Debatte so wenig mit Debattieren zu tun hatte, wie die Genossenschaft mit Genossen. Wer Menschen im rentenfähigen Alter, die in ihrem Leben die grössten Auszeichnungen und Errungenschaften bereits erreicht haben, einlädt, der muss sich nicht wundern, wenn sie in einer Diskussion, die ja teils auch nur bedingt mit ihrem jeweiligen Fachgebiet zu tun hatte, profillos erscheinen. Eine solche Veranstaltung braucht Menschen mit einer Vision und Mitteilungsbedürfnis. Die Teilnehmer der Diskussion haben beides bisweilen vermissen lassen. Mit Ausnahme der Politikerin, die wenigstens hin und wieder etwas Enthusiasmus und Anteilnahme zeigte, waren die Aussagen der weiteren Teilnehmer entweder nahezu inhaltsleer oder so unpersönlich, dass sie jeder andere in der Runde hätte von sich geben können. Ich habe es sehr bedauert, dass – bis auf wenige Ausnahmen – der Geist einer packenden und belebten Diskussion ausblieb.

Wer sind denn die Besten?

Wenn diese profillosen Redner dann noch mit einer übereifrigen Moderatorin gepaart sind, die gegensätzlich zu ihnen alles tut, um sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen, wird eine solche Veranstaltung zum Problem und geht leider völlig am Ziel vorbei. Anstatt einer BBC-Angestellten hätte es wohl auch eine engagierte Studentin an dieser Stelle getan. Überhaupt liegt hier der Hund begraben: Warum müssen die so genannten Besten denn immer einen überragenden Namen haben oder von einer überragenden Institution kommen? Was bringt mir der Vize des Club of Rome, wenn er am Ende die Aussagen eines beliebigen Geschäftsmannes macht? Wozu einen Nobelpreisträger in Physik, der zwar bisweilen unterhaltsam war, aber sonst nicht viel beizutragen vermochte und am Thema vorbeiredete? Auch auf die Gefahr, mich zu wiederholen: Wozu die BBC?

Sensationsgeilheit an der HSG

Die Antwort auf diese Fragen kommt direkt aus unserer Mitte. Der Ursprung dieses Übels liegt mitten in der unendlichen Arroganz und dem elitären Selbstverständnis von uns HSG-Studierenden. Frei nach dem Motto «Für die Elite bitte nur das Beste» müssen Veranstalter solcher Konferenzen um Publikum bangen, wenn No-Names geladen werden. Dass engagierte und aufstrebende Forscher und Publizisten aber möglicherweise besser geeignet wären, scheint den meisten egal zu sein. Hauptsache man kann am Ende des Tages behaupten, zwei Nobelpreisträger und eine Handvoll anderer Berühmtheiten getroffen zu haben. Da fühlt man sich gleich noch ein bisschen elitärer.

Unser Selbstverständnis

Wie weit unsere Selbstbeweihräucherung bisweilen reicht, war schon der Einladung zur Panel-Debatte zu entnehmen. Dort heisst es «we welcome […] 42 of Europe’s most talented students». Egal, wer am Ende dabei gewesen ist: Der Superlativ in diesem Satz ist völlig vermessen. Und wenn ich dann in dem Review-Video noch eine überproportionale Präsenz von HSGlern an der Konferenz feststelle, bekomme ich bei der Hybris, sich selbst als die talentiertesten Studenten zu feiern, ernsthaft Zustände.

Eine neue Bescheidenheit

Trotz allem würde ich mich persönlich sehr freuen, wenn Challenge the Best auch im nächsten Jahr wieder an der HSG stattfinden würde. Ich glaube nach wie vor daran, dass die Veranstaltung eine Bereicherung für die Uni darstellt und habe auch durchaus gehört, dass das Panel unrepräsentativ für den Output der restlichen Konferenztage war. Dennoch kann es, glaube ich, nicht schaden, die Definition der «Besten» für das nächste Mal zu hinterfragen und auch bei der Einladung von Gästen weniger nach der Marke und mehr nach dem Inhalt zu gehen. Ich wäre erfreut, wenn die nächstjährige Veranstaltung mehr den Intellekt als die Geduld der Zuschauer herausfordern würde.

Challenge the Best
«Challenge the Best» is an initiative by the Student Union of the University of St. Gallen. It is a forum, bringing together the most talented European students with scholars and experts of utmost excellence, in short: the Best. Allowing thoroughly prepared students to challenge accomplished guest experts leads to amazingly productive and rewarding intergenerational workshops – unparalleled by any other student forum. These eclectic workshop teams draft specific Lines of Action, addressing sustainable solutions for global challenges. Übernommen von: www.challengethebest.org.


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