Mit «ShoeSize.Me» wird ein Schuh draus

Ende 2012 gründete HSG-Alumnus Timo Steitz «ShoeSize.Me». Er will verhindern, dass in Online-Shops die falschen Schuhe gekauft und zurückgeschickt werden.

Schrei vor Glück oder schick’s zurück – Während sich die einen darüber aufregen, bei den boomenden Online-Händlern durchwegs die falsche Grösse zu bestellen, machen sich die anderen einen Sport daraus und schicken fröhlich Pakete hin und her. Diese Kaufbulimie ist der Renditekiller schlechthin: Zalando beispielsweise berichtet von einer Retourenquote von bis zu 50 Prozent. Das kostet bei Händlern sowie Kunden Zeit, Geld und Nerven.

Besonders Schuhe weisen hohe Rücklaufquoten auf: In einer repräsentativen Studie gab nur ein Drittel der Konsumenten an, Schuhe nicht zurückzuschicken; ein Viertel der Online-Käufer schickt in der Regel die Mehrheit der bestellten Paare zurück. Das kostet nicht nur Porto, sondern mindert auch den Wert der Waren. Ein Riesenproblem!

Doch oft lassen sich Fussform und Grösse, geschweige denn Tragkomfort der im Internet gesichteten Traumstilettos oder neuer Sneakers nur schwer einschätzen, zumal sie sich von Marke zu Marke stark unterscheiden. Könnte man nur im Voraus feststellen, ob der im Online-Shop angepriesene Schuh auch tatsächlich passt! – «Kann man!», sagte sich Timo Steitz, als er sich nach einem Jahr Praxiserfahrung bei einem mittelständischen Sportschuhentwickler eingehend mit dem Problem beschäftigt hatte.

Daraufhin reichte er an der ESADE in Barcelona, wo er sein Masterstudium fortsetzte, bei einem Geschäftsmodellwettbewerb seine Idee ein, dem Nutzer die Wahl seiner Schuhe im Voraus zu erleichtern – und gewann. Mit einem Bein in Spanien und einem in St. Gallen baute er anschliessend ein kleines Kernteam auf und überlegte, wie sich die Idee am besten implementieren lässt.

Im November 2012 wurde schliesslich gegründet, im Februar fand ein Prototypen-Test in Spanien statt. Der anfängliche Plan, dass der Käufer mit einem Tool zu Hause einen «digitalen Fussabdruck» erstellen sollte, entpuppte sich als wenig praktikabel. Die umständliche und ungenaue Erfassung war zu wenig benutzerfreundlich. Stattdessen werden die Online-Käufer, wenn es nach den Jungunternehmern von ShoeSize.Me geht, in Zukunft vor dem Kauf auf Zalando, Deichmann & Co. Daten zu ihrer bisherigen Schuhwahl hinterlegen. Den «Referenzschuh » vergleicht ein Algorithmus dann mit aktuellen Modellen und empfiehlt die passende Form und Grösse.

Ein entsprechendes Plug-in hat das Team um Timo im Sommer 2013 entwickelt und ist nun daran, Online-Versandhäuser in der Schweiz und Spanien zu finden, die es implementieren. «Dabei können wir nicht nur die Kosten durch tiefere Rücksendequoten massiv senken, sondern werden auch für einen wachsenden Umsatz sorgen», ist Timo überzeugt. «Denn wenn der Schuhkauf übers Internet komfortabler wird, werden weniger Kunden in den Laden gehen und die Schuhe probieren müssen; der Absatz übers Internet wird deshalb weiter steigen!»

Timo ist sich sicher, den wachsenden Internethandel mit seiner Idee nutzerfreundlicher zu machen. Deshalb wird er ab Januar, wenn er aus seinem CEMS-Austausch in Helsinki zurückgekehrt ist und sein Master-Studium abgeschlossen hat, seine ganze Zeit und Energie dafür investieren, dass wir nie mehr den falschen Schuh kaufen. Wir dürfen gespannt sein!

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