Peitsche: Taylor Swifts Konkurrenz

Montagabend 18 Uhr: Partymachen am Wochenende, Vorlesungen den ganzen Tag – das schlechte Gewissen schreit nach einem ausgiebigen Workout im Fitnesszentrum. Ich packe meine Sporttasche aus dem Schliessfach, stopfe mir eine Banane als «Pre-Workout-Snack» in den Mund und schnappe mir beim Verlassen des B-Gebäudes den gewohnten Espresso.

Gestärkt und aufgeputscht marschiere ich motiviert übers Unisportgelände hin zum Eingang der Sporthalle. Mit einem Schwung reisse ich die Glastür auf und grüsse überfreundlich die Eintrittsaufsicht auf der linken Seite. Die Angestellte hatte Glück, denn der rasche Blick, den ich auf dem Weg in die Garderobe auf die Galerie mit den Freigewichten erhaschen konnte, verschlechterte meine Laune rasant: Warum habe ich nur jeden Montag aufs Neue das Gefühl, die Einzige zu sein, die Sport treiben will?

Mit Ellbogenkampf und Gedränge umgezogen, befinde ich mich nun trotz Motivationskrise im vollgestopften Kraftraum. Bei der Brustpresse schreit mir wie gewohnt Taylor Swift mit «Shake it off» ins Ohr … aber Moment – seit wann hat Taylor Swift männliche Backgroundsänger? Und mal ganz ehrlich, dieses Stöhnen klingt auch ziemlich pervers. Ein Blick durch den Raum klärt mich auf: Ein schweissgebadetes Muskelpaket ist dem Anschein nach an seinen letzten Latissimuszügen. Stöhnend und gesichtsverzerrend reisst der Typ am Kabel. Er ist aber bei Weitem nicht der Einzige, der derartige Geräusche von sich gibt. Gegen dieses Stöhnen im Chor kommt offensichtlich nicht mal Taylor Swifts Stimme an. Daraus ziehe ich meine eigenen Schlüsse: Ich komme ins Fitnesszentrum, um mein schlechtes Gewissen zu befriedigen, andere haben dazu vielleicht noch anderes zu befriedigen.


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