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Alessandro Massaro

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Präsident
  • SVP Party: Tanzbein schwingen – Wähler gewinnen

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    Vor rund einem Monat berichteten wir über das polarisierende “Welcome to SVP”-Musikvideo. Am Samstagabend fand nun ausgerechnet in der Villa Wahnsinn, dem Club neben der AFG Arena St. Gallen, die offizielle “Welcome to SVP-Party” statt. prisma packte die Gelegenheit beim Schopf und besuchte die Feier jener Partei, die in der Vergangenheit eher durch Provokation als Party auffiel.

    Bilder: Paul Schaub
     

    «Seid ihr alle hier?!», ruft DJ Black Sheep den Feiernden zu. Die Menge rastet aus und Helene Fischer mit ihrem Song «Atemlos» ertönt aus den Boxen. Beim Plattenaufleger handelt es sich um niemand geringeren als Toni Brunner selber, den Parteipräsidenten der SVP, wobei Plattenaufleger wahrscheinlich ein bisschen weit hergeholt ist. «Wo-muss-ich-hier-auf-play-drücken» wäre wohl die treffendere Bezeichnung. Es herrscht ausgelassene Stimmung im Club. Die SVP zeigt sich von einer ganz anderen Seite.

    Die junge Generation als ungenutztes Wählerpotential

    Es war eine ganz und gar amüsante Party, mit welcher man sich Samstagabend in der Villa Wahnsinn konfrontiert sah. Der Eintritt war ab 16 Jahren und gratis für jedermann. Man konnte allerlei bekannte Gesichter der SVP antreffen. So nicht nur den Parteipräsidenten selber, sondern auch Christoph Mörgeli, Thomas Matter, Lukas Reimann, Thomas Aeschi und viele andere aus der Parteielite mischten sich unter die Gäste und waren für alle greifbar.

    Letzteren zu sehen war doch eine Überraschung. Es ist schliesslich ein etwas weiterer Weg vom Kanton Zug bis nach St. Gallen. Ebenfalls befindet sich hier so gar nicht die für Herrn Aeschi relevante Wählerschaft. «Ich bin der Einladung der SVP St. Gallen gefolgt«, berichtet er auf Ansprache. Er habe aufgrund seines Studiums an der HSG einen engen Bezug zu St. Gallen, sei zu seiner Studienzeit aber eher in Lokalen in der Altstadt verkehrt und habe sich deshalb gedacht, etwas Abwechslung würde sicher nicht schaden. Dementsprechend sei er vor allem als Privatperson hier und nicht in seiner politischen Funktion. Auf die Frage, was denn das Ziel des Abends und vor allem des Welcome-to-SVP Videos sei, antwortet er: «Ein grosses Problem heutzutage ist, dass viele junge Menschen nicht wählen gehen. Es gibt verschiedenste Wahlwerbekanäle, welche genutzt werden und der Film sei nur einer davon. Dieser habe jedoch genau zum Ziel die Jungen anzusprechen und sie zum Wählen zu motivieren. Am 18.10 wird sich zeigen, wie erfolgreich wir damit und unseren anderen Werbemassnahmen waren.«

    Eine neue Dimension des Wahlkampfes

    «Der nächste Song ist für Hansueli Vogt und Thomas Matter, welche grosse DJ Ötzi Fans sind«, ruft Toni Brunner ins Mikrofon und lässt als nächstes «Ein Stern« laufen. Die beiden Angesprochenen laufen vors DJ-Pult, klatschen gemeinsam nicht ganz im Takt zu dem Après-Ski Klassiker und feuern voller Begeisterung ihren Parteipräsidenten an. Handelt es sich hierbei um eine neue Dimension des Wahlkampfes? Als wir Toni Brunner nach seinem Auftritt fragen, ob er in seiner neuen Funktion als Discjockey nervös gewesen sei, antwortet er auf humorvolle Art und Weise: «Nein, gar nicht. Wissen Sie, ich gehe dieser Tätigkeit in regelmässigen Abständen nach, nämlich alle acht Jahre mal wieder.»

    In der Menge lassen sich erstaunlich viele junge Gesichter ausmachen. Das Ziel des Abends scheint somit teilweise in Erfüllung gegangen zu sein. Über den ganzen Event ist eine stetig zunehmende Besucherzahl zu beobachten, die aber überschaubare Ausmasse beibehält. Ivan Louis, im 5. Semester des Masters in Law and Economics und seit Juli 2015 St. Galler Kantonsrat für die SVP äussert sich überrascht über die grosse Anzahl an Gästen. Er hätte nicht mit so vielen Personen gerechnet, viele andere wahrscheinlich auch nicht.

    Schliesslich setzt der Höhepunkt des Abends ein, zumindest für die SVP-Anhänger. Das Welcome-to-SVP Musik-Video läuft an und wird auf einen grossen Bildschirm übertragen. Während die Klänge des Songs den Raum füllen, zeigt ein Gang zur Bar, wie weit die SVP in ihrem humoristischen Selbstverständnis bereit war zu gehen. Ein aufgehängtes Papier preist K.O.-Tropfen Shots für rund 5 Franken an. Wie kann man nur solch horrende Preise verlangen? Da ist auf jeden Fall die Grenze zwischen Spass und bitterem Ernst zu ziehen. Natürlich soll dies eine Anspielung auf die Zuger Sexaffäre von Markus Hürlimann sein, genau wie sie im Video selber schon aufgetaucht ist.

    Die SVP-Familie

    DJ Tommy alias Thomas Matter hat ebenfalls einen Auftritt am DJ-Pult. Ich persönlich hätte ja gerne noch DJ Zmörgeli zugejubelt, welcher sich leider jedoch nicht die Ehre gab und so gebe ich mich mit Thomas Matter zufrieden. Dieser lässt «We are Family» laufen. Der Song gerät sogleich in einen Loop und so geniessen die Zuschauer für die ersten drei bis vier Minuten seines Auftritts die sich wiederholenden ersten fünf Sekunden des Liedes. Trotz Loop bei «We are Family“» ist festzuhalten, dass sich die SVP, wie sich an diesem Abend gezeigt hat, dennoch als eine grosse Familie sieht. Auch wenn es die Familie ist, an welcher andere Familien oftmals Anstoss nehmen. Welche Erfahrungen und Eindrücke sind von der SVP-Party mitzunehmen? Nun ja, es gibt zweifellos gewisse Vorurteile, welche es nach diesem Erlebnis zu überdenken gilt. Physisch mitzunehmen gab es eine CD mit dem Welcome-to-SVP Song und ein Kondom mit der Aufschrift «Für mehr Sicherheit!».

  • Podiumsdiskussion: Fünf Elefanten und ein Moderator

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    Der Wahlkampf tobt und die Parteien schenken sich nichts. Vimentis lud zur Elefantenrunde in der Aula ein.

    Gestern Abend, Donnerstag, lud Vimentis zur grossen Elefantenrunde mit fünf Vertretern der Parteien SP, CVP, BDP, FDP und SVP ein. Grosser Andrang herrschte vor der Aula der Universität St. Gallen und schon nach kurzer Zeit war kein freier Platz mehr zu finden, dies bei einem totalen Fassungsvermögen von insgesamt 700 Personen. Vor Beginn mussten aufgrund der vollen Aula sogar diverse Leute wieder weggeschickt werden. Diese liessen sich jedoch nicht so einfach vertreiben, sondern folgten von aussen durch die geöffneten Fenster gebannt der Podiumsdiskussion. Es sei logisch, wenn Elefanten kämen, dass man diese sehen wolle, begrüsst Urs Wiedmer, ehemaliger «Arena»-Moderator und jetziger Bundeshauskorrespondent bei SRF, die zahlreich erschienenen Studierenden und weiteren Zuschauer.

    Während einer kurzen Vorstellungsrunde, in der platitudenhaft die Positionen der einzelnen Parteifunktionäre dargelegt wurden, eröffneten Martin Landolt, Nationalrat und Parteipräsident der BDP, und Christophe Darbellay, Nationalrat und Parteipräsident der CVP, dem Publikum ihre gemeinsamen Jagderlebnisse. Dabei sei es auch einmal vorgekommen, dass sich die beiden Politiker ein Doppelbett teilen mussten, erzählt Christophe Darbellay lachend.

    Das erste Thema, welchem sich die Volksvertreter widmeten, war das momentan aktuellste – Migration. Toni Brunner, Nationalrat und Parteipräsident der SVP, meint, dass die Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht unschuldig an der momentanen Situation sei. Mit ihren ausgestreckten Armen habe sie die Flüchtlinge geradezu aufgefordert nach Europa zu kommen und deshalb seien wir momentan auch mit diesem Chaos im Asylwesen konfrontiert. Es werden alle aufgenommen und es werde nicht mehr zwischen Wirtschaftsflüchtlingen und Flüchtlingen unterschieden. «Das Dublin-Abkommen ist gescheitert.» Nationalrätin und Vizepräsidentin der SP, Barbara Gysi, entgegnet darauf, dass in der Welt Krieg herrsche und wir aus ethischen, wie auch aus moralischen Gründen dazu verpflichtet seien Hilfe zu leisten. «Es ist keine europäische Ministerin, die ihre Arme ausstreckt und sagt kommt hier her, sondern es ist die Not in einem vom Krieg gebeutelten Nahen Osten.» Abschliessend äusserte sich Martin Landolt folgendermassen zur Thematik: Die Migranten seien auch nur Menschen, welche auf der Suche nach einem neuen Leben seien und man dürfe den Ausdruck «Wirtschaftsflüchtling» nicht zum Schimpfwort machen.

    “Wirtschaftsstandort Schweiz»

    Christian Wasserfallen, Nationalrat und Vizepräsident der FDP, räumte ein, dass der starke Franken in der Export-Industrie im Moment das grösste Problem sei. In der Schweiz hätten 97.5 Prozent der Unternehmen 50 oder weniger Angestellte und vor allem diese international tätigen KMUs seien von der Aufwertung des Franken betroffen. «Wir müssen dafür sorgen, dass die Rahmenbedingungen in der Schweiz gut bleiben», sagt Christoph Darbellay. Vor allem der bilaterale Weg sei zu verankern. Wenn man die Zuwanderung senken wolle, ohne dass die Wirtschaft darunter leide, müsse man mehr inländische Arbeitskräfte generieren, so Martin Landolt. «Hierbei gibt es vor allem ein zentrales Potential – die Frauen.»

    Das letzte, von den Zuschauern gewählte, Thema war Bildung. In vielen Branchen habe man heutzutage einen Lehrstellenüberschuss, jedoch müsse man «die Gleichartigkeit aber Andersartigkeit der Berufslehre und des Studiums aufrecht erhalten», so Christian Wasserfallen. Toni Brunner fuhr fort, dass das duale Bildungssystem in der Schweiz schon richtig sei. Schlussendlich kam er auch auf die Maturitätsquote zu sprechen und unterstrich, dass man die Maturitätsquoten nicht auf «Teufel komm raus» erhöhen müsse.

    Nach rund 90 Minuten waren die Zuschauer an der Reihe. Eine Zuschauerfrage, an Christian Wasserfallen gerichtet, stach besonders heraus. «Wie sollte der Bundesrat in Anbetracht der aktuellen Prognosen in der nächsten Legislaturperiode zusammengesetzt werden?» Die Antwort darauf, kurz und bündig: «Der Bundesrat wird die Zusammensetzung haben, zwei, zwei, zwei und eins. Die drei wählerstärksten Parteien werden je zwei Sitze bekommen und die viertstärkste Partei einen.»

  • Selbstinszenierung der etwas anderen Art

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    Die Schweizerische Volkspartei (SVP) hat ihren eigenen Song. „Welcome to SVP“ heisst das ungewohnte Wahlkampf-Lied und schafft es die Gemüter zu spalten.

    Eine idyllische Landschaft, sanfte Klaviermusik und Vogelgezwitscher, so beginnt das neue offizielle Video der SVP. Inszeniert wurde das Ganze von Nationalrat Thomas Matter alias DJ Tommy. Das Bild zeigt die Villa in Herrliberg von niemand geringerem als dem inoffiziellen Oberhaupt des Parteiclans Christoph Blocher. Man könnte die Szenerie zunächst als Beginn einer verfilmten Biografie abtun. Falls man sich davon nicht abschrecken lässt und sich dazu durchringt weiterzuschauen, dann wird es sich lohnen. Die SVP weiss immer wieder mit ihren diversen Aktionen zu überraschen, aber den weiteren Verlauf des Videos hätte niemand vorhersehen können. Gemächlich schneidet Alt-Bundesrat Blocher mit einer Nagelschere seinen Rasen. Das ist zweifelsohne das richtige Werkzeug, um Gartenpflege zu betreiben. Er schreitet zum imposanten, hauseigenen Pool und dreht ein altes Radio auf. Daraufhin ertönen ganz und gar unerwartete poppige Klänge, die man so gar nicht mit der Person Blocher in Verbindung bringen würde. Mit einem anmutigen Kopfsprung befördert er sich ins kühle Nass. Im Rest des Videos werden weitere Polit-Stars der Führungsriege der SVP gezeigt, die sich in ungewohnt selbstironischer Weise präsentieren.

     Ein angeschlagenes Image wird aufpoliert

    Das Video geht weiter und die Kamera zeigt zweimal die Weltwoche. Dies sollte bereits ein Hinweis darauf sein, wer sich als nächstes die Ehre gibt und im Film erscheint. Es ist Roger Köppel, Chefredaktor der Weltwoche, mit heruntergelassener Hose. Wortwörtlich, denn er befindet sich auf einer öffentlichen Toilette, bei der die einzelnen Kabinen anscheinend keine Türen mehr besitzen. Das muss unangenehm gewesen sein sich in solch einer Pose filmen zu lassen, fast so unangenehm, wie die Rüge des Presserats bezüglich des Artikels in der Weltwoche mit dem Titel: „Die Roma kommen: Raubzüge in die Schweiz“. „Die Kombination von Text und Bild diskriminiere die Roma und entstelle Informationen“, so die Argumentation des Presserats 2012. Als nächstes sieht man Natalie Rickli, welche mit einer Schüssel voll Chips gebannt Roger Schawinski und Roger de Weck auf SRF bei einer Debatte zuschaut. Auch Christoph Mörgeli hat einen Auftritt und staubt ein Schulskelett ab. Nach dem Facebook Post des Zürcher-SVP-Nationalrats Ende August, welches ein Bild von Flüchtlingen mit dem Kommentar „Die Fachkräfte kommen“ zeigte, überrascht es nicht, dass alle Möglichkeiten, das eigene Image aufzupolieren, ausgeschöpft werden. Auf einem Militärvelo sieht man ausserdem den aktuellen Chef des VBS und Bundesrat Ueli Maurer, der anstatt einer Klingel einen Gripen an den Lenker geschraubt hat.

     Die SVP-Agenten

    Der Refrain gestaltet sich ebenfalls etwas befremdlich, wenn man bedenkt, dass es sich hierbei um eine Regierungspartei handelt. Junge Damen tanzen zu den Elektro-Beats, während die Politiker mit Sonnenbrillen und verschränkten Armen alla „Secret Service“ dastehen und keinen Muskel bewegen. Toni Brunner, Parteipräsident, macht ein Picknick mit seiner Kuh. Dazu lässt sich nicht viel mehr sagen. Auch an Action sollte es anscheinend nicht fehlen und so springt Adrian Amstutz mit einem Fallschirm aus dem Flugzeug und landet gekonnt im Freibad. Thomas Aeschi leert in einem Zug einen Zuger Kirsch runter, der mit K.o.-Tropfen versetzt ist, und verliert daraufhin das Bewusstsein. Dies soll wohl eine Anspielung auf den Sex-Skandal in seiner Kantonalsektion sein, in welchen Markus Hürlimann verwickelt war.

     Mutig aber inhaltslos

    Humorvoll oder nicht. Innovativ oder unangebracht. Darüber lässt sich streiten. Geschmäcker scheiden sich bekanntlich. Zumindest hat das Video auf Youtube bereits über 150’000 Aufrufe und 1’371 positive Bewertungen versus 1’868 negative (Stand 13.09). Das verfolgte Ziel der SVP, nämlich Aufmerksamkeit, Provokation und Polarisierung hat sie mit diesem Video und viel Selbstironie auf jeden Fall erreicht. Silvia Bär, stellvertretende Generalsekretärin der SVP schildert auf Anfrage des prisma die Entstehung des Videos folgendermassen:

    „Thomas Matter hat an einem schönen Sommerabend im Juni zum privaten Grillfest bei sich zu Hause geladen. Als grosser Musikliebhaber spielte er ein paar seiner Lieblingssongs auf seiner Musikanlage. Toni Brunner macht sich ein Spass daraus und fordert Thomas Matter auf, für die SVP einen Song als „DJ Tommy“ zu machen. Dieser willigt ein – daraus resultiert nun Welcome To SVP.“

    Sie fährt fort, dass man eigentlich nur nach Klischees gesucht habe und sich selbst ein bisschen „habe hoch nehmen“ wollen. Gleichzeitig sei aber natürlich der Inhalt des Songs (Text) sehr wichtig und beinhalte eine klare Botschaft. Die Frage, wieso man aber gerade die SVP an den Nationalratswahlen vom 18.10.2015 wählen sollte, kann das Wahlkampf-Video jedoch nicht beantworten. Bei aktuellen Thematiken, wie der Flüchtlingspolitik, der aktuellen Wirtschaftslage und der Aufhebung des Euro-Franken Mindestwechselkurses, scheint ein inhaltsleerer Spot zumindest ziemlich gewagt zu sein.