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  1. HSG Delegates in New York

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    Im Kurs National Model United Nations (NMUN) werden 20 Bachelor Studierende auf eine Teilnahme an der weltweit grössten Simulation einer UNO-Konferenz in New York im März 2016 vorbereitet. Die Universität St. Gallen wird in diesem Jahr Afghanistan repräsentieren. Während dem Herbstsemester 2015 fanden regelmässige Meetings statt, um die zukünftigen Delegierten in die Strukturen und Prozesse der UNO einzuführen. Zwei dieser 20 Studierenden sind Aline Wani und Benjamin Reis. Aline und Benjamin sind beide im vierten Semester, sie studiert International Affairs, während er sich auf Jus spezialisiert hat. Sie werden in New York Teil der Comission on Narcotic Drugs (CND) sein. Die CND ist das zentrale Gremium für Drogenpolitik der UNO.

    Wir haben die beiden zu dem Modul und zu ihrer bevorstehenden Reise befragt.

    Was war deine Motivation, dich für diesen Kurs anzumelden?

    Benjamin: Ausschlaggebend waren für mich mein Interesse an Politik und internationalen Zusammenhängen. Ich setze mich oft mit dem aktuellen Weltgeschehen auseinander und dieser Kurs schien mir die optimale Gelegenheit, mehr über die UNO, eine der wichtigsten internationalen Organisationen, zu erfahren.

    Aline: Ich interessiere mich ebenfalls sehr für Politik und das internationale Geschehen. Zudem war ich bereits seit längerem daran interessiert, Neues über die komplexen und vielseitigen Vorgänge einer so einflussreichen Institution zu erfahren.

    Was gefällt euch besonders am Projekt NMUN?

    Aline: Im NMUN-Kurs lernte man sicheres Auftreten in Präsentations- und Verhandlungssituationen, wovon ich persönlich viel Neues mitnehmen konnte. Zudem befassten wir uns auch mit den formellen Seiten der UNO und erhielten so eine realistische Einsicht in die abwechslungsreichen Prozesse innerhalb der Organisation. Beispielsweise war es unsere Aufgabe, ein Position Paper (ein konzises Statement des Mitgliedsstaates für das entsprechende committee) zu verfassen. Hierbei war es vor allem wichtig, kurze und präzise Argumente anzuführen. Ausserdem war ich sehr dankbar dafür, dass Benjamin und ich dem CND committee zugeteilt wurden, da wir Beide die Drogenproblematik als eines der akutesten Probleme Afghanistans betrachten.

    Benjamin: Ich schätzte besonders den Praxisbezug. Viele meiner anderen Module sind akademisch orientiert. Des Weiteren war es für mich sehr spannend, sich in die Lage eines fremden Landes mit einer komplett anderen Mentalität zu versetzen. Um den Staat glaubwürdig vertreten zu können, war es notwendig, sich intensiv mit Land und Leuten auseinanderzusetzen. Zudem hat sich für mich wieder einmal bestätigt, dass die Diskrepanz zwischen offiziell kommunizierten Dokumenten und der Realität oftmals sehr gross sein kann. So hat Afghanistan etwa die Eröffnung von Rehabilitationszentren für Drogensüchtige als beispielhafte Entwicklung dargestellt. Bei weiteren Recherchen hat sich jedoch herausgestellt, dass lediglich 2,86% der Drogenabhängigen im Land Zugang zu solchen Einrichtungen haben.

    Was war dein bisheriges Highlight des Erlebnisses NMUN?

    Benjamin: Der Höhepunkt des Kurses steht erst noch bevor; Die tatsächliche Simulation in New York. Ich freue mich darauf, neue Bekanntschaften aus aller Welt zu schliessen und die Möglichkeit zu erhalten, den UNO Sitz in New York zu besichtigen.

    Werdet Ihr nach der Konferenz noch in New York bleiben und was wollt Ihr da unternehmen?

    Aline: Nach der Konferenz bleiben wir noch genau zehn Tage in den USA. Wir haben bereits einen Ausflug nach Washington DC. geplant. Des Weiteren freuen wir uns sehr auf das Basketball-Derby zwischen den Brooklyn Nets und den New York Knicks.

    Benjamin: Da es mein erster Aufenthalt in New York ist, werde ich bestimmt die allseits bekannten Sightseeing-spots aufsuchen.

    Könntest du dir auch eine spätere Karriere bei der UNO vorstellen?

    Aline: Ich könnte mir eine Zukunft bei einer internationalen Organisation sehr gut vorstellen. Mir ist allerdings bewusst, dass es nicht leicht werden wird, in einer der grossen Institutionen Fuss zu fassen.

    Benjamin: Obwohl es ein sehr interessantes Berufsfeld ist, sehe ich meine spätere Karriere in einem anderen Bereich. Man muss sich bewusst sein, dass man, sobald man für eine internationale Organisation arbeiten will, in einem extremen Konkurrenzverhältnis zu top ausgebildeten Leuten aus der ganzen Welt steht. Hat man sich wirklich das Ziel gesetzt, eines Tages für die UNO oder eine andere grosse internationale Organisation zu arbeiten, ist es in meinen Augen nötig, seine ganze Karriereplanung auf eine solche Stelle auszurichten. Dies kommt für mich momentan nicht in Frage.

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    Vielen Dank an Aline und Benjamin für die Teilnahme an diesem Interview.

    Weitere Infos: Website National Model United Nations HSG und Projekt “National Model United Nations” HSG inSite

  2. Johannesburg – Kontraste

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    Oh Johannesburg, nur Touristen nennen dich so. Oh Jozi oder Joburg, wie dir die Leute hier sagen. Wie bist du extrem arm und extrem reich, schwarz und weiss, Paradies und Hölle zugleich. Fahren Ferraris und Aston Martins an Townships vorbei. So nah und doch so weit. Stadt der Gegensätze, alter und junger Geschichte, voll Hoffnung und Resignation. Rassismus und Multikulti. Traum nicht Realität. Man kann dich nur erkunden, wenn man Auto fährt. Oder genug Geld für ein Uber hat. Am Robot musst jeder Acht geben. Pistole blitzt auf, Gunpoint. Rückwärtsgang, kein Schuss. Polizei. Mit Vollgas in die Nacht hinein. Wie sind deine Leute freundlich, ob schwarz oder weiss, umarmen dich, strahlen. Doch wie gefangen fühlt man sich hinter elektrischen Zäunen und Gates, im goldenen Käfig, durchatmen. Drei Remote Controls im Hosensack nerven, es muss sein. Zu Fuss geht’s nicht, zu gefährlich. Die Gefahr lauert scheinbar überall. Paranoia oder Vernunft? Niemand probiert’s.

    Du begrüsst mich mit „Howzit“ an jeder Ecke. Bist verwirrt, wenn ich dir keine Antwort darauf gebe. Bist laut und jung, Lebensfreude zu Drum n Bass. Springst hoch und fällst tief, babbelas! Riechst nach Braai und Alkohol am jedem Wochenende. Bist eh outdoor, im Haus fühlst du dich unwohl, musst raus. Kommst einfach nicht, meldest dich nicht, wenn ich dich einlade. So geht’s auch nicht! Nächstes Mal, sage ich mir. Die Sonne scheint jeden Tag, bist kalt in der Nacht. Scheiss Isolation in deinen Häusern. Ohne electric blanket geht’s nicht. Löschst die Lichter manchmal. Load shedding nennt sich das. Regst auf! Pizza bei Kerzenlicht.

    Lebst getrennt von einander. Der Norden weiss, die City schwarz. Momentan failt der Slogan „Rainbownation“ immer noch. Doch auch Ausnahmen gibt’s. Weiss in Hillbrow mit Black African Accent. Baseballschläger auf dem Beifahrersitz. Das Fenster ganz wenig offen. Sei besser gegen Smash n Grab. Schreist eeeish und joooo, wenn dir was gefällt oder nicht. Sagst yebo, sharp-sharp, lekker und bruh. Wusste nicht, dass hier meine verlorenen Brüder sind. Schimpfst auf die Regierung, wählst sie trotzdem. Korruption, sie lähmt, ist unsichtbar. Doch spielen viele mit. Roadblock mit 1.8 Promille. 100 Rand geschmiert und bald Zuhause. Auch du bist hipster! Strassen Couture. Schau mich an! Cornrows, Afros und Wasserstoff-Blondinen. Alle kommen nach Maboneng und zum Neighbourgoods Market. Hätte ich nicht gedacht. Sieht so die Zukunft aus?

     

    Südafrikanischer Slang:

    Robot = Lichtsignal

    Howzit  = How is it?

    babbelas = Kater

    Braai = grillieren

    Load shedding = geordneter Stromausfall

    Hillbrow = gilt als gefährlichstes Viertel von Johannesburg

    eeeish und joo = Ausdruck von Erstaunen oder Wut

    yebo =  Ja auf Zulu

    sharp-sharp  =  Bye-Bye oder auch allright

    bruh = Bruder

  3. Don’t be a puss, be lekker!

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    Besuch beim OppiKoppi, Südafrikas grösstes Musikfestival.

    „You gonna spend some hours in a prison cell“, raunte ein mit einer zerrissenen Sicherheitsweste bekleideter Polizist zu meiner Kollegin. Der Grund für den jähen Abbruch der von Vorfreude erfüllten Anfahrt ans alternative Musikfestival „OppiKoppi“ stellte sich meinem Verständnis von Eigentum quer. Die Übeltäterin hatte es sich doch tatsächlich erlaubt ein Bier im Auto zu trinken; sie war dabei nicht am Steuer, versteht sich. Public Drinking lautete das Urteil dennoch. Und wehe wenn er, der Polizist, noch ein zweites offenes Bier finden würde. Eine Nacht in einer Gefängniszelle hätte das zur Folge, so die unverhohlene Drohung. Das mit Camping-Utensilien vollgepackte Auto stand nun im Fokus. Amateurhaft und mit verächtlichem Blick wurden die Schlaf- und Rucksäcke inspiziert. Schnell war klar, das ganze Theater hat nur eine Absicht: Geld. Da ich schon etwas länger im Land weilte, wusste ich, dass nach dem obligaten Smalltalk irgendwann unterschwellig ein „How can I help you, officer?“ vom Beschuldigten gefordert wird. 450 Rand. Umgerechnet circa 32 Franken, lautete die unmissverständliche Antwort. Ganz Hako-Kompetenz geschult, konnte ich den Betrag auf 200 Rand (ca. 15 Fr.) herunterhandeln. Geldübergabe hinter dem Auto, TIA („This is Africa“) gedacht, have a nice day gewünscht und weiter ging’s!

    Auf zum OppiKoppi (von Oppi di Koppi, dt. auf dem Hügel)! Dieses Festival gilt mit mehr als 20’000 Besuchern als grösstes Musikfestival von Südafrika und befindet sich circa dreieinhalb Stunden (exkl. Polizeikontrollen) nordwestlich von Johannesburg. Als mir eine im Ski-Schlauch eingemummte Person das Eintrittsticket scannte, erinnerte ich mich an den also doch nicht von ungefähr kommenden Hashtag #InDustWeTrust, auf welchen ich bei meiner vorgängigen Instagram-Recherche gestossen war. Aber hey, das Motto dieses Festivals mit klimatisch extremen Verhältnissen (bis zu 30 Grad am Tag und um 3-4 Grad in der Nacht) wurde mir schnell von betrunkenen Südafrikanern beigebracht: „Don’t be a puss, be lekker“ (Sei kein Weichei, sei gut drauf)! Wie man unschwer erkennen kann, werden hier Afrikaans-Wörter verwendet. Das Festival gilt demnach auch als „Afrikaans“. Das Publikum setzte sich mehrheitlich aus Afrikaanern oder englisch sprechenden Weissen zusammen, es waren jedoch auch schwarze, seltener gemischte Gruppen zu sehen. Während der Apartheid wäre das noch undenkbar gewesen.

    Meine Kollegen haben mich dann bei einem Zelthotel abgeladen. Von da an war ich auf mich alleine gestellt. Allen Versuchen zum trotz, konnten wir uns während dem ganzen Festival nicht mehr finden (Akku leer, Handy geklaut). Aber egal: „Don’t be a puss, be lekker!“ So zog ich alleine durch das staubige Festivalgelände und stiess auf sehr freundliche bzw. angetrunkene Menschen in allerlei verrückten Outfits. Mein Schweizer Akzent erwies sich beim Bierbestellen als verlässlicher Gesprächs-Opener. Mit 5-Liter Kanistern, gefüllt mit Wodka-Redbull oder Brandy-Coke (inoffizielles Nationalgetränk der Afrikaans sprechenden Südafrikaner) zogen oder viel mehr torkelten die Festivalbesucher umher. „Don’t be a puss, be lekker“ – schoss es mir allmorgendlich durch den Kopf, als ich jeweils von der Hitze und Oppi…. Koppi!-Schreien aus dem Schlaf gerissen wurde. Leichter gesagt als getan. Wodka-Redbull aus dem OppiKoppi-Bidon, lekker again.

    Das Musikprogramm gestaltete sich sehr abwechslungsreich: von Singer/Songwritern wie Matthew Mole, Shortstraw und Desmond and the Tutus über aufkommende schwarze Hip-Hop Artists bis hin zu wummernden Progressive Trance Basslines wurde alles geboten. Aber die Musik ist hier, ähnlich wie am Openair St. Gallen, eher nebensächlich. Vielmehr geht es darum, die einmalige Atmosphäre des Festivals zu geniessen und sich den klimatischen Widrigkeiten zu widersetzen. Die Main-Campingsite wird nicht umsonst Mordor genannt. Spuren hinterlassen die Strapazen des Festivals in der darauf folgende Woche auch in den Arztpraxen in und um Johannesburg. Die Leute werden mit fieberähnlichen Symptomen eingeliefert, stilecht „Oppi-flu“ genannt. Das inoffizielle Leitmotto des Festivals lässt sich dann wohl doch nur für einen begrenzten Zeitraum umsetzen.

    Facts & Figures:

    • Alljährlich am 1. August Wochenende (Mittwoch bis Montag)
    • mehrheitlich südafrikanische Bands, einige internationale Acts
    • Eintrittspreis ca. 55 Franken
    • Anfahrt nur mit dem Auto möglich
    • Ski-Schlauch (engl. buff) gehört zur Grundausrüstung
  4. Fernweh?

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    Die Tage werden kürzer, der Nebel dicker, die Temperaturen in St.Gallen sinken in den Keller, an der Uni begegnet man den immer gleichen Gesichtern, immer und immer wieder dieses St.Galler Management Modell, der gleiche lauwarme Kaffe in der Mensa und irgendwann kommt der Mittwoch, an dem man in allen St.Galler Clubs schon zu oft war, um wirklich Lust zu haben schon wieder hinzugehen. Die Konsequenz ist irgendwie naheliegend: Nichts wie weg!

    Glücklicherweise wird einem der Weg ins Ausland als HSG Student derart geebnet, dass man zeitweise fast das Gefühl bekommen könnte, die Uni wolle uns loswerden. So findet diesen Donnerstag beispielsweise der International Day statt. Zwischen 11.45 und 13.30 habt ihr die Gelegenheit im Foyer des Hauptgebäudes verschiedene Partnerunis kennenzulernen und euch mit Austauschstudenten über ihre Heimat auszutauschen. Im Anschluss werden verschiedene Info-Veranstaltungen angeboten.

    Neben der offiziellen Datenbank mit Erfahrungsberichten findet ihr auch hier unter der Rubrik “Abroad” immer wieder Berichte und Fotos eurer Kommilitonen, die gerade ihren Aufenthalt im Ausland geniessen  – wir wollen ja nicht, dass ihr beim vielen Lernen die grosse weite Welt da draussen vergesst…

    In diesem Sinne, alles Liebe aus Helsinki!

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  5. Von verlassenen Dörfern und brennenden Wäldern

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    Nachdem ich bereits zahlreiche Prüfungen ablegt hatte, besuchten mich drei HSG-Kollegen, mit welchen ich beschloss, St. Petersburg für einige Tage zu verlassen. Unser Zielort war eine Siedlung nahe des kleinen Dorfes Velikaya Guba (Великая Губа, ca. 1000 Einwohner), wo wir uns ein Häuschen direkt am See mieteten. Für die pro Weg ca. 700 km lange Reise nahmen wir uns einen VW Polo, welchen ich für die ‚normalen’ Strassen und Hauptachsen in Russland zweifelsfrei empfehlen kann. Die Strassen zu solch abgelegenen Orten wie unsere Ziel-Siedlung sind jedoch in sehr schlechtem Zustand, sodass man sich dafür besser ein etwas billigeres und geländetauglicheres Auto sucht —unsere Felgen waren am Ende der Reise ziemlich verbeult!

    Seltsamerweise begegneten wir auf unserer Fahrt immer wieder brennenden Wäldern und Feldern, die scheinbar absichtlich angezündet, aber dennoch völlig unbeaufsichtigt waren und deren Rauch einem teilweise völlig die Sicht auf die Strasse vernebelten.

    Auf die Idee, gerade in diese Region zu fahren, brachte uns das Dorf Pegrema, welches schon vor Jahrzehnten verlassen wurde. Nach einer erholsamen Nacht in unserem Häuschen machten wir uns denn auch auf, uns dieses Dorf anzuschauen. Da wir auf dem Weg nach Pegrema jedoch auf ein anderes Dorf mit dem Namen Vjogoruksy (Вёгоруксы) trafen und die Strasse nach Pegrema kaum mehr vorhanden war, blieben wir in Vjogoruksy. Dieses Dorf schien noch nicht seit allzu langem verlassen zu sein, denn viele Häuser und die kleine Holzkirche standen noch.

     

    Falls ihr etwas Bestimmtes über meinen Aufenthalt oder Russland allgemein wissen wollt, hinterlasst einen Kommentar!

  6. Between East and West

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    Gastbeitrag von: Emir Çetinel

    How is it to study abroad in Istanbul? – a country torn between East and West, that grows more than any European country but lacks the merits of a liberal and democratic society.

    CEMS MIM means something absolutely different for everyone who experiences the various academic, professional and social components of the Community of European Management Schools’ Master in International Management.

    For me, CEMS at the very core means being globally connected. After spending only eight months as a part of this alliance in Istanbul, I realized how many new cultural perspectives I had discovered. Having an engineering background, I believe in the true power of numbers. As I was wondering how CEMS added to my personal network, a little Facebook data mining showed that I had added 352 friends since starting my CEMS degree. And these are not just people I have met once at a party but done intensive group work with, discussed challenging topics and created projects. Considering that this excludes all the corporate representatives I have acquainted, one can understand the value-added offering of CEMS.

    Through my tenure as a student board representative for my home university Koç in Istanbul, I not only contributed to the enhancement of the academic program by joining forces with very smart and hardworking students but also got the chance to see many new cities such as Sao Paulo, Dublin, Budapest and Barcelona. A direct reference of one of my colleagues also got me an internship in a top German Internet company. Being a Turkish student, I feared the work visa problem when I started my job search as my friends often got rejected at the very beginning because companies do not want to go through the lengthy process of a visa application – another hurdle of being non-European.

    Turkey is often torn by its geographic and cultural position between East and West. After having a decade of disciplined growth in the economy, the country started showing danger signs in the most fundamental pillar of a modern nation, namely democracy. Prime Minister Erdogan’s bold move of shutting down the access to Twitter and YouTube for about two weeks got extensive coverage in the world media in the spring 2014. Even though many interpretations had been made on the topic, there’s a two-folded explanation for his move. Firstly, Erdogan wanted to stop people accessing the sound recordings of his corruption actions. His tapped phone calls started leaking to such social media platforms after December 2013 and he desperately took this anti-democratic measure as a solution. Secondly, putting the ban effective right before the crucial local elections, many believe that his action was timed to provoke the liberal opposition of the country and put them on the streets once again. This chaotic environment worked for nobody but Erdogan; by polarizing the conservatives and the liberals, he made his (voting) ranks even stronger.

    Turkish society and politics are changing drastically and constantly. Needless to say, the direction of this change will be determined also by us, students with a solid modern and liberal education. In this sense, I find Koç University’s decision to join the CEMS alliance in 2009 very meaningful and hopeful for the future, as I can see it from myself how positively it adds to the students’ international orientation and personal network.

  7. Sochi und Maslenitsa

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    Seit meinem ersten Eintrag sind nun einige Wochen, Erlebnisse und Vorlesungen vergangen, welche ich hier nun nochmals mit euch durchgehen möchte. Auch habe ich den grössten Teil des Bürokratie-Hürdenlaufs hinter mich gebracht, weshalb ich mich nun auf die spannenderen Dinge meines Aufenthalts konzentrieren kann: Events, Freunde und natürlich auch das Studium.

    Aus dem Alltag in Питер

    Da das Studentenvisum zunächst nicht für das ganze Semester ausgestellt wurde, musste ich dies noch verlängern. Dies war nicht weiter schwierig, jedoch musste ich dafür nochmals einen HIV-Test machen, welcher hier im Spital durchgeführt wird. Begrüsst wird man dort mit Sätzen wie: „Jetzt wird euch dann gleich das Blut abgenommen, da vergeht euch das Lachen schon noch!“ Nach der Blutabnahme wurden wir, für den kleinen Stich wohl an der Grenze des Nötigen, in zahlreiche Lagen Verband dick eingewickelt. Wider der Prophezeiung blieb uns dann auch das Lachen erhalten.

    Wenn man mit Bus, Taxi oder Marschrutka (Sammeltaxi/Kleinbus) unterwegs ist, vergeht einem das Lachen dennoch hin und wieder. Denn Handy am Steuer ist hier normal – natürlich auch für Busfahrer. Taxis fahren hier oft so schnell, wie es der Verkehr erlaubt: bei freier Strasse wird auch mal mit 110 km/h durch die Innenstadt gedonnert. Dass dabei weder Nackenstütze noch Gurte vorhanden sind, kann passieren. Deshalb, und auch weil günstiger und oft schneller, ist die Metro sehr beliebt. Deren Stationen, besonders im und ums Zentrum herum, sind sehr ansprechend gebaut und mit Schnörkeln, Malereien und Mosaiken verziert, was die Metro von St. Petersburg einzigartig macht. Auch ist sie eine der tiefsten Metros der Welt, die tiefste Station Admiralteyskaya befindet sich gar in 86 m Tiefe — entsprechend steht man auch ziemlich lange auf der Rolltreppe.

    Wie bereits beschrieben, ist hier einiges anders als im „Westen“. Deshalb hört man hier oftmals den Spruch: „die einen lieben’s, die andern hassen’s“. Meiner Erfahrung nach stimmt dies auch: viele der Austauschstudenten würden nicht wieder kommen, andere, wobei eher wenige, würden am liebsten bleiben. Wer sich also überlegt, hier einen Austausch zu machen, tut gut daran, das Land zuerst einmal als Tourist zu erkunden und herauszufinden, ob es das ist, was man wirklich will. Für mich war es auf jeden Fall die richtige Entscheidung!

    Studium

    Bisher hatte ich vier verschiedene Vorlesungen, welche aufgrund des im ersten Blogeintrag beschriebenen Blocksystems nun bereits abgeschlossen sind. Da alle Studenten einen etwas anderen fachlichen Hintergrund haben, werden die Themen nicht sehr tief, dafür eher breit besprochen. Auch wird auf den Praxisbezug viel Wert gelegt, was ich als Ergänzung zum stark auf die Theorie konzentrierten VWL-Studium an der HSG schätze.

    Neben dem Studium gibt es zwar zu lernen und zu tun, der Aufwand ist jedoch bei den meisten Fächern geringer als an der HSG. Da man sich an der HSG auch eine gewisse Leistungsbereitschaft und Effizienz aneignen musste, die viele andere Austauschstudenten nicht mitbringen, kann man hier mit vergleichsweise wenig Aufwand Professoren und Mitstudenten gut beeindrucken (schön, einmal zu sehen, dass sich der hohe Aufwand in St. Gallen auch wirklich lohnt!).

    Gewöhnungsbedürftig ist die Art und Weise, wie hier gelehrt wird: das Handy hat stets Vorrang und teilweise lesen die Dozenten lediglich die Folien ab. Die Sache mit dem Handy kann vor allem dann verwirren, wenn man eine notenrelevante Präsentation hält und der Professor dauernd auf dem nicht lautlos gestellten Gerät rumtippt. Dies tun sie aber nicht aus Desinteresse, es ist einfach normal.

    Fazit Studium bisher: Interessante, nützliche und auch anspruchsvolle Themen, an der Didaktik kann aber teilweise noch gearbeitet werden.

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  8. St. Petersburg – Wunderschön und hoch kompliziert

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    Nachdem ich mein Visum, nach dem umständlichen Prozedere gerade noch rechtzeitig, erhalten hatte, machte ich mich am 3. Februar auf zu meinem Exchange-Semester in St. Petersburg. Da ich nicht das erste mal in Russland bin, landete ich bereits mit der richtigen Einstellung: langes Anstehen beim Zoll, grimmige Beamte und defekte Koffer. Diesmal dauerte das Anstehen beim Zoll jedoch nur rekordverdächtige 90 Minuten und mein Koffer kam schon gar nicht an. Einige Formulare, Unterschriften und Stempel später fuhr ich mit dem Taxi zur Uni – der Saint Petersburg State University of Economics and Finance, kurz „FINEC“. Auch da erwartete mich bereits eine demotivierte Dame mit einem Stapel von Formularen. Dies hinter mich gebracht, durfte ich endlich mein Zimmer beziehen, welches sich gleich auf dem Campus befindet.

    Die ersten Tage verbringt man hier mit weiteren Hürden der Bürokratie. Da ich jedoch noch keine Vorlesungen zu besuchen hatte, konnte ich’s locker angehen; auch die wertvolle Unterstützung seitens des Exchange Office vereinfacht vieles wesentlich.

    Das „Dorm“, in dem sich mein Zimmer befindet, wurde gerade neu umgebaut und erst ein halbes Jahr vor meiner Ankunft eröffnet. Entsprechend ist das Zimmer, mit eigenem Badezimmer, gut und modern eingerichtet, weshalb es sich ganz angenehm darin leben lässt. Zumindest, solange alles funktioniert, was auch nach der Total-Renovierung nicht selbstverständlich ist: Erst zweimal habe ich in den vergangenen drei Wochen angenehm warm geduscht und die Heizung im Badezimmer funktionierte heute zum ersten Mal. Glücklicherweise ist die Heizung im Wohn-/Schlafzimmer zuverlässiger und fiel bisher nur für zwei Tage aus.

    Das „International Semester“ am FINEC bietet zahlreiche Kurse zu verschiedenen Themen an, hauptsächlich in Englisch, vereinzelt auch in Deutsch. Die Vorlesungen werden dabei meist Wochenweise in Blöcken durchgeführt; dieses System kann zu sehr intensiven Wochen führen (letzte Woche hatte ich beispielsweise 56 Stunden Vorlesung), jedoch hat man umgekehrt auch sehr lockere Wochen, die man gut für Ausflüge nutzen kann.

    Die Vorlesungen waren bisher ganz interessant und trotz der 56-Stunden-Woche hielt sich der Workload in Grenzen – also ganz ideal, wie ich das sehe.

    Die kulturelle Hauptstadt Russlands hat ziemlich alles zu bieten, was man sich in der Freizeit wünschen würde. Beeindruckend sind insbesondere die orthodoxen Kirchen sowie die Gebäude aus der Zeit Peter des Grossen und Katharina II. Viele davon sind heute Museen, die Kulturelles und verschiedenste Arten von Kunst zu bieten haben. Das berühmteste Museum, auch eines der grössten der Welt, ist das Hermitage Museum – wollte man jedes Exponat nur 30 Sekunden lang betrachten, bräuchte man dafür mehr als 5 Jahre. Aber auch wenn man diese Zeit nicht aufwenden kann, lohnt sich ein Besuch!

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  9. London Fashion Week

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    Neben New York, Mailand und Paris ist London eine der wichtigsten Modemetropolen der Welt. Zweimal jährlich versammeln sich die bedeutendsten Namen der Modebranche, Blogger und A-List Celebrities, um in den ersten Reihen die Fashionshows anzusehen. In London präsentieren hauptsächlich englische Marken wie Burberry, Topshop, Christopher Kane, Tom Ford oder Henry Holland ihre Mode.

    Dieses Jahr hatte ich die Ehre, die LFW zu besuchen. Eine Freundin von mir, die bei Kzeniya LTD arbeitet, konnte mir einen Pass für die Designer Showrooms organisieren. Leider gab es jedoch keine Möglichkeit eine Modenschau zu besuchen, da man dort ausschliesslich mit einer Einladung hineinkommt. Die Showrooms befinden sich im berühmten Somerset House bei der Themse. Es werden nicht nur Kleider gezeigt sondern auch Accessoires, Schuhe und Make-Up präsentiert. Ausgewählte Marken werden von der LFW angeschrieben und eingeladen gegen einen bestimmten Geldbetrag einen Stand neben den vielen anderen Designer einzunehmen.

    Vor dem Somerset House versammeln sich hautsächlich Fotografen, die nur darauf warten ,,stylische’’ Leute vor die Linse zu bekommen. Die Fashion Week kann auch als ein riesiger Trubel von schrägen Vögeln bezeichnet werden. Denn: Wer auffallen und fotografiert werden will, muss sich extravagant und crazy kleiden ohne dabei einen guten Geschmack zu beweisen.

    In den Showrooms wird während fünf Tagen von 9.00 bis 23.00 Uhr auf die wichtigen ,,Buyers’’ der E-Shops oder Kaufhäusern gewartet, um die Kollektion zu zeigen. Als Visitor oder Guest (wie in meinem Fall) darf die Ware natürlich auch begutachtet werden, jedoch wird einem wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Fragen wurden mir, anders als bei den „Key-Buyers“, kurz und knapp beantwortet

    Doch stellt sich die Frage: Ist wirklich alles so glamourös und superficial wie es auf den Bildern im Internet aussieht? Ich sage: ja und nein.
    Jeder, der die Möglichkeit hat die Showrooms oder eine Modeschau zu besuchen, sollte diese unbedingt nutzen. Den ganzen Modewahnsinn live mitzuerleben war eine tolle Erfahrung, jedoch wurden die Vorurteile der Modewelt wiederum bestätigt. Viele dünne Models, arrogante Persönlichkeiten und generell hatte ich den Eindruck, dass, wer nicht bei der Vogue arbeitet, nichts  zu sagen hat. Ebenfalls interessant war, dass, obwohl die Fashion Week in London stattfindet und sich ganz Instagram vor Hashtags #LFW kaum retten kann, man ausserhalb der Gegend um das Somerset House nichts von der Modeszene mitbekommt.

    Charlie May

    Eine Designerin, die mir während des Besuches bei der LFW besonders ins Auge fiel, ist Charlie May mit ihrer gleichnamigen Marke. Durch eine Freundin, die bei Charlie als Showroom Manager arbeitet, hatte ich die Möglichkeit sie persönlich zu treffen und ihr ein paar Fragen zu ihrer neuen Kollektion zu stellen:

    Charlie May ist eine 25-jährige Designerin aus Devon (UK), die in der fünften Saison ihre Kleider auf der LFW präsentiert. Bis jetzt sind die Kleidungsstücke nur auf der Website www.charlie-may.co.uk und www.farfetch.com erhältlich, jedoch erhofft sie sich durch den Showroom in Paris neue internationale Kunden. Durch ihren Blog (www.girlalamode.co.uk) geniesst sie in der englischen Modebranchen bereits einen gewissen Bekanntheitsstatus, wodurch die Gründung ihres Labels Charlie May erleichtert wurde. Seitdem wurde ihre Mode für Magazine wie L’Officiel Paris, Elle, Marie Claire oder Vogue abgelichtet.

    Die Inspiration für ihre kommende Herbst/Winter 2014 Kollektion nimmt Charlie von ihrem Heimatort Devon. Sie überzeugt mit minimalistischen Schnitten und schlichten Farben. Kommenden Winter liegt der Fokus auf Materialien wie Neopren, dicke Wolle und Fell. Die hochwertigen Stoffe werden in Italien eingekauft und in einer Fabrik in Bulgarien verarbeitet. Mein absolutes Lieblingsstück der nächsten Saison ist der Leder Parka/Mantel mit mongolischem Fell an den Ärmeln.

     

    Mehr zur LWF und Mode im Allgemeinen findet ihr auf Olivias Blog: http://dstnailleurs.com!

  10. Kiruna, -38 Grad, aber jedes einzelne wert!

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    Alle guten Dinge kommen irgendwann zu einem Ende, so auch mein Austauschsemester in Göteborg. Nachdem die letzten Paper abgegeben waren, alles irgendwie in den Koffer gequetscht wurde, die Wohnung mehr schlecht als recht geputzt war und die letzten Umarmungen verteilt waren, ging es mit dem Flugzeug nach Stockholm, wo bereits meine Freundin auf mich wartete und von dort aus, ebenfalls mit dem Flieger, nach Kiruna.

    Wieso Kiruna?, mag sich jetzt manch einer fragen – wir haben uns diese Frage nach unserer Ankunft auch gestellt, aber in der Theorie klang das Alles irgendwie so toll: Schnee, Hundeschlitten fahren, Nordlichter sehen, Sauna… -27 Grad bei unserer Ankunft am Flughafen haben uns dann allerdings schnell zurück in die Wirklichkeit gebracht. Also schnellstmöglich Koffer geholt und in den geheizten Flughafenbus eingestiegen, der uns ins Zentrum von Kiruna brachte. Bereits bei der Hinfahrt waren wir überwältigt von der Landschaft: wie Puderzucker lag der Schnee auf allem und die tiefstehende Sonne tauchte den Himmel in himbeereisfarbenes Licht. Fast schon übertrieben kitschig. Nachdem wir uns in unserem Hostel eingerichtet und unsere Thermokleidung montiert hatten, ging es zur ersten Tour – eine Abendtour mit dem Schneemobil. Doch natürlich mussten wir erst mit ordentlichen Kleidern ausgestattet werden: Wir trugen bereits eine Lage Thermounterwäsche, sowie dicke Trainerhosen. Oben kam zum “Thermounterleibchen” noch ein weiteres, warmes Oberteil sowie ein dicker Wollpullover. An den Füssen trugen wir jeweils ein Paar Ski- und ein Paar Wollsocken. Unsere Winterjacken mussten wir anbehalten und über diese kamen dann die Overalls des Touranbieters sowie eine Balaklava fürs Gesicht und ein Helm. Natürlich gehören Schal, Mütze und Handschuhe zur Grundausstattung in Kiruna. Und jetzt der eigentliche Trick, damit man an den Füssen und Händen nicht friert (hab ich leider am ersten Abend nicht gemacht): Auf die Skisocken klebt man ein Wärmekissen für die Zehen und zieht erst dann die Wollsocken drüber und bei den Händen nimmt man ein Handwärmerbeutelchen in die Handfläche, zieht dann die eigenen Handschuhe drüber und erst dann die dicken Fäustlinge – wohlig warm bzw. bei diesen Temperaturen gerade erträglich.

    Mit diesem Gefährt ging es ab auf die Piste, über zugefrorene Seen und durch verschneite Wälder. Nach zwei Stunden gab es eine Rast in einer kleinen Samihütte. Über dem offenen Feuer bereitete unser Guide Christian warmen Preiselbeersaft, Tee, Kaffee und einen Eintopf mit Rentierfleisch zu. Dies war auch die perfekte Gelegenheit unsere eingefrorenen Füsse wieder aufzutauen. Nach dem Essen zeigte er uns noch den Trick mit dem “kochenden Schnee”: Wenn kochendes Wasser bei dieser kalten Luft in die Höhe geschüttet wird, schneit es. Unsere Füsse taten uns gleich noch etwas mehr leid…

    Nach einer heissen Dusche und einigen wohlverdienten Stunden Schlaf, machten wir uns am nächsten Tag auf, um Hundeschlitten zu fahren. Auch hier mussten wir uns zuerst wieder warm einpacken, bevor es losgehen sollte. Dieses Mal war es mit -36 Grad und einer Tiefsttemperatur von -41 Grad sogar noch kälter als am Tag zuvor – frieren war angesagt. Melissa und ich fuhren jeweils einen eigenen Schlitten mit einem Gespann von jeweils vier Huskies. Diese standen bereits eingespannt vor den Schlitten und jaulten und heulten, was das Zeug hielt – schliesslich wollten sie endlich losrennen! Zuvor instruierte uns aber Maria, unser Guide für diese Übernachtungstour, noch, wie der Schlitten zu bedienen sei. Erste Regel: Niemals loslassen! Die Hunde halten nicht an, wenn der Schlittenführer runterfällt, sie rennen einfach weiter. Zweite Regel: Bremsen! Wenn es bergab geht, kann es schon einmal vorkommen, dass die Hunde vom Schlitten überrollt werden, sich dabei die Beine brechen oder Schlimmeres. Aber, hey, “you gonna work it out while we are driving!” – Danke, Maria. Zu diesem Zeitpunkt kamen die ersten Zweifel, ob diese Tour mit Hundeschlitten wirklich eine derart gute Idee  war – schliesslich will man weder vom Schlitten fallen, noch die Hunde verletzen. Leider gab es kein Zurück mehr und als der Schlitten vom Baum losgebunden und der Anker, eine unterarmlange Metallklaue, aus dem Boden gelöst waren, gab es für die Hunde kein Halten mehr. Ruck – und los ging die Fahrt, ob man wollte oder nicht.

    Unsere Gespanne

    Was für eine Kraft vier Hunde entwickeln können, wird einem erst bewusst, wenn man versuchen muss, den Schlitten abzubremsen oder sogar mit nichts als dem eigenen Körpergewicht zu halten und die Hunde am Weiterrennen zu hindern, wenn man eigentlich halten möchte. Nach ca. zweistündiger Fahrt durch die Winterwonderland-Landschaft, die wie im Flug verging, erreichten wir unser Nachtlager: eine Holzhütte mit einigen kleineren Anbauten. Nach unserer Ankunft mussten zuerst die Hunde versorgt werden, also “Gestältchen” ausziehen und jeden Hund bei einer kleinen Hundehütte anketten. Wie lieb diese Vierbeiner sein können, zeigte sich hier – ohne Anstalten liessen sie sich das Gestältchen abstreifen, hoben brav ihre Beine hoch und liessen sich zu ihrer Hütte bringen. Einige von ihnen waren sogar richtig verschmust und konnten gar nicht genug Streicheleinheiten kriegen. Nachdem die Hunde mit einem Snack aus gefrorenem Fisch und Fleisch versorgt waren, konnten wir unser Nachtlager in Augenschein nehmen. Zwei Stockbetten in einem kleinen Raum, der durch einen stinkenden Gasofen beheizt wurde – Licht: Fehlanzeige. Das grosse Haus, in dem wir unser Abendessen (Rentierbolognaise) assen und uns aufwärmen konnten, diente leider als Nachtlager für eine vierköpfige Touristengruppe, die eine dreitägige Tour unternahm und nicht nur so wie wir zwei Tage.

    Um uns für die bevorstehende, kalte Nacht aufzuwärmen, heizte Maria die Sauna ein. Es gibt wohl nichts Schöneres als ein Temperaturunterschied von mehr als 100 Grad – von -36 auf über 80. Nach der Sauna rief uns plötzlich Maria und meinte, man könne, zwar nur ganz schwach wegen des Vollmonds, Nordlichter am Himmel sehen. Und tatsächlich – was ich sonst als Schleierwolke abgetan hätte, waren Nordlichter, wie die Kameraaufnahmen zeigten. Unglaublich schön! Damit war unsere Kirunaerfahrung mehr als perfekt!

    Am nächsten Morgen mussten wir uns, nachdem der Gasofen irgendwann in der Nacht den Geist aufgegeben hatten, bei Minusgraden, umziehen und für die Rückreise fertig machen. Wir nahmen den gleichen Weg wie am Tag zuvor, und obwohl ich die Strecke damit eigentlich hätte kennen sollen, schaffte ich es, in einer Kurve vom Schlitten zu fallen… Gott sei Dank waren die Hunde nicht sehr schnell unterwegs und Maria konnte den Schlitten halten, bevor sie entwischen konnten. Wieder beim Zwinger angekommen, konnten wir uns endlich unserer Michelinmännchen-Kleidung entledigen und machten uns, nach einem wunderschönen Aufenthalt in Kiruna, wieder auf den Heimweg über Stockholm.

    Fotos: Melissa Willhaus