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  1. In Sepp Blatters Reich

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    Organisiert vom Capesize Commodity Club besuchten Studenten aus Zürich und St. Gallen das FIFA-Hauptquartier in Zürich und trafen sich mit Mr. FIFA persönlich. Das Bild das Sepp Blatter an diesem Nachmittag abgab, stand in krassem Gegensatz zu seiner medialen Wahrnehmung und es fiel einem schwer zu glauben, dass es sich bei diesem charismatischen Walliser Charmeur erster Güte tatsächlich um einen unnahbaren Mafiaboss oder Diktator handeln soll. Zugegeben, die beiden Organisatoren, welche das Gespräch moderierten, haben es ihm auch leicht gemacht, indem sie mit einer Reihe an “weichen” Fragen begannen und nach seinem Lieblingsalkohol (Blatter: “Das Leben ist zu kurz für offenen Wein.”), seiner Lieblingsposition (“9”, “Mittelstürmer”) oder seinen Fahrgewohnheiten (Am Morgen sitzt er selber am Steuer. Am Abend, nach getaner Arbeit, lässt er sich chauffieren.) fragten. Ein, zwei Witze und Walliserdytsche Begriffe wie “Dü” und “Chopfä” (sich einen Kopf machen) später hatte der Noch-Präsident das Publikum bereits im Sack. Dieser genoss es sichtlich ohne Security und ohne die steten Angriffe auf seine Person ein bisschen über Fussball und die Welt zu plaudern und verweilte auch nach der Q&A Session noch zum Apéro, wo er gutgelaunt für Fotos posierte.

    Die freundliche Atmosphäre soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch ernste Themen diskutiert wurden. “Klar berührt mich das!”, meinte Blatter, auf die harsche Kritik an seiner Person in den Medien angesprochen. Es sei belastend wenn Zeitungen nur Bilder von ihm verwenden würden, auf welchen er „noch nicht einmal lächle“, und wenn er etwa auf dem Titelbild des Spiegels als korrupt bezeichnet werde. Selbst in irgendeine Form der Korruption verwickelt zu sein streitet er dann auch vehement ab. Man habe ihm schon so oft etwas anhängen wollen, dass es längst zu Tageslicht gekommen wäre, wenn er tatsächlich etwas Illegales getan hätte, meinte er. Räumte aber gleichzeitig auch ein, dass Fehler gemacht wurden und zu viel geduldet wurde. “Wer nichts macht, macht auch keine Fehler.” Er mache viel, da geschehe halt auch einmal der eine oder andere Fehler.

    Er erzählt dann auch lieber von den Erfolgen, zum Beispiel davon wie eine Norwegerin 1986 beim FIFA-Kongress den damaligen Präsidenten João Havelange fragte wieso der Frauenfussball im FIFA-Bericht nur mit einem kleinen Satz erwähnt werde und dieser einfach auf seinen Generalsekretär, also Blatter, verwies. Dieser machte sich darauf daran dies zu ändern und bereits 1991 organisierte die FIFA die erste Frauenfussball-WM. Heute sind 15% der Ausschüttungen der FIFA an die Nationalen Verbände zweckgebunden zur Förderung von Frauenfussball und alle 209 Verbände ausser Saudi-Arabien beantragen diese Prozente auch. Gerade in nicht-westlichen Ländern trage der Fussball oft zur Gleichberechtigung der Frau bei und als er sich etwa 2013 mit dem frischgewählten iranischen Präsidenten Hassan Rohani traf, habe er sich dafür stark gemacht, dass Frauen endlich auch in Stadien zugelassen werden, erzählt Blatter. Alles was man aber in den Medien aber je über ihn und Frauenfussball lese, sei sein Vorschlag für femininere Tenüs.

    Fussball sei für ihn mehr als nur ein Spiel. Er habe bei der FIFA 1975 als “Development Officer” begonnen und sei dies auch immer geblieben. Um dies zu unterstreichen, wollte er schon als Generalsekretär eine UNO-Flagge am FIFA-Hauptquartier aufstellen lassen, Havelange pochte jedoch auf die Nichteinmischung in politische Angelegenheiten. Nun weht sie, sagt er, und zeigt Stolz nach draussen. “Macht kommt von machen.” Der Rückhalt in den Nationalverbänden habe er sich nicht erkauft sondern erarbeitet. So habe er etwa versprochen die WM nach Afrika zu bringen und dieses Versprechen auch eingehalten.

    Das Imperium schlägt zurück

    Nicht nur Blatter gab sich ungebeugt, auch Alexander Koch, der Deputy Head of Corporate Communication, welcher die Gruppe durch das Gebäude führte, widersprach dem “FIFA-Bashing” in den westlichen Medien vehement. Es sei zwar sicher nicht alles  nur Heiterkeit und Sonnenschein am Zürichberg, aber die Kritik an der FIFA und dessen Präsident stehe in keinem Massstab zur Realität und sei zum Teil auch schlicht und einfach falsch. So wie etwa die Behauptung die FIFA zahle nichts für die WM, obwohl diese in Realität in einem Vierjahreszeitraum mit mehr als 2 Milliarden Kosten für die FIFA verbunden sei, wie er vorrechnete. Auch die Reserven in der Höhe von 1.5 Milliarden (welche übrigens in Staatsanleihen gehalten werden) seien absolut gerechtfertigt, wenn nicht gar zu tief. Alle Einnahmen der FIFA beruhen de facto auf einem Event: Der Fussballweltmeisterschaft der Herren. Alle anderen 27 Fussballweltmeisterschaften, die innerhalb eines 4-Jahres-Zyklus stattfinden sind defizitär. Die Abhängigkeit von diesem Event ist enorm und das Ausfallrisiko real. Darüber hinaus sei der derzeitige wirtschaftliche Erfolg der FIFA auch nicht keine Selbstverständlichkeit. 1998, bei Blatters Antritt als Präsident, schrieb die FIFA noch Rote Zahlen. Als die AXA nach den Anschlägen des 11. Septembers 2001 der FIFA die Versicherung kündigte, schrammte der Verein nur um Haaresbreite am Konkurs vorbei.

    Koch akzeptiert noch nicht einmal das Wort „FIFA-Skandal“. Die angeklagten und festgenommenen Personen seien schliesslich keine FIFA-Mitarbeiter. Dies ist nun eine extrem FIFA-freundliche Auslegung, doch er spricht damit auf ein reales Problem an: Das FIFA Hauptquartier in Zürich und seine rund 400 Mitarbeiter werden gewissermassen „fremdregiert“ durch das mächtige Exekutivkomitee, welches zweimal im Jahr aus aller Welt einfliegt. Sepp Blatter, der sein Büro als einziger in Zürich hat, ist zwar der Präsident dieser Regierung des Weltfussballs, hat aber auch nicht mehr als eine von 25 Stimmen. Die Mitglieder dieses Komitees werden auch nicht von Sepp Blatter und mit Ausnahme eines weiblichen Mitglieds auch nicht vom FIFA-Kongress sondern von den jeweiligen Konföderationen gewählt. Blatter wollte zumindest einen externen Integritätstest für Exekutivkomitee-Mitglieder einführen, scheiterte damit aber am Widerstand der Europäer, welche befürchteten er würde dies als Instrument gegen sie einsetzen.

    Es war denn auch dieses Exekutivkomitee, welches für die stark kritisierte Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 an Russland und 2022 an Katar verantwortlich ist. Beliebt ist dieses Komitee am Zürichberg nicht. Viele der Vorschläge des Reformkomitees zielen darauf das Exekutivkomitee zu entmachten, der Vorsitzende der Audit und Compliance Kommission Domenico Scala würde es Berichten zufolge am liebsten gleich ganz abschaffen.

    Die „Zürcher FIFA“ schiesst aber nicht nur gegen das Exekutivkomitee, sie holt derzeit auch zum Gegenschlag gegen Platini und die UEFA aus. So hat die FIFA, angeblich auf Geheiss Blatters, versucht einen Platini-kritischen Text an die Medien zu bringen und Blatter persönlich spricht öffentlich von Drohungen, welche Platini ihm gegenüber gemacht habe. Im Gespräch mit den Studenten blieb Blatter vorsichtiger was Platini angeht. Er sagte nur Platini habe ihn immer wieder als Freund bezeichnet. Er selbst sehe das Ganze eher als eine Art Vater-Sohn-Beziehung. „Freunde kann man sich aussuchen.“

    Blatter ist nicht die Lösung. Kein Blatter ist aber auch noch keine Lösung. Dass viele am Zürichberg versuchen Platini als Nachfolger Blatters zu verhindern hat gute Gründe. Während es unklar ist für welchen Austragungsort Blatter gestimmt hat, so war und ist Platini einer der Verfechter einer WM in Katar und wie durch Magie erhielt sein Sohn dann kurz nach der Abstimmung auch einen lukrativen Posten als Europachef der Qatar Sports Investments. Gerade im Falle von Katar nehmen die „Wahlkampfkosten“ eine solch absurde Höhe an, dass sich der französische Präsident Nicolas Sarkozy und der deutsche Präsident Christian Wulff beide persönlich für die WM-Vergabe nach Katar eingesetzt haben sollen. Grosse deutsche Baufirmen erhielten dann übrigens auch viele Bauaufträge in Katar, wo sie, und nicht die FIFA, Arbeiter zu absolut unmenschlichen Bedingungen anstellen und auch schon lange vor der WM angestellt haben. Es ist also schon verständlich, wenn man sich in Zürich nicht einfach für alles den Schwarzen Peter zuschieben lassen will.

    Strukturelle Probleme

    In einem Punkt sind Blatter, der meinte „es gibt nur schlechte Menschen“, und viele seiner Kritiker, welche auf einzelne Personen oder einzelne Events fokussieren, allerdings gleich: Sie wollen oder können den Wald vor lauter Bäumen nicht erkennen. Es gibt sehr gute Gründe anzunehmen, dass bei jeder einzelnen WM-Vergabe der jüngeren Zeit Bestechungsgelder geflossen sind: 1998 Frankreich, 2002 Südkorea/Japan, 2006 Deutschland, 2010 Südafrika. Für die WM 2014 gab es nur eine einzige Kandidatur, Korruption war aber natürlich trotzdem reichlich vorhanden und von der Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 brauche ich eigentlich gar nicht erst sprechen. 2 Funktionäre, die schon im Vorfeld der Korruption überführt wurden, durften gar nicht erst abstimmen. Von den ursprünglichen 24 Mitgliedern des Exekutivkomitees bei der Vergabe sind heute nur noch 9 vorhanden, alle anderen wurden unterdessen suspendiert oder haben sich freiwillig zurückgezogen.

    Die Korruption ist keine Anomalie die komischerweise bei jeder WM-Vergabe aufgrund einzelner schlechter Menschen wieder aufblitzt, sie ist eindeutig ein strukturelles Problem. Dies wird noch deutlich wenn wir mit dem IOC eine strukturell vergleichbare Organisation betrachten:

    So wie man keine korruptionsfreie WM finden kann, so kann man nämlich auch keine korruptionsfreien olympischen Spiele finden. Die Vorwürfe erlangten vor allem um die Jahrtausendwende und die Spiele 1998 in Nagano, 2000 in Sydney und 2002 in Salt Lake City mediale Aufmerksamkeit. Doch aufgehört haben sie deswegen nicht. Die BBC-Reportage „Buying the Games“ (Transkript) aus dem Jahr 2004 zeigt, dass sich hinter den Kulissen nichts geändert hat und die Vergabe der Olympischen Spiele bis hin zu denjenigen von 2012 stark von entsprechenden Anreizen abhängig war.

    Ich möchte in diesen Zusammenhang noch einmal auf das Buch „The Dictators Handbook“ von Alastair Smith und Bruce Bueno de Mesquita hinweisen, welches diese Mechanismen sehr einfach und verständlich erklären kann. Überlege dir einmal Folgendes: Wie viel wäre es dir Wert, zu bestimmen, dass die WM in Japan, in den USA oder in Katar stattfindet. Wenn du nicht gerade aus einem der Länder kommst, hast du zwar eine Präferenz, aber eine riesige Auswirkung auf dein Leben haben die verschiedenen Austragungsorte nicht. Um deinen eigenen Nutzen zu maximieren solltest du bereit sein diese Präferenz, abhängig von weiterem damit verbundenen persönlichen Nutzen, zu ändern. Also deine Stimme zu versteigern. Natürlich birgt das je nach Transparenzdruck ein gewisses Risiko, aber dieser Aufschlag ist im Preis deiner Stimme eingerechnet.

    Wenn nun einige wenige Personen, in der FIFA waren es bis 2011 24, neu werden es immerhin 209 sein, im IOC sind es bis zu 115 Mitglieder, darüber abstimmen, wer den Zuschlag für ein Multimilliardenevent erhält, ist eine Stimme schnell genug wert, um den Minimalbetrag für persönliche Bestechlichkeit zu überschreiten. Sagen wir zum Beispiel die Regierung des Landes X ist bereit 20 Milliarden in das Projekt zu investieren. Wenn sie nur schon bereit ist 1% der Gesamtkosten in den Wahlkampf zu stecken ergibt das ein Budget von 200 Millionen. Die öffentliche Meinung und Präsentation einer Bewerbung ist reine Augenwischerei, denn entscheidend ist am Ende die Mehrheit des Selektorats. Im Falle einer WM waren dies 13 Stimmen. Für das kandidierende Land könnte es also „rational“ sein bis zu 200 Millionen in 13 Stimmen zu investieren. Das ergibt etwas mehr als 15 Millionen pro Stimme. Die Vergrösserung des Selektorats ist in diesem Fall die einzige nachhaltige Lösung, denn nur so werden die systematischen Anreize auf Bestechung verkleinert.

    Demokratische Lösung

    „Der Fussball ist mehr als nur ein Sport“, darin stimme ich mit Sepp Blatter überein. Der Fussball ist so stark gewachsen, dass er zu einem unersetzbaren Teil der globalen Kultur geworden ist. Aus dieser gewachsenen Macht erwächst allerdings auch Verantwortung. In einer kleinen Randsportart mögen oligarchische Strukturen kein Problem darstellen, aber eine WM und die olympischen Spiele stellen die grössten Anlässe auf dem Planeten Erde dar. Die damit verbundene Strahlkraft und Macht führt dazu, dass der Sport auf dieser Ebene unausweichlich politisch wird. Der Fussball bewegt Milliarden von Menschen und als solcher kann er nicht länger von Fehden und Vetternwirtschaft beherrscht werden. Der Fussball braucht nicht Platini, er braucht seine (friedliche) französische Revolution. Die aktiven lizenzierten Fussballer sind die einzige legitime Basis auf der eine Herrschaft im Fussball zu fussen hat. Dies heisst nicht zwingend, dass alle lizenzierten Fussballer dieser Welt direkt über die Vergabe der WM entscheiden sollen, aber sie sollen zumindest ihre regionalen Vertreter wählen und damit mit den lokalen Funktionärsoligarchien aufräumen können.

    Oligarchien haben es so an sich, dass sie sich in der Regel nicht selbst abschaffen. Es benötigt also zielgerichteten Druck, um einerseits bereits auf lokaler Stufe mehr Mitspracherecht für die Fussballer zu erreichen und andererseits damit die FIFA Top-Down Gelder an demokratische Vorgaben oder Zwecke bindet. Ich bin überzeugt die damit verbundenen Verwaltungskosten sind es mehr als wert.

    Der ökonomische Schaden von nicht-nachhaltigen Grossanlässen, welche nur der Selbstüberhöhung einiger Politiker und dem legalen und halblegalen Verteilen von Milliardenaufträgen an seine politischen Freunde dienen, könnte aber mit nur einer Regeländerung schon viel einfacher unterbunden werden. Sowohl der IOC als auch die FIFA müssen die Gültigkeit einer Kandidatur von einer vorhergehenden Volksabstimmung in dem oder den Austragungsländern abhängig machen. Die staatliche Infrastruktur für solche Abstimmungen ist bereits vorhanden und dies würde dem autokratischen Gigantismus der letzten sowie der kommenden Jahre ein jähes Ende setzen und den Sport wieder ins Zentrum rücken.

    Was Sepp Blatter davon hält, weiss ich leider nicht. Dafür konnte ich ihm beim Apéro zumindest meine Idee pitchen den Confed-Cup nicht mehr mit Nationalmannschaften sondern mit Bestenauswahlen der Konföderationen durchzuführen. Dies hätte interessantere Spiele zur Folge, jeder einzelne Mensch auf diesem Planeten hätte die Möglichkeit mit einem Team mitzufiebern, was die Aufmerksamkeit und damit auch die Einnahmen der FIFA merklich erhöhen würde und der Fussball würde dabei erst noch eine Vorreiterrolle im Übergang zu einer post-nationalen Menschheit übernehmen. Daraufhin schien der FIFA-Boss zum einzigen Mal an diesen Tag erst einmal um Worte verlegen, dann meinte er: „Bedenkenswert, diese Idee ist tatsächlich bedenkenswert“ und schlug sogleich Uli Forte als Trainer der UEFA-Auswahl vor. Wie ernst Sepp Blatter ersteres gemeint hat und ob er sich auch nach dem Weisswein und den hübschen Frauen noch daran erinnern kann, bleibt wohl, wie so vieles im Fussball, vorerst zumindest, sein Geheimnis.

  2. Wo ist Sepp? Die Bildersuche

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    Das Amt fordert Sepp Blatter auch nach seinem Rücktritt: Noch immer ist er dabei, «the welt ä bötter pleis zu meiken», wie der sprachgewandte Walliser die Welt über Twitter wissen lässt.

    Blatter TwitterDoch wo sich Blatter aufhält, ist unklar. Die Schweiz wird er wohl nicht so schnell verlassen, aber auch hier kann man es sich am einen oder anderen Ort gemütlich machen. Wo ist Sepp? Er trägt zwar keine rot-weisse Mütze, hat sich aber doch auf all diesen Bildern versteckt …

    Bahnhofshalle HB Blatter

    Der Zug nach Visp fährt ab Gleis 16.

    HSG-Talents Blatter

    Findet Blatter seine Nachfolgerin oder seinen Nachfolger an der HSG Talents Conference? (Foto: Wikicommons/HSG Talents)

    Katar Blatter

    In Katar läuft bereits das Akklimatisierungsprogramm «JSB 2022». (Foto: flickr.com/Jadi)

    Zuhause-im-Wallis Blatter

    Oder geniesst «der kleine Blatter» die Zeit im schönen Wallis? (Foto: flickr.com/Ronile35)

     

  3. Klitschko: «Du bist die bewegende Kraft»

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    Boxen und die HSG. Passt nicht zusammen, sagt ihr? Passt doch, sagte sich der amtierende Schwergewichtsweltmeister Wladimir Klitschko und wandte sich mit seiner Idee für einen Weiterbildungs-Studiengang an den Executive Campus unserer Uni. Daraus entstand der «CAS in Change und Innovation Management». Für schlappe 14’950 Euro ist man dabei und kann sich von «Dr. Steelhammer» persönlich unterrichten lassen – vorausgesetzt man besteht das Aufnahmeverfahren.

    Der Allrounder

    Heute präsentierte Klitschko (begleitet von zwei Bodyguards, die auch nebeneinander-stehend kaum breiter waren als Klitschko selbst) seinen Studiengang  – und auch sich selbst ein bisschen – an der HSG im Rahmen einer Pressekonferenz, vor deren potenziellen Teilnehmer sich die HSG-Medienstelle gemäss Interpretation der NZZ Campus mehr fürchtete als vor Klitschko.

    Die Idee für den Studiengang habe er vor über einem Jahr entwickelt, sagt Klitschko. Sein Konzept habe er schliesslich der HSG vorgestellt weil sie sich «ganz vorne» befindet. «Wir haben uns von Anfang an perfekt verstanden.» Klitschko der Boxer, der Unternehmer, der Olympiasieger. Und nun also auch Klitschko der Dozent. «Ich wollte meine Erfahrungen im Sport und dem geschäftlichen Leben zusammenstellen und zusammen mit wissenschaftlichen Ansätzen ein System daraus entwickeln», sagt der 1,98m grosse Sportler. «Ich stehe auf der Seite der Praxis, die Theorie kommt von der HSG – eine perfekte Kombination». Neben Klitschko werden gewisse Module durch uns bekannte Professoren wie Torsten Tomczak oder Andreas Herrmann unterrichtet.

    Den ersten Schritt machen

    Mit «change» kennt sich Klitschko aus. Nach Olympia-Gold 1996, sportlichen Rückschlägen 2005 und seiner erfolgreichen Rückkehr in den Profisport gründete er 2007 die «Klitschko Management Group» und wurde zum Unternehmer. Auch die «challenges» sind ihm bestens bekannt: «Die grösste Herausforderung ist es, den ersten Schritt zu schaffen», sagt Klitschko. «In Bewegung kommen, weiterkommen, nach vorne marschieren, das ist wichtig. Wenn du stehen bliebst, fällst du zurück, wie ein Schwimmer, der gegen die Strömung schwimmt.» Angst vor der Herausforderung, den ersten Schritt zu machen, habe er aber selten. «Wenn du im Ring stehst gibt es nur dich, deinen Gegner und den Ringrichter,  dann musst du deine Angst bekämpfen und den ersten Schritt machen», sagt er. «Du bist die bewegende Kraft.»

    Sport und Management

    Den ersten Schritt für seinen Weiterbildungs-Studiengang hat Klitschko mit der Pressekonferenz gemacht. Brav, wenn auch ausweichend antwortete er den Journalisten von Blick, Tages-Anzeiger und Co. Ähnlich ausweichend war auch die Antwort Wolfgang Jeneweins (akademischer Direktor des Executive MBA) auf die Frage, ob der neue Lehrgang mit Klitschko nicht einfach eine PR-Masche der HSG sei. «Diese Meinung können wir nicht beeinflussen, bisher habe ich nur gehört, dass wir einen interessanten Partner gefunden haben und als Uni auch nicht schlecht sind.» Es zeige sich immer mehr, dass die Kombination von Sport und Management ein wichtiger Markt sei mit immer grösseren Wachstumszahlen.

    Ungeklärt blieb auch, ob die zwei Bodyguards, welche Dr. Steelhammer während der Pressekonferenz begleiteten, während Klitschkos Vorlesungen auch dabei sein werden. «Es sind alle ziemlich fit und sportlich hier an der Universität», schmunzelte Klitschko. Eigentlich brauche es keine Security, er fühle sich wohl hier.
    Foto: Livia EichenbergerFoto: Livia Eichenberger

     

     

  4. Work-WM-Balance

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    Die Lernphase ist hart. Zweifellos. Und ganz unbestritten ist sie jetzt gerade noch ein bisschen schlimmer, wo doch (wortwörtlich) der Rest der Welt mit einem Bier, nicht wahnsinnig gesunden Snacks, richtig guten Freunden und in einem sportlich bequemen Outfit den lauen Sommerabend vor dem Fernseher ausklingen lässt, während wir im fahlen Licht der Schreibtischlampe in akademischer Einsamkeit an einem Energydrink nippen und versuchen, doch noch die eine oder andere Seite im Uniseminarordner und drei, vier, fünf (tausend) KKarten in unsere überstrapazierten Köpfe zu quetschen. Yeah!  Glücklicherweise sind wir Schweizer Könige des Kompromisses – Hier einige Ideen für die optimale Work-WM-Balance:

    • Der Klassiker – um 07 Uhr aufstehen, lernen bis 12 Uhr, 45 Minuten Mittagspause… bis Matchanpfiff um 22 Uhr kann man sowieso nicht mehr. Einziges Problem – am nächsten Tag wieder früh aufstehen (insbesondere dann, wenn man sich entgegen aller Vorsätze das eine oder andere obligate Bier doch noch gegönnt hat).
    • Das Joggen auf den späten Abend verschieben und sich das Spielgeschehen auditiv via SRF-Radio App vermitteln lassen. Klar – die Fernsehbilder fehlen, dafür ist es doppelt gesund (Sport und Opportunitätskalorien, die man sich vor dem Fernseher sehr wahrscheinlich gegönnt hätte).
    • Glücklicherweise ist die WM ja mehr als nur international und bestimmt findet man einen Livestream in jeder erdenklichen Sprache – wer also noch ein bisschen Akzent für die mündliche Sprachprüfung verinnerlichen oder den Wortschatz aufstocken will… den Dozenten freuts bestimmt wenn ihr an der Prüfung mit Goal, Penalty, Offside und Co. glänzt!
    • Soziale Kontakte kommen im Januar und im Juni ja gerne mal etwas zu kurz – da bietet es sich an, alle Freunde gleichzeitig (sehr effizient!) im AdHoc zu treffen und sich den Match gemeinsam anzusehen. Dafür kann man tagsüber die eine oder andere extrem ausgedehnte Kaffeepause auslassen.
    • Es gibt ja noch einige andere Dinge, die beim Lernen nicht zuoberst auf der Prioritätenlisten stehen, aber doch irgendwann erledigt werden müssen: Wäsche waschen, Geschirrspüler ein- und ausräumen, Lavabo putzen, Staubsaugen, die Küche reinigen, Bettwäsche wechseln, ESSEN, Zähneputzen… jetzt die gute Nachricht: Alles das kann man machen, während man (mit einem Auge und zwei Ohren) den Match verfolgt. Und das allerbeste: Ganz ohne schlechtes Gewissen – weil man das ja so oder so erledigen müsste!
    • Wenn man vorbildlich gaaaaaanz früh ins Bett geht und dann komischerweise einfach nicht einschlafen kann, muss man sich ja irgendwie die Zeit vertreiben
    • Prioritäten setzen: Lernphase gibt es so oft, dass wir kaum Zeit haben, uns dazwischen zu erholen – WM gerade mal alle 4 Jahre… noch Fragen? – Und ganz ehrlich, an was wirst du dich eher erinnern: Das Tor in der 89.9999 Minute oder die steuerrechtlichen Konsequenzen einer indirekten Teilliquidation?
    • Prioritäten setzen für Fortgeschrittene: Sich genau überlegen, welche Spiele man unbedingt sehen MUSS, und den ganzen Lernplan danach ausrichten – vorbildlich und sehr strukturiert!
    • Fürs gute Gewissen anstelle von Bier und Chipstüte die KKarten aufs Sofa mitnehmen und jedes mal, wenn im Fernsehen die Wiederholung gezeigt wird kurz zwei, drei Kärtchen umdrehen.

    Seid ihr noch effizienter und ausbalancierter? – Wir sind gespannt auf eure Inputs!

  5. Die Fechter der HSG erringen die Oberhand in der Deutschschweiz

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    Gastbeitrag von: AFC

    Die Schweizer Hochschulmeisterschaft (SHM) im Fechten ist jedes Jahr einer der Höhepunkte des Wettkampfkalenders, da sie aufzeigt, welche Vereine und Mannschaften die Schweizer Fechtlandschaft der Hochschulen dominieren. Da die verschiedenen Universitäten ihre Mannschaften mit Elitefechtern aus der Nationalmannschaft oder ausländischen Top-Fechtern garnieren, geht sie dabei weit über das Niveau normaler studentischer Wettkämpfe hinaus.

    Für den neugegründeten „Akademischen Fechtclub an der HSG“, kurz „AFC“, war die Teilnahme an diesem Wettbewerb somit nicht nur eine wichtige Standortbestimmung, sondern auch eine gute Gelegenheit, sich gegenüber den anderen Universitäten, wie Zürich, Lausanne oder Genf, zu positionieren.

    Am 29. März 2014 fuhr daher die Mannschaft des AFC mit Till Ferst, Alexandre Pittet sowie Arne Manke und grossen Ambitionen im Gepäck nach Fribourg, um sich mit den etablierten Mannschaften der anderen Schweizer Hochschulen zu messen. Wegen der kurzfristigen Absage zweier weiterer Fechter war das Team des AFC zwar ersatzgeschwächt, startete aber dennoch furios in das Turnier und konnte die Mannschaft der ETH Zürich deutlich schlagen. Anschliessend kam es zur ersten grossen Belastungsprobe für den AFC. Die erstklassig besetzten Turnier-Mitfavoriten von der Universität Genf und Fribourg lieferten dem Team von der HSG einen harten Kampf, der jeweils denkbar knapp ausging: 44 zu 45 und 43 zu 45 gegen die Mannschaft der HSG. An diesem Tag war nur der spätere Turniersieger von der Universität Lausanne in der Lage den AFC deutlich zu bezwingen. Zum Abschluss zementierte der AFC mit einem klaren Sieg über die Universität Zürich die Position der HSG als diesjährig stärkste Universität der Deutschschweiz.

    Im Gesamttableau sicherte der AFC der HSG damit völlig überraschend und trotz personeller Probleme den hervorragenden vierten Platz und ist damit bereits im ersten Jahr nach seiner Gründung unter den vier besten Clubs der Schweizer Universitäten angekommen. Nicht nur dieses Ergebnis, sondern vor allem die intensive Aufbau- und Nachwuchsarbeit in Kooperation mit dem Fechtclub St. Gallen machen Hoffnung, dass die HSG in der Schweizer Hochschullandschaft auch im Fechtsport eine gewichtige Rolle spielen wird.

     

  6. Von Schlammschlachten und starken Männern – Fisherman’s Friend Strongman Run 2013

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    Freitag, halb ein Uhr morgens nach dem einen (und anderen) obligaten Lernphasenfeierabendbier, irgendwo in St. Gallen, ein Freund zu mir: „Morgen Fisherman’s Friend Strongman Run in Engelberg, wirklich locker, 20 km, etwas Schlamm und das eine oder andere Hindernis … jemand im Team hat abgesagt, bist du dabei? Abfahrt um neun Uhr …“. Gute Idee denke ich – leicht angetrunken – habe sowieso nichts Besseres zu tun morgen, Prüfungen sind noch weit weg.

    Am nächsten Morgen um acht Uhr, das liebevolle Piepsen meines Weckers reisst mich jäh aus dem Schlaf. Kurzer Blick aufs Handy, “Sorry Mate, keine Bib heute”, schreibe ich noch kurz meinen Leidensgenossen, bevor mir, noch halb bewusstlos, die Tatsache durch den Kopf  geht, dass ich an diesen ominösen Strongman Run gehen muss. Kurz Laptop gestartet um zu schauen, was es mit diesem Lauf überhaupt auf sich hat…

    Die nackten Zahlen zum Fisherman’s Friend Strongman Run 2013:

    11 Kilometer, 19 Hindernisse (Übersicht gibt’s hier), mit 6’453 Anmeldungen der grösste Hindernislauf der Schweiz, 1’490 Frauen und 4’976 Männer waren gemeldet, 5’378 gingen an den Start, davon 1’191 Frauen und 4’187 Männer, 5’349 haben es ins Ziel geschafft, davon 1’180 Frauen und 4’169 Männer, der älteste Mann und die älteste Frau waren beide 65 Jahre alt, Teilnehmer aus neun Nationen waren am Start, unter anderem aus Kolumbien

    Kaum in Engelberg angekommen durfte unser Team feststellen, dass sich dank Petrus die Strecke zum ultimativen Schlammschlachtfeld entwickelt hatte. Je mehr Dreck desto besser; Wetter könnte noch schlimmer sein, war der einstimmige Tenor in unserem Team. Damit man am Ende auch wirklich sieht, dass wir starke Männer sind und Schlamm abbekommen haben, wurden erst einmal knallorange Kostüme angezogen und Startnummern abgeholt. Dass wir nicht die Einzigen waren, die sich verkleidet hatten, wurde uns ziemlich schnell klar – speziell das Team Baywatch, welches den ganzen Parcours oben ohne und ein Gummiboot tragend (als ob 11km über Hindernisse nicht schon so anstrengende genug wären) absolviert hat, machte sich von Anfang an lautstark bemerkbar. Sie waren es, die mich, keuchend und dem Ende nahe, während des Laufes mit ihren Sprechgesängen („Ich hab ‘ne Zwiebel aufm Kopf, ich bin ein Döner, denn Döner macht schöner … “) aus dem Loch holten.

    Die Hindernisse waren teils anspruchsvoll – so galt es zwischen elektrisierten Drähten hindurch zu manövrieren – teils aber bestanden sie auch nur aus einigen Heuballen, die es zu überwinden galt. Die Atmosphäre im Team und bei den Zuschauern, die Herausforderung “Fisherman’s Friend Strongman Run” anzugehen und zu meistern waren einmalige Erlebnisse und können schwer in Worte gefasst werden. Die Organisation war – bis auf die etwas kühlen und überfüllten Duschen –  professionell und die ganze Strecke durch Rettungspersonal gesichert. Den einzigen Wermutstropfen bildete das riesige Startfeld, welches aufgrund seiner Grösse an gewissen Hindernissen zu Wartezeiten und Verzögerungen geführt hat. Im Ziel war aber die Begeisterung riesig und die Stimmung einmalig – der Lauf sei jedem der einmal seine eigenen Grenzen austesten will und einigermassen sportlich ist, sehr empfohlen. Geht im Team, startet vorne im Feld und hofft – Fisherman’s Friend Strongman Run 2014 is coming up.