Tag Archive: St. Gallen

  1. Tropische Zustände in St. Gallen

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    Traumhafte 23 Grad Celsius soll es in der kommenden Woche werden. Manch ein St. Galler traut seinen Ohren nicht, als er zudem erfährt, dass die Regenwahrscheinlichkeit an manchen Tagen bei mickrigen fünf Prozent liegt. Vorbereitungen müssen umgehend getroffen werden. Im Dachgeschoss findet sich noch eine verstaubte Sonnenbrille und ein Sonnenschirm. Aus den Tiefen des Kleiderschranks werden Shorts hervorgeholt. Trotz der erfreulichen Prognosen bezüglich Niederschlag traut sich der eingefleischte St. Galler nicht, seinen Regenschirm aus dem Rucksack zu nehmen. Denn in St. Gallen hat der Regen schon jeden überrascht. Trotzdem ist der St. Galler bester Laune und überlegt sich, was es denn überhaupt für Freizeitaktivitäten ausserhalb geschützter Mauern gibt. Das Openair St. Gallen ist zwar schon Wochen her – der Regen war da natürlich vorprogrammiert. Ein Ausflug zu den drei Weihern wäre sicherlich eine gute Idee. Obwohl man da in diesem Tropensommer schon einige Male war. Man könnte auch draussen einen Kaffee trinken gehen. Falls sich der St. Galler Petrus von seiner wahren Seite zeigt und sich das Wetter wieder seinem Willen beugen muss, kann noch immer in Windeseile ins Trockene geflüchtet werden. Wenn ab Freitag wieder der altbekannte Regen kommt, wird er sich mit Sonne im Herzen an die unglaublich märchenhaften Tage zurückerinnern und damit den eisig kalten St. Galler Winter ohne heizbare Socken oder gar Eskimomontur überleben.

    Wir vom prisma wünschen natürlich allen Assessment-Studierenden und auch den Alt-Eingesessenen einen erfolgreichen Start und hoffen, dass das Wetter anfangs der Woche ein gutes Zeichen für einen erfolgreichen Semesterstart ist.

  2. Das Stiefelchen in der Grabenhalle

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    Durch den Tod seiner geliebten Schwester Drusilla seiner jugendlichen Naivität beraubt, verfällt Gaius Iulius Caesar, vielleicht besser bekannt als Caligula, in einen Wahn. Trunken vor Macht und dem Willen, Unmögliches zu erreichen, beginnt der zuvor gutmütige Kaiser seine Untertanen zu drangsalieren. Mit bestechender Logik begründet er sein Vorgehen; trotzdem zweifeln die Anderem an seinem Verstand. Nach und nach dezimiert sich die Anzahl seiner Anhänger, die Überlebenden verschwören sich gegen ihn und versuchen auch seine letzten Unterstützer zu überzeugen, sich von ihm abzuwenden. Doch wenn man nicht für ihn ist – ist man gegen ihn?

    Mit dem Stück von Albert Camus, das von historischen Texten inspiriert ist, hat sich das Studententheater St. Gallen eine schwere Kost vorgenommen. Durch die gleichzeitig moderne, aber mit den Kostümen trotzdem “wahrheitsgetreue” Inszenierung gelingt es dem Ensemble aber, die düstere Atmosphäre im caligulianischen Palast aufzulockern. Wenig überraschend war denn auch die gestrige Premiere in der Grabenhalle ausverkauft. Die Schauspielerinnen und Schauspieler des Studententheaters überzeugten durch ihre Leistung, allen voran die beiden Hauptdarsteller Sophia Stöckl als Caesonia und Manuel Schär als Caligula, die den Wahnsinn gekonnt darzustellen wussten. Durch den Einsatz von Videotechnik gelang es dem Ensemble zudem dem Publikum ein Bühnenbild zu bieten, das man so auch aus grossen Häusern kennt.

    Die Inszenierung läuft noch heute und morgen Abend in der Grabenhalle, jeweils um 20.00 Uhr. Plätze sollten vorreserviert werden, Informationen zum Vorverkauf finden sich auf der Facebookseite des Theaters.

  3. «Fressen Sie mich!» – Studententheater St. Gallen

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    Wenn auf der Bühne unter dem Gelächter der Zuschauer Kasatschok getanzt wird, führt das Studententheater St.Gallen eine Vorstellung auf und begeistert das Publikum mit viel Leidenschaft.

    Das Studententheater St. Gallen feierte am Montag die Premiere mit dem Stück «Onkel Wanja» von Anton Tschechow. Ein eitler, an seinem Alter verzweifelnder, teilweise wahnsinnig erscheinender Professor, offenkundig ein Fabulant und dennoch ein heller Stern am Himmel der Akademikerszene, hält sich eine junge Frau und verdammt seine Tochter und seinen Schwager Wanja zur Plackerei auf dem Landgut. So finanziert sich der jammernde Intellektuelle seinen Lebensstil.

    Tschechow zeigt im Stück die Aussichtslosigkeit des eigenen Daseins. Die snobistischen Stadtmenschen leiden unter einer unkurierbaren Langeweile und laborieren an sich eingebildeten Krankheitsbildern. Wie bei Tschechow vielmals üblich, ist die Liebe aussichtslos, wird lächerlich gemacht und hat keinen Platz im Warten auf das eigene Ende.

    Sollte das nicht ein Drama sein?

    Mit russischen Theaterstücken ist das immer so eine Sache: Aussichtslos, dramatisch und theatralisch werfen sie den Zuschauer in einen tiefen Abgrund. In unseren Breitengraden verliert man schnell den Überblick über die ganzen nicht aussprechbaren Namen der zum Glück nur wenigen Protagonisten und ständig wird Wodka gesoffen, sich fast schon zur Bewusstlosigkeit gegurgelt. Auch in der Inszenierung des Studententheaters St. Gallen wird getrunken – Wasser versteht sich – und so tanzen in einer Szene der Arzt Michaíl Lwówitsch Ástrow und Iljá Iljítsch Telégin in einem trunkenen Wahnsinn den russischen Tanz Kasatschok auf der Bühne. Eine Tschechow-Inszenierung ohne Wodka-Flaschen, in der alle nüchtern sind? Das wäre zweifellos undenkbar.

    Trotz der allen Protagonisten gemeinsamen Hoffnungslosigkeit und dem doch düsteren Thema des Dramas, versetzen genau solche pointierten Darstellungen der Schauspieler mit den teilweise fast schon komödiantisch erscheinenden Einlagen das Publikum in oftmaliges Gelächter. Ob das wohl gewollt war? Dies unter anderem auch mit Sätzen wie «Bin eingeschlafen und habe geträumt, mein linkes Bein sei ein anderes.» oder dem Ausruf des Arztes «Fressen Sie mich!», worauf er sich anschliessend auf den Boden wirft und die Arme nach der Frau des Professors, Jeléna Andréjewna, ausstreckt. Dennoch haben gewisse Schauspieler etwas zu viel der Theatralik in die Darstellung ihrer Rollen gelegt und so hat das gelegentliche Lachen manchmal einen anderen Herkunftsgrund.

    Die Monologe der Hauptdarsteller, als charakteristisches Element für das Drama, wissen zu überzeugen. Vor allem die Darstellung des Onkel Wanja begeistert und es gelingt, dem Zuschauer tiefe Einblicke in die Gedankenwelt und Gefühle der Figur zu gewähren. Eine wunderbare, glaubwürdige Darbietung, die Respekt verdient.

    Grosse Erwartungen an die Zukunft

    Wieder konnte das Studententheater die Zuschauer mit den schauspielerischen Leistungen für sich gewinnen. Das letzte Mal schon mit der düsteren Darstellung von Max Frischs Graf Öderland und dieses Mal erneut mit der „Komödie“ Onkel Wanja von Anton Tschechow. Vergleichen kann man die beiden Aufführungen schon aufgrund der Unterschiedlichkeit der Handlung nicht, aber das ist auch gar nicht nötig. Beide bleiben für sich einzigartig und vor allem gelungen. Jenen, die sich die Aufführung noch nicht angesehen haben, bietet sich Dienstag bis Donnerstag, 10. bis 12. Mai 2016, jeweils um 20.00 Uhr im Figurentheater die Gelegenheit.

    Bilder Alexander Wolfensberger

  4. Russisches Drama in St. Gallen

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    Iwan Petrowitsch Wojnizkij, genannt Wanja, lebt mit seiner Nichte Sonja und seiner greisen Mutter Maria Wassiliewna auf dem Landgut seiner toten Schwester. Seit neustem lebt auch sein Schwager, Ehemann der verstorbenen Schwester, Professor Serebrjakow, mit seiner neuen, wunderschönen Frau Jelena auf dem Gut. Seinen Lehrstuhl für Kunst in der Stadt hat er aufgegeben, krankheitsbedingt, sagen die einen, weil er schlicht nicht fähig genug sei, die andern. Der Professor leidet, an Gicht, an Rheuma, an allem und an nichts. So ist der Bezirksarzt Astrow häufiger Gast auf dem Gut, um sich um die Gesundheit des Professors zu kümmern. So sehr das Gejammere ihres Vaters Sonja entnervt, so sehr freut sie doch die Anwesenheit von Astrow auf dem Gut, ist sie doch schon lange heimlich verliebt in ihn. Doch nicht nur Sonja scheint die Anwesenheit des Arztes auf dem Gut zu gefallen, auch die schöne Jelena findet Gefallen an Astrow, der etwas Abwechslung in den sonst so tristen und öden Alltag bringt. Und so kommt es, wie es kommen muss, wenn sich Langeweile und allzu viel Menschliches miteinander mischen…

    „Onkel Wanja“ wurde 1896 von Anton Tschechow verfasst und schliesslich 1899, kurz vor der Jahrhundertwende, in Moskau uraufgeführt. Das Studententheater St. Gallen freut sich auch dieses Semester, eine neue Interpretation eines alten Klassikers zeigen zu dürfen, die ihm neues Leben einhaucht.

    Die Premiere findet am Montag, 9. Mai 2016, 20.00 Uhr, im Figurentheater an der Lämmlisbrunnenstrasse 34 in St. Gallen statt. Weitere Aufführungen folgen Dienstag bis Donnerstag, 10. bis 12. Mai 2016, jeweils um 20.00 Uhr.

    Die Tickets kosten CHF 15 und können via studententheater.stgallen@gmail.com reserviert werden oder am Vorverkaufsstand vom 2. bis 4. Mai 2016 (von 10.00 bis 16.00 Uhr) und am 9. und 10. Mai 2016 (von 10.00 bis 14.00 Uhr) im Bibliotheksgebäude bezogen werden.