#jesuisbieger – wenn sich Studierende hinter ihren Rektor stellen

Die HSG sieht sich mit neuen Vorwürfen konfrontiert – Rektor Thomas Bieger höchstpersönlich ist betroffen. Die Solidarität, welche ihm von einigen Studierenden entgegengebracht wird, konnte so nicht erwartet werden.

Thomas Bieger

Mit Fahrradhelm, Wind im Rücken und stets grüssend – so fährt der sportliche Professor den Rosenberg hoch. Doch nun hat der Wind gedreht und das liegt für einmal nicht am St. Galler Wetter. Seit einigen Tagen wird der Name Thomas Bieger von vielen in den Mund genommen. Die Medien verkaufen das Bild eines erneut gescheiterten HSG-Funktionärs.

Auch an der diesjährigen Senatsklausur – wo Professoren und Studierende gemeinsam über die Entwicklung der HSG diskutieren – drehen sich die Gespräche um die Causa Bieger. Als jedoch von Vertretern des Tagblatts die Frage fällt, ob die Studierenden der HSG überhaupt irgendetwas vom Geschehen mitbekommen, herrscht Entrüstung: So etwas Banales sollte eigentlich selbstverständlich sein.

Sogar beim Abendessen in geschlossener Gesellschaft wird eifrig darüber diskutiert. Einige Professoren erkundigen sich bei den anwesenden Studierenden, was für eine Wirkung die Angelegenheit auf diese habe. Was wohl den meisten bei dieser Frage durch den Kopf geht, ist die Tatsache, dass diese ganze Geschichte nur limitiert etwas mit der HSG als Bildungsinstitution zu tun hat. Durch die Nähe zur Praxis und bedingt durch die damit verbundene unternehmerische Tätigkeit sollte für die Dozierenden die Möglichkeit Fehler zu machen oder gar zu scheitern, eine Selbstverständlichkeit darstellen.

Auf ins Gefecht – für die Alma Mater

Mit verschiedenen Bewegungen über die sozialen Netzwerke zeigen sich einige Studierende alles andere als eingeschüchtert – weder vom Tagblatt noch von anderen Medien. Im Gegenteil: mit Hashtags wie «jesuisbieger» oder «onelovebieger» zeigen sie Solidarität gegenüber demjenigen, der ihre allererste Vorlesung an der Uni hielt und gegenüber jener Person, welche die HSG und damit jeden einzelnen Studierenden repräsentiert. Natürlich bekommen die Studierenden mit, was ausserhalb der HSG geschieht – manchmal finden sie auch Zeit, den einen oder anderen Zeitungsartikel zu lesen. Und selbst wenn man sie mit Perlen des Qualitätsjournalismus füttert, wie in den letzten Tagen, gar Monaten geschehen, ändert sich an ihrer Grundhaltung gegenüber den Dozierenden nicht viel.

Für die Studierenden der #jesuisbieger Bewegung sind der Rektor Thomas Bieger und der Verwaltungsratspräsident der Jungfraubahn Thomas Bieger zwei verschiedene Personen. Das ist ein Detail, welches sämtliche Medien bewusst zu ignorieren scheinen. In zahlreichen Aussagen, die sich um den Skandal drehen, wird Bieger als Rektor der Universität genannt. Das eine hat mit dem anderen in diesem Kontext überhaupt nichts zu tun. Ausserdem werden sämtliche Affären im gleichen Artikel genannt, welche die HSG in den letzten Monaten erschüttert haben. Das Tagblatt und die restlichen Medien tragen damit zu einem Reputationsschaden der HSG bei. Die Universität sieht sich gezwungen, zusätzliche Ressourcen zur Bewältigung dieses neuen «Skandals» aufzuwenden, sei dies im Rektorat oder in der Kommunikationsstelle. Ressourcen, welche für die Studierenden eingesetzt werden sollten. Es werden Stunden für Medienmitteilungen, Stellungnahmen und E Mail-Bewirtschaftung verschwendet. Das steht in keinem Verhältnis zu dem, was vorgefallen ist und hat absolut nichts mit der Person des Rektors zu tun. Eine Negativspirale, welche die Universität und somit auch die Region viel Geld kostet. Trotzdem sind sich die Studierenden bewusst, dass die HSG als öffentliche Institution zu Transparenz verpflichtet ist, jedoch stehen die Medien in der Verantwortung ein gesundes Mass zu finden. Dieses wurde jedoch verfehlt, denn die Berichterstattung über die HSG ist zu einer Verzerrung des Geschehenen verkommen.


1 Kommentar

  • Concerned HSG

    Euer Artikel vergisst da etwas: Wenn die Medienberichte stimmen, dann können Professoren mit einem 100%-Pensum einen Tag dieser Arbeitszeit für teils hoch dotierte externe Mandate verwenden und werden so faktisch doppelt bis dreifach bezahlt. Zugleich ist Doktoranden an der HSG eine Beschäftigung von mehr als 70% untersagt, damit genug Zeit für ihre Dissertation bleibt (die offenbar nicht Teil ihrer Anstellung ist). Wo bleibt da die Verhältnismässigkeit? Die Eidgenössische Finanzkontrolle empfahl bereits vor einiger Zeit, externe Mandate als Drittmittelprojekte abzuwickeln. Das würde der HSG deutlich mehr Ressourcen bescheren als die derzeitigen Skandale kosten. Darüber hinaus finde ich den Bezug auf #jesuischarlie geschmacklos – ich war damals auf Trauermärschen in Frankreich und kann nicht sehen, wo hier eine ähnliche Tragödie zu beklagen wäre.

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