Die Avocado – Superfrucht und Ökosünder?

Man sieht sie überall: im Supermarkt, auf veganen Food-Blogs und Social Media. Avocado ist die gesunde Trend-Frucht der letzten Jahre. Wird sie dieser Beliebtheit gerecht?

© Elsa Devaux

Die Avocado wird als Trend-Lebensmittel gefeiert. 2015 wurden 45 000 Tonnen allein nach Deutschland importiert. Besonders beliebt ist sie in der veganen Küche. Sie ist ein gesundes Superfood mit vielen Nährstoffen, das unter anderem ungesättigte Fettsäuren, Omega-3-Fettsäuren, Vitamin E, Vitamin B2, Vitamin B6 und Mineralstoffe für den Körper liefert. Dazu wird die Avocado in vielen Shampoos, Cremes und anderen Beauty-Produkten verwendet.

Die Schattenseiten

Vielen ist dabei nicht bewusst, dass die Avocado trotz ihrer Beliebtheit nicht mit komplett reinem Gewissen verzehrt werden kann. Insgesamt ist die Ökobilanz der Avocado eher mangelhaft. Hier sind einerseits der Wasser verzehrende Anbau, andererseits die langen Transportwege zu erwähnen.

Avocados stammen aus Spanien, Italien, Israel, Südafrika, Kamerun, Kenia, Australien, Mexiko oder Brasilien. Vor allem in Mexiko werden viele Hektare Pinien- und Tannenwald illegal abgeholzt, um die Superfrucht anzubauen. Dies zerstört das natürliche Ökosystem, das sich in diesen Wäldern entwickelt hat. Bei ihrem Anbau kommen überdies viele Pestizide zum Einsatz, die das Grundwasser verschmutzen.

Weiter benötigt der Anbau eines Kilos Avocados sage und schreibe 1 000 Liter Wasser. Ein Vergleich: Ein Kilo Tomaten benötigt gerade einmal 180 Liter. Und dieser Wasserverbrauch fällt in Ländern an, in denen Wasser oft knapp ist. Um den Durst der Avocado-Bäume zu löschen, müssen immer tiefere Brunnen gebohrt werden, wodurch der Grundwasserspiegel weiter absinkt.

Beim Transport ist besonders die Länge der Wege zu erwähnen. Oft werden Avocados mit Containern und LKWs über die halbe Welt verschifft, bis sie bei uns im Supermarkt landen. Da sie sehr druck- und stossempflindlich sind, muss darauf während des Transports besonders achtgegeben werden. Auch müssen sie den ganzen Weg über gekühlt werden, was sehr energieaufwendig ist.

Da Avocados unreif geerntet werden, müssen sie bei ihrer Ankunft in den Zielländern erstmal in Reifekammern nachreifen. All dies führt laut einer Studie zu einem CO2-Ausstoss von 846 Gramm CO2 pro zwei im Supermarkt gekauften Avocados. Der erhöhte CO2-Ausstoss der Frucht wird dabei aber durch ihren hohen Nährwert und ihre vielen Kalorien etwas relativiert.

Gibt es einen Plan B?

Wer trotzdem nicht auf die leckere Frucht verzichten will, kann alternativ, um die langen Transportwege zu umgehen, Avocados mit EU-Biosiegel kaufen. Diese kommen aus Spanien, Italien oder Israel und haben somit die kürzeren Anreisewege. Beim Anbau von Früchten mit diesem Siegel werden ausserdem keine Pestizide oder synthetische Dünger verwendet.

Ein Eigenanbau von Avocados als ökologische Option kommt leider nicht wirklich in Frage. Avocado-Bäume sind nicht selbstbefruchtend und brauchen mindestens zehn Jahre, bis sie Früchte tragen – wenn sie denn richtig befruchtet werden.


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