Die Elite-Plattform

Es ist entschieden: Der neue Studynet-Anbieter heisst Canvas. Die Plattform wird auch von Elite-Universitäten wie Stanford und Yale genutzt, liegt jedoch preislich weit über dem Vorgänger fronter.

Der Weg zur neuen Lernplattform war lang und steinig. Eigentlich sollte die gesamte Universität ab dem Herbstsemester 2018 auf die fronter-Nachfolgeplattform ItsLearning migrieren, doch dann kam alles anders. Der Anbieter «Canvas», der vor allem im angelsächsischen Raum sehr präsent ist, hat die öffentliche Ausschreibung der HSG gewonnen. Überzeugt haben vor allem die technischen Features und Schnittstellen von Canvas: Über die Plattform sollen Mails abgewickelt, Videokonferenzen geführt und Kursmaterialien «on the go» zugänglich gemacht werden können. Durch einfache Bedienung sollen Studierende intuitiv navigieren können.

Kleiner Fisch im grossen Teich

«Die Entscheidung zwischen Canvas und ItsLearning ist uns nicht ganz leicht gefallen. Es stellte sich mitunter auch die Frage, ob man lieber ein kleiner Fisch im grossen Teich oder ein grosser Fisch im kleinen Teich sein will», sagt Jacqueline Gasser-Beck, Leiterin des Teaching Innovation Lab. Denn mit Canvas setzt man auf den gleichen Anbieter wie weltbekannte US-amerikanische Universitäten. Trotz begrenzter Einflussmöglichkeiten auf neue Plattform-Features hat die HSG dank des offenen technischen Standards die Möglichkeit, die Plattform ihren Bedürfnissen anzupassen. Dies schlägt sich auch im Preis nieder. Für Canvas soll gemäss zuverlässigen Quellen pro Studierenden rund doppelt so viel ausgegeben werden wie mit der bestehenden Plattform fronter. 

Das grösste Problem mit Canvas ist nicht die Plattform selbst, sondern die Überzeugungsarbeit, welche geleistet werden muss, um die Dozierenden an Bord zu holen. Laut Gasser-Beck seien einige Innovatoren von Anfang an Feuer und Flamme gewesen, während sich andere gegen ein neues LMS, welches technisch schier unbegrenzte Möglichkeiten bietet, eher kritisch geäussert haben. Die Befürchtung: Vertrauliche, im Rahmen der Vorlesung geäusserte Informationen und Meinungen würden an die Öffentlichkeit gelangen und somit die Preisgabe von unternehmensinternen Geschichten und persönlichen Meinungen einschränken. 

Auch Florian Wussmann, studentischer Vertreter im Projektleitungsausschuss für die neue Lernplattform, sieht das grösste Problem darin, dass die Dozierenden sich weigern, die von der Plattform gebotenen Möglichkeiten zu nutzen. «Die grösste Herausforderung wird es sein, skeptische Dozierende von der einfachen Bedienbarkeit der Plattform und deren Chancen für die kontinuierliche Weiterentwicklung der Lehre zu überzeugen.»

Ehrgeiziger Zeitplan

Innerhalb eines Jahres soll Canvas voll funktionstüchtig sein und alle Kurse über die Plattform abgewickelt werden. Dies ist laut Jacqueline Gasser-Beck äusserst ehrgeizig: «Andere Universitäten brauchen für die Integration drei Jahre, wir wollen es in einem schaffen.» Sodann soll Canvas für alle Studierenden der HSG im Herbstsemester 2019 eingeführt werden. Es bleibt zu hoffen, dass die Plattform nach dem aufwendigen Prozess hält, was sie verspricht.


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