Doping im Hörsaal

Am 10. März begrüsste der DebatingClub die HSG-Professoren Frei, Sieferle und Kolmar zur ersten Professorendebatte an der Universität St. Gallen. Thema war die Frage, ob die HSG vor Prüfungen leistungssteigernde Mittel an die Studenten austeilen solle.

Bei den Treffen des DebatingClub lernt man, sich in freier Rede gegen die Angriffe eines Gegners zu behaupten. Überdies sind die Debattierer durch regelmässige Turnierteilnahmen auch gewohnt, die rhetorische Klinge mit Studenten aus anderen Fachrichtungen oder sogar Kulturkreisen zu kreuzen. Was kann da noch kommen? Zum Beispiel, gegen die eigenen Professoren anzutreten! Und schliesslich debattiert man unter den kritischen Blicken seiner Kommilitonen ja auch nicht jeden Tag. Für das Publikum machte besonders die Erwartung rhetorischer Kunststücke der Professoren den Reiz der Debatte aus. Es sollte nicht enttäuscht werden.

Gegen das Team der Professoren debattierten die Assessmentstudenten Viola Lutz und Christian Funk sowie Bachelorstudent Robin Schädler. Mit Hilfe eines ausgeklügelten Systems (Pecunia iacta est) wurde die Pro- und Kontraseite ermittelt, wobei den Professoren die Rolle der Regierung zufiel. Nach einer viertelstündigen Vorbereitungszeit begann das Wortgefecht: Als eröffnender Redner bekannte sich Professor Frei sofort zum «Freiheitsdenker» und besetzte zugleich den Begriff der Gleichheit. Vor 25 Jahren habe er noch ähnlich konservativ wie die Opposition gedacht, die Erfahrungen seiner akademischen Laufbahn hätten ihn jedoch eines Besseren belehrt. Er könne sich daher nur für die Verteilung von Doping durch die Universität aussprechen.

Christian präsentierte postwendend die paradiesische Zukunft, die auf eine Annahme des Antrages folgen würde: Qualität wie in der Mensa, statt Energydrinks von Sponsoren finanzierte Spritzen sowie eine Leistung, die endlich nicht mehr vom menschlichen Geist, sondern von Bayers Chemikalien abhänge. Die Behauptung, dies würde die Benotung vollkommen willkürlich machen, konterte Prof. Kolmar anlässlich einer Zwischenfrage mit dem Argument der hohen Benotungsqualität, was besonders von einigen Viertsemestern im Publikum mit Zwischenrufen kommentiert wurde.

Prof. Sieferles Rede wurde von einem Kurswechsel beherrscht. Im Grunde genommen gehe es ja hauptsächlich um die Endorphinausschüttungen im Körper, welche die besseren Leistungen hervorbringen. Und die liessen sich z. B. auch mit dem Konsum von Videospielen vor den Prüfungen erreichen – völlig ohne Medikamente. Dieses Argument schien die Gegenseite so zu überraschen, dass sie das Vernünftigste tat: es einfach zu ignorieren.

Die Schreckensbilder von Christian fortführend, prophezeite Robin den Wandel von einem Bildungsinstitut in ein Versuchslabor, mit der Zusatzbemerkung, dass sich «Ulrich im Grabe umdrehen würde, wäre er schon tot». Ein Zuhörer brachte ein, wie unfair die momentane Situation sei, könne er sich im Gegensatz zu vielen seiner Kommilitonen doch keine Dopingmittel leisten und falle so zurück.

Prof. Kolmar griff dies als Gerechtigkeit für «Studenten aus sozial herausgeforderten Verhältnissen» auf und beendete die Debatte für die Professoren mit einer Ode an den Fortschritt: Würden alle so denken wie das Team der Studenten, so würde die Menschheit noch immer in Höhlen leben. Zugleich beschwor er die Flut von 1.4 Milliarden Chinesen, welche die Schweiz im internationalen Bildungskampf überrollten, wenn der Antrag abgelehnt werde.

In Erwiderung darauf erinnerte Viola als letzte Rednerin an solch fantastische Erfindungen wie die Atombombe. Das Recht auf eigene Erfahrungen sei eben eines auf umfassende Erfahrungen und nicht nur auf solche, die einem die Medikamente der Universität bescheren würden. Freiheit also auch auf Seiten der Opposition.

So wie sich beide Seiten auf die Freiheit beriefen, fiel auch das unfehlbare Urteil des Publikums aus – jeder bejubelte jeden. Zum Schluss also Friede und Freude und, für den Eierkuchen, auch noch Olivenöl als Dankeschön an die Professoren. Ihnen gebührt ohnehin ein grosser Dank dafür, dass sie sich auf das ungewohnte Terrain begeben und die Debatte mit viel Ironie bereichert haben.

Mehr unter: www.debatingclub.ch


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