Eine Universität dient nicht dem Selbstzweck, sie dient neben der Forschung vor allem der wissenschaftlichen Ausbildung von Studierenden. Viele Services der Universität St. Gallen stehen also im Dienst ebendieser – ganz besonders zu Herzen nehmen sich das die Mitarbeitenden der Bibliothek.
Kernkompetenz: Recherche
Über 83 000 Ausleihen werden jährlich von den rund 9 400 aktiven Benutzenden der Bib getätigt. Neben dem Bestand haben letztere Zugang zu über 100 Datenbanken, rund 45 000 E-Journals und mehr als 165 000 E-Books. Die Bibliothek steht zudem nicht nur Universitätsangehörigen offen, sondern ist für die Öffentlichkeit zugänglich und wird auch rege von Anwohnerinnen und Anwohnern aus Stadt und Quartier genutzt. Der Fokus liegt trotzdem vorwiegend auf der Unterstützung der Recherchearbeit der Studierenden, Lehrenden und Forschenden an der HSG. Neben speziellen Anlässen wie der Nacht der Schreibkompetenz und den Coffee Lectures – kurzen Einführungen in verschiedene bibliotheksbezogene Themen – stehen für eine kompetente Rechercheberatung täglich Informationsspezialisten und -spezialistinnen bereit. Ein PC-Tutor und das Writing Lab bieten regelmässig Unterstützung im Informationsbereich der Bib. Zudem ist die Bibliothek natürlich auch ein wichtiger Lernort mit rund 550 Arbeitsplätzen für die Studierenden.
Den Studierenden verpflichtet
Zusätzlich zu diesem beeindruckenden Grundangebot hat es sich das Bibliothekspersonal zum Ziel gesetzt, für ihre Benutzenden die «extra mile» zu gehen. Anina Frigg ist die Innovationsbeauftragte der HSG-Bibliothek. Vor ihrem Studium der Informationswissenschaften absolvierte sie eine Ausbildung zur Buchhändlerin. «Vielleicht ist mir daher ein unternehmerisches und kundenorientiertes Denken geblieben», lacht sie während unseres Gesprächs. Dass sich die Bibliothek nach den Bedürfnissen und Ansprüchen der Studierenden richten muss und möchte – und diesen im besten Fall sogar zuvorkommt – ist für sie und das gesamte Bibliothekspersonal selbstverständlich.
Die Veränderung der Medienlandschaft, der damit verbundene Wandel der Art der Nutzung der Bibliothek, die mit wachsender Studierendenzahl deutlicher werdenden baulichen Einschränkungen – all dies habe aufgezeigt, dass Massnahmen ergriffen werden müssen, um die Bibliothek als Lern- und Arbeitsort attraktiv zu halten, erklärt Anina Frigg. Dass sich viel verändert hat, ist nicht zu übersehen: Auf die Einrichtung der Ideenwand, die übrigens bis heute digital betrieben wird und auf welcher Studierende auf ihre Posts vom Bibliothekspersonal innerhalb weniger Stunden Antworten erhalten, folgte als weitreichendste Veränderung die Aufhebung des Taschenverbots und die Ausweitung der Services für die Studierenden.
In der Bibliothek zuhause
Es sind diese «kleinen Dinge», aufgrund derer die Studierenden die Bibliothek gegenüber den Lernräumen im Hauptgebäude weit bevorzugen und die die Bibliothek zum zweiten Wohnzimmer machen: Ladekabel, Taschenrechner, Kopfhörer, sogar Decken gegen die Kälte und vieles mehr können ausgeliehen werden. Neu stehen zum Beispiel auf Anregung der Ideenwand auch zwei digitale Pencils zur Verfügung. Zudem bietet die Bibliothek einen sicheren Ort zum Aufladen von Smartphones und Tablets. In einem weiteren Schritt der Serviceverpflichtung gegenüber ihren täglichen Besucherinnen und Besuchern bietet die Bibliothek seit diesem Semester auch den Kontakt per Whatsapp an. Während der Öffnungszeiten können Anregungen und Fragen nun bequem per Direktnachricht geschickt werden. «Obwohl wir bis jetzt noch nicht viel Werbung gemacht haben, wird das Angebot schon sehr gut genutzt», freut sich Anina Frigg. Die meisten Anfragen seien leicht zu beantwortende Fragen zu Themen wie den Öffnungszeiten oder der Aus- und Fernleihe, die von den Mitarbeitenden sehr gerne umgehend beantwortet werden. Grundsätzlich sei das Whatsapp-Angebot genau dafür gedacht: zur schnellen Beantwortung von brennenden Fragen. Darüber hinaus sei der direkte Kontakt aber einfacher, macht sie deutlich: «Bei komplizierteren oder inhaltlichen Fragen schreiben wir dann, dass die Person doch bitte persönlich an der Ausleihe oder Rechercheberatung vorbeikommen soll – das ist einfacher.»
Nägel mit Köpfen, trotz Einschränkungen
Jeder, der eine gewisse Zeit in der Bibliothek verbracht hat, weiss, dass es auch grössere Herausforderungen gibt. Den planerischen Einschränkungen der Steckdosen, zum Beispiel, wurde nun mit Anschlüssen auf vielen Tischen eine kleine Abhilfe geschaffen. Anderes, wie die grundsätzlichen Platz- und Raumklimaprobleme sind HSG-intern bekannt und werden mit Massnahmen wie dem Learning Center und der Sanierung des Bibliotheksgebäudes angegangen, liegen aber ausserhalb des direkten Einflusses des Bibliothekspersonals. Umso wichtiger sei es, laut Anina Frigg, da zu handeln, wo handeln rasch möglich sei: Von der Ideenwand sind über die Jahre rund 90 Ideen direkt umgesetzt worden.
Wie viele Personen daran arbeiten, das von den Studierenden gewohnte Angebot zusammenzustellen, ist auf den ersten Blick nur schwer erkennbar. Ein Team von rund 40 Personen – knapp 30 FTEs (full time equivalent) – ist hinter den Kulissen beschäftigt. Auf die Frage, ob es etwas gibt, das sie den Studierenden auf diesem Wege gerne mitgeben möchte, hat Anina Frigg gleich eine Antwort: «Kommt! Wir freuen uns, wenn unsere Angebote genutzt werden, zum Beispiel die Recherchekurse, die wir anbieten!» Mit genau dieser Freude an der Unterstützung der Studierenden machen die Mitarbeitenden aus der Bibliothek eben ein bisschen mehr als nur einen Lernort.