Pro: Weg mit dem Mythos der Wehrpflicht!

Wer die allgemeine Wehrpflicht als Teil einer nationalen Identität bezeichnet, liegt weit neben der Realität. Seit ihrer Einführung 1798 (unter grossem Widerstand) war die Armee noch nie im Stande, europäische Nachbarn abzuschrecken, geschweige denn das Land gegen sie zu verteidigen. Dieser Mythos wird seit der Generalmobilmachung vom 2. September 1939 fleissig gepflegt. Die Aufrüstung auf 450’000 Männer und 10’000 Frauen und das Réduit werden retrospektiv oft als geschickter Schachzug dargestellt, doch Fakt ist: Es fehlte an allen Ecken und Enden, die Streitkräfte waren nicht angemessen ausgerüstet und hätten bei einem Angriff die Landesgrenzen nie verteidigen können.

Was damals schon unmöglich war, grenzt heute an Wahnsinn! Das orientierungslose, mangelhaft ausgebildete und ausgestattete Milizheer mit 100’000 Mann ist nicht im Ansatz in der Lage, einem Angriff stand zu halten – muss es auch nicht, denn die Gefahren in der technologisch fortgeschrittenen und sowohl wirtschaftlich als auch politisch vernetzten Welt von heute sind komplett anders gelagert. Die Schweiz ist bald das einzige Industrieland mit einer Armee, die auf Masse setzt statt auf Effizienz. Die Dienstbüchlein der Soldaten sind zwar zum Bersten voll, aber in den sicherheitspolitischen Konzepten zur Bekämpfung der realen Bedrohungen – wie Klimaerwärmung, Cyberkrieg oder Migration – herrscht immer noch gähnende Leere. Staatsausgaben von derzeit 1500 Franken pro geleistetem Diensttag gaukeln eine Sicherheit vor, die den tatsächlichen Risiken mitnichten gerecht wird.

Zugegeben, eine gesicherte Personalausstattung der Armee verhindert beispielsweise eine Armee, die nur noch aus Rambos besteht, sowie Söldnerheere, die das Gewaltmonopol des Staates aushöhlen (wie sie übrigens in der Geschichte der Eidgenossenschaft eine viel prominentere Rolle spielen als die Wehrpflicht). Diese Entwicklung, wie sie sich im angelsächsischen Raum schleichend ausbreitet, ist unbedingt zu verhindern. Doch durch eine mit den realen Bedrohungen konforme Sicherheitsstrategie würde die quantitative Anforderung ohnehin obsolet.

Auch ist es ein sozialpolitisch legitimes Argument, dass in einem obligatorischen Milizdienst, in dem Karl Hirschmann und Uli der Knecht sich Seite an Seite für ihr Vaterland einsetzen, zum nationalen Zusammenhalt beiträgt und ein Gefühl für das solidarische Miteinander schaffen. Doch die romantische Vorstellung der „Wehrgerechtigkeit“ gehört längst der Vergangenheit an. Nur noch 30 Prozent der Wehrpflichtigen vollenden ihren Dienst in der Armee. Ungerechter geht es nicht. Viel effizienter und fairer wäre es doch, für die Sicherstellung der öffentlichen Sicherheit nur jene zu rekrutieren (und gut zu entlöhnen), die dafür tatsächlich ein Talent haben, anstatt Hinz und Kunz während 330 Tagen in der Kaserne rumlungern zu lassen.

Die Generation, die nicht mehr geprägt ist von den verzerrten Bildern der Kriegszeit, sondern das krasse Missverhältnis von Ertrag fürs Vaterland und persönlichem Opfer hautnah erlebt, hat dies erkannt: Die Mehrzahl der Stimmberechtigten unter 40 Jahren wird gemäss SRF-Umfrage der Initiative zustimmen. Die Alternativen von Berufsarmee über freiwillige Miliz bis zu sinnstiftendem Bürgerdienst sind vielfältig. Doch bevor wir über Vor- und Nachteile der verschiedenen Konzepte für Katastrophenschutz, öffentliche Sicherheit und Dienst an der Gemeinschaft diskutieren, besteht der erste wichtige Schritt darin, dass wir mit einem Mythos aufräumen, für den Jahr für Jahr unnötige Milliarden verpuffen und der viele junge Menschen mit einem sinnlosen staatlichen Zwang in ihrer Selbstbestimmung hemmt.

Weitere Informationen und Argumente: www.wehrpflichtaufhaben.ch, www.freie-miliz.ch


1 Kommentar

  • Christoph Zaugg

    Hat jemand schon Blattmann mit Flugzeugen spielen sehen (wie auf dem Plakat dargestellt)? :-)
    Ich jedenfalls nicht! Derart ehrlich stellt die GSoA die Tatsachen dar!

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