«Der Präsident braucht einen Vizepräsidenten»

Tobias Weidmann ist der Vizepräsident der Studentenschaft. Im Interview spricht er über sein neues Amt und die Zusammenarbeit mit dem Präsident.

Tobias, du wurdest gemeinsam mit Philipp im Frühjahr in dein Amt als Vizepräsident gewählt. Was waren deine Beweggründe zu einer Bewerbung?

Ich bin überzeugt, dass ich als Student im 9. Semester durch meine Erfahrung an der Universität einen wesentlichen Beitrag für die Studentenschaft erbringe. Anderseits kann ich durch meine Führungserfahrung, die ich im Militär erlangen konnte, dem Vorstand und dem Präsidenten eine wichtige Stütze sein. Gerade die Perspektive eines Masterstudenten hat den vorherigen Vorstandsgenerationen gefehlt, was dazu führte, dass Probleme und Interessen der Masterstufe oft nicht adressiert und folglich inadäquat vertreten wurden. Daher wollte ich die Gelegenheit wahrnehmen, meine Erfahrungen einzubringen.

Wie hast du Deine ersten Monate als Vizepräsident erlebt?

Jedes neue Amt bringt neue Pflichten, Verantwortungen und Aufgaben mit sich. Ich, als damals Externer, musste mich zuerst mit allen Prozessen der SHSG vertraut machen und mich gleichzeitig in mein Ressort Marketing einarbeiten. Die Semesterferien nutzte ich folglich, mich möglichst gut auf die kommenden Herausforderungen vorzubereiten.

Bis zu deinem Amtsantritt warst du Aussenstehender der Studentenschaft. Was hat dich positiv an der Organisation überrascht?

Das Engagement unserer SHSGMitarbeiter bewundere ich nach wie vor und schätze es auch zutiefst. Ich finde es grossartig, wenn sich Leute auf freiwilliger Basis zusammenschliessen, um etwas zu bewegen. Im Weiteren bin ich von der konstruktiven Zusammenarbeit zwischen der Universität und der Studentenschaft beeindruckt. Unsere Anliegen werden angehört, seriös diskutiert und geprüft. Als Student fühlt man sich dadurch ernstgenommen, weshalb es umso wichtiger ist, dass die Studenten auf uns zukommen, um Probleme oder Anregungen zu platzieren.

Wo sahst oder siehst du Korrekturbedarf?

Ich bin der Meinung, dass sich die Studentenschaft auf das Wesentliche konzentrieren sollte und wieder näher an die Basis der Studierenden rücken muss um nicht zu einer Organisation heranzuwachsen, die sich mit sich selbst beschäftigt, indem man dieses und jenes tut, aber weniges richtig. Wir sind die Studentenschaft der Universität St. Gallen und haben eine äusserst privilegierte Situation aufgrund der weitreichenden Ressourcen. Ich wünsche mir, dass sich jeder Student wieder vorstellen kann, sich in der Studentenschaft zu engagieren, weil wir die Strukturen wieder überschaubar machen und sich das zeitliche Engagement mit dem Studium vereinbaren lassen soll.

Du bist ja sozusagen der erste Vizepräsident der SHSG, da dieses Amt mit der Statutenänderung erst dieses Jahr geschaffen wurde. Wie funktioniert eure Zusammenarbeit im Präsidententeam?

Das Amt des Vizepräsidenten ist sehr spannend, da man sehr eng mit dem Präsidenten zusammenarbeitet und gleichzeitig als Vorstand Marketing mit den anderen Ressorts im intensiven Austausch steht. Die Zusammenarbeit zwischen Philipp und mir läuft reibungslos, da wir bereits anderweitig zusammengearbeitet haben. Aufgrund unseres beruflichen Engagements neben der Studentenschaft ist die Arbeitsteilung und die Koordination für uns umso zentraler. Ich bin daher der Meinung, dass die Statutenänderung als Erfolg zu werten ist. Der Präsident braucht einen Vizepräsidenten, der ihn in wichtigen Geschäften vertritt, berät und unterstützt.

Auch die eigene Vorstandswahl ist ein Novum. Ihr wart das erste Mal in der Lage euren Vorstand selbst zusammenzusetzen. Wie ist die Zusammenarbeit mit dem Vorstand?

Ich weiss, dass klingt jetzt kitschig, aber ich muss gestehen, dass die Zusammenarbeit hervorragend läuft. Wir alle stehen hinter unseren Zielen, die wir uns für diese Legislatur gesteckt haben. Zudem haben wir viel zu lachen und die Arbeitsatmosphäre ist stets sehr angenehm. Ich bin überzeugt, dass die gute Konstellation damit zusammenhängt, dass Philipp und ich die besten Kandidaten auswählen konnten und darauf achteten, dass sich die Kompetenzen ergänzen und auf die Ressorts ausgelegt sind.

Was sind eure ersten Resultate?

Seit diesem Semester haben wir eine neue, äusserst attraktive Website mit über 5’000 Besuchern pro Tag. Wir hatten über 100 Bewerbungen für die Projektmitarbeit innerhalb der Studentenschaft, eine deutlich höhere Stimmbeteiligung bei den Wahlen im Vergleich zu früher und eine gute und sehr konstruktive Zusammenarbeit mit dem Studentenparlament. Das sind alles sehr erfreuliche und positive Entwicklungen.

Du musstest zu Semesterbeginn im Rahmen deiner Ausbildung zum Hauptmann Diensttage für das Schweizer Militär leisten. Ist dies eher ein Vorteil, da du Führungserfahrungen sammelst, oder ein Nachteil im Bezug aufs Studium?

Dieser Sachverhalt liegt mir schon lange am Herzen. Man muss kein Befürworter der Schweizer Armee sein aber Fakt ist, dass viele Schweizer Studenten aus Pflichtbewusstsein oder gezwungenermassen während des Semesters Dienst leisten müssen. Das ist natürlich ein gewaltiger Nachteil gegenüber Studenten, die von dieser Pflicht befreit sind. Diese Abwesenheit drückt natürlich den Notenschnitt oder erhöht die Studiendauer. In Zukunft lassen sich die Wiederholungskurse sogar noch schwieriger verschieben. Auch während den Semesterferien, wenn die meisten Studierenden ihren Praktika nachgehen, leiste ich Militärdienst. Hier muss sich etwas ändern – Es kann nicht sein, dass man für ein simples Praktikum, bei welchem um 17 Uhr Feierabend ist, Praxis Credits von der Universität erhält. Die Offiziersausbildung dauert über ein Jahr, wobei der Arbeitstag oft erst nach Mitternacht endet und der erste Rapport bereits vor Sonnenaufgang stattfindet. Hierfür werden aber von der Universität keine Praxis Credits anerkannt. Ich finde es wichtig, dass sich Leute heute noch für die Gesellschaft engagieren und ihre eigenen Bedürfnisse selbstlos zurückstellen. Zivildienst, Militärdienst und weitere Vereinsaktivitäten bieten genügend Möglichkeiten dazu, sich zum Wohle Anderer einer Sache zu widmen. Solche gesellschaftlichen Dienste sollten von der Universität nicht «bestraft », sondern entsprechend gewürdigt werden. Ein Offizier lernt mehr an Führungs- und Sozialkompetenz in seinem praktischen Dienst als in irgendeinem Kurs an der Universität und ich fände es schön, wenn diese Leistung nicht unter den Teppich gekehrt würde.

Wo steht Tobias Weidmann in zehn Jahren?

Das ist eine schwierige Frage. Es könnte aber durchaus sein, dass ich mich in der Politik wiederfinde, als Unternehmer tätig bin oder mich vor einer Wandtafel in einem Schulzimmer der doppelten Buchhaltung widme.


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