Der Start-up-Report

Das Phänomen Start-up-Unternehmen ist in aller Munde. prisma verschafft einen Überblick über ihre Rolle in der Gesamtwirtschaft, den Geschäftsprozess, Hilfestellungen für Gründer und Karrieremöglichkeiten für HSG-Studierende.

Der Marktwert von Facebook, das vor fünf Jahren noch nahezu unbekannt war, wird aktuell auf 50 Milliarden Dollar geschätzt und hat weit mehr als 800 Millionen Benutzer weltweit. Das 2008 gegründete Unternehmen «Groupon», im Grunde genommen nichts weiter als eine Internetseite, auf der man Rabatt-Gutscheine herunterladen kann, sammelte bei seinem Börsengang 11 Milliarden Dollar an Kapital ein. Dies sind nur die zwei jüngsten Beispiele für Unternehmensgründungen von Studenten, die innerhalb kürzester Zeit diverse Rekorde gebrochen haben.

Das wohl bekannteste ehemalige Start-up-Unternehmen ist der Softwareriese Microsoft, dessen Gründer Bill Gates in den 70er-Jahren aus einer Garage in Washington State heraus die erste Software in den gerade aufstrebenden Markt für Personalcomputer hineinentwickelte und mit gnadenlosem Sinn fürs Geschäft einen der grössten Konzerne der Welt aufbaute.

Im deutschsprachigen Raum hat sich eine junge Gründerszene entwickelt. Insbesondere Berlin wird von einigen schon als das «Silicon-Valley» Europas bezeichnet, aufgrund der grossen Zahl junger Internetunternehmen, die sich dort niedergelassen haben. Gründe für die Ansiedelung in Berlin dürften vor allen Dingen im kreativen Umfeld der Stadt und in den für Westeuropa einmalig niedrigen Lebenshaltungs- und Immobilienkosten zu suchen sein. Auch in St. Gallen selbst sind diverse Neugründungen zu verzeichnen, sodass prisma in fast jeder Ausgabe über ein neues Unternehmen «Made in St. Gallen» berichten kann.

Das Wort «Start-up» ist das englische Synonym für «Gründung/Unternehmensgründung » und hat sich in letzter Zeit gerade im Bereich der jungen Internetunternehmen etabliert. Freilich behauptet niemand, dass nicht auch materielle Produkte Grundlage einer Unternehmensgründung sein können.

Getting started: Finden von Kapitalgebern

Die klassische Art und Weise, als junges Unternehmen an Kapital zu kommen, ist die Aufnahme von Eigenkapital durch die Ausgabe von Aktien. Das Geld kommt in diesem Fall von Geldgebern, die an die Geschäftsidee glauben und sich eine Vermehrung ihres Einsatzes durch ein späteres Wachstum des Unternehmens versprechen. Eine Finanzierung über Bankdarlehen dürfte ohne Bürgschaften schwierig sein, da eine völlige Neugründung, erst recht mit einem bisher unbekannten Produkt, mit hohen Risiken verbunden ist.

Je mehr sich die Start-up-Szene professionalisiert, umso häufiger sind spezialisierte «Venture-Kapitalgeber» anzutreffen, die sich auf die Zusammenarbeit mit Neugründungen spezialisiert haben. Oft werden sie betreut von Geschäftsleuten, die bereits erfolgreich eigene Unternehmen gegründet haben und über entsprechende Kontakte zu möglichen Kapitalgebern verfügen. Das Unternehmen «Rocket Internet» dürfte als der bekannteste Inkubator im deutschsprachigen Raum angesehen werden und in St. Gallen versuchen vier Studierende, mit ihrem Unternehmen «ventureworks» (prisma berichtete in der vorletzten Ausgabe) dem grossen Vorbild nachzueifern.

Beliebtheit bei Studierenden

Es erscheint nahezu tautologisch, darauf hinzuweisen, dass in einem stark wachsenden Geschäftsumfeld sich früher oder später auch Studierende einer angesehenen Wirtschaftsuni tummeln werden. Das hängt insbesondere damit zusammen, dass in einem gerade erst gegründeten Unternehmen so intensive Erfahrungen im Bereich Wirtschaft gesammelt werden können wie sonst kaum irgendwo. Und alles, was man tut, geschieht in unmittelbarer Nähe zum Markt und mit Fokus auf den Kunden.

Bedeutung für die Wirtschaft

Jährlich werden in der Schweiz rund 12’000 neue Unternehmen gegründet, die im Durchschnitt je zwei Mitarbeiter beschäftigen. Die meisten Gründungen kann dabei das Kanton Zürich verzeichnen. Und allem Pessimismus zum Trotz: Laut dem Wirtschaftsmagazin brandeins schreiben 48 Prozent der jährlich neu gegründeten Unternehmen bereits ein Jahr nach ihrer Gründung einen Gewinn, 75 Prozent der Unternehmen schrieben spätestens vier Jahre nach Aufnahme der Geschäftstätigkeit schwarze Zahlen.

Doch wichtiger noch als der Beschäftigungseffekt sind die Auswirkungen auf die freie Marktwirtschaft insgesamt. Der Ausgangspunkt der Überlegenheit des Kapitalismus ist ständige Innovation. Und revolutionäre Geschäftsideen sind die Grundlage von Start-ups, die ansonsten ausser ein paar Computern und Flip-Chart-Haltern nicht über viel mehr Aktiven verfügen, um sich auf dem Markt durchzusetzen.

Mit frischen Ideen bauen sie nicht nur neue Marktlücken auf, sondern drängen auch die etablierten Unternehmen dazu, sich ständig neu zu erfinden. Denn es stimmt, was HSG-Professor Rüegg- Stürm seinen Studierenden ab der ersten Stunde der Assessment-Vorlesung predigt: In der heutigen Wirtschaftswelt frisst nicht der Grosse den Kleinen, sondern der Schnelle den Langsamen. Die besten Beispiele dafür sind Handelsplattformen wie eBay oder Amazon.com, die innerhalb weniger Jahre kometenhaft aufgestiegen sind und die etablierten Kaufhäuser und Versandhändler erheblich unter Druck gesetzt haben.

Fördermöglichkeiten

Die meisten Universitäten und zunehmend auch nationale Wirtschaftsministerien und Wirtschaftsinstitute haben die zahlreichen Potenziale, die junger Gründergeist mit sich bringt, erkannt und halten eine Fülle von Angeboten bereit. Gerade solche Programme, die Vernetzung und Beratung beinhalten, dürften für alle von unschätzbarem Wert sein, die über eine Existenzgründung nachdenken. Bei allen Fördermöglichkeiten, die aus öffentlichen Töpfen konkrete Gelder für Gründer bereitstellen, sollte sicherlich Vorsicht geboten sein: Denn niemand würde wollen, dass sich weit vom Markt entfernte Geschäftsideen nur so lange behaupten, wie der öffentliche Geldsegen anhält.

Gründung an der Universität St. Gallen:

Die HSG Gründergarage, die dieses Jahr zwischen dem 22.02. und 07.03. stattgefunden hat, ist Teil des Projekts «Entrepreneurship Campus». Ziel ist es, «Studierende für das Unternehmertum zu begeistern». Dabei wird jungen Unternehmen die Möglichkeit gegeben, sich im universitären Umfeld zu präsentieren. Ausserdem können Beratungsleistungen in Anspruch genommen werden und es wird gegebenenfalls Hilfestellung bei der Suche nach Mitgründern geleistet. Weitere Informationen findet man unter: www.startup-unisg.ch sowie startup@ unisg.ch.

Wettbewerb «Startfeld Diamant »:

Diverse Wettbewerbe richten sich an frisch gegründete Unternehmen und bewerten deren Geschäftsideen oder erste Geschäftserfolge. Der «Startfeld Diamant» soll durch Unterstützung der St. Galler Kantonalbank von 2012 an regelmässig vergeben werden und sich insbesondere an Unternehmen aus der Ostschweiz richten. Weitere Informationen: www.sgkb.ch/startfeld-diamant.

So heben Start-ups ab:

Auch in der Schweiz und St.Gallen werden Start-Ups zunehmend stärker unterstützt:

Spezifische Internetseiten

Auf verschiedenen Internetseiten stellen sich junge Unternehmen vor, schreiben gegebenenfalls Stellen aus und stellen Informationen bereit. Die bekanntesten im deutschsprachigen Raum sind: www. gruenderszene.de, www.deutsche-startups.de  und www.startwerk.ch.

Start Summit 2012

Einige Kommilitonen organisieren am 27. März 2012 zum ersten Mal das «Start-Summit Entrepreneurship- Forum». Ziel ist es, einen Erfahrungsaustausch zwischen Studenten, Professoren und Unternehmen und anderen Interessierten zu ermöglichen. Weitere Informationen: www.facebook.com/startglobal

Startup-Weekend

Teilnehmer aus dem ganzen Land kommen in Städten wie Zürich, Bern und St. Gallen zusammen, entwickeln Ideen und Geschäftsmodelle und werden dabei von professionellen Coaches betreut. Eine perfekte Gelegenheit auch, um Kontakte zu knüpfen. Weitere Informationen: www.startupweekend.ch 


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