Start-Up: SOMA Analytics

Vier Gründer entwickeln eine App, die Menschen helfen soll, ihre Stressbelastung im Griff zu behalten. Sie wollen Krankheiten wie Burnout oder Depressionen vorbeugen.

Ob in der Prüfungsphase ein Paper unter Zeitdruck zu schreiben ist oder das Engagement neben dem Studium vollen Einsatz verlangt – Stress ist heute im Alltag der meisten Studierenden präsent. Das ist zunächst nicht bedenklich, wenn es neben Stressphasen auch Phasen der Erholung gibt. Doch Stress wird zur Gefahr, wenn er dauerhaft auftritt. Denn dann kann er krank machen. Er schwächt das Immunsystem und führt in extremen Fällen zu Erkrankungen wie Burnout oder Depressionen. Um zu verhindern, dass es so weit kommt, muss man frühzeitig handeln. Meist merkt der Betroffene jedoch selbst nicht, wann die persönliche Belastungsgrenze erreicht ist.

Das mussten Fabian Alt, Christopher Lorenz, Peter Schneider und Johann Huber bei einem Kollegen beobachten, der als Folge von Stress Depressionen bekam, ohne sich der Veränderungen bewusst zu werden. Den Freunden als Aussenstehende fielen die Veränderungen umso stärker auf. Aus dieser Erkenntnis entstand eine Idee: «Es müsste doch möglich sein, dass das Telefon, das du die ganze Zeit mit dir trägst, das auch merkt, weil das Telefon eben objektiv Daten aufnehmen kann», erklärt Johann Huber den Gedanken, der dem Start-Up SOMA Analytics zugrunde liegt.

Johann studiert den IMT-Master an der HSG. Mit drei Freunden aus München hat er eine App entwickelt, die das Stressniveau des Handyträgers misst und stressbedingten Krankheiten wie Depressionen vorbeugen soll. «Wir behaupten, dass wir die Menschen nicht nur gesünder machen, sondern auch glücklicher», sagt Johann. Die Idee ist, dass mit dem Smartphone – weiteres Zubehör ist dafür nicht nötig – Faktoren wie das Schlafverhalten, die Sprache und die Motorik erfasst werden, die auf die Stressbelastung des Telefonbesitzers schliessen lassen. Die App kann zum Beispiel anhand der Sprache des Smartphonenutzers feststellen, ob er beim Telefonieren gute oder schlechte Laune hat.

Die Unternehmensgründer sind motiviert: Ihr Ziel ist es, die «Weight Watchers of Stress» zu werden. Das Handy soll wie eine Waage eine Kontrollinstanz werden, die eine Stressdiät – ob in einer Therapie oder privat – begleiten kann. Den Diätplan liefert die Anwendung gleich mit. Im Selbsttest im Londoner Büro zeigte die App, dass Johann zufriedener ist, wenn er regelmässig joggt. Seitdem geht er oft vom Büro aus in den Hyde Park zum Laufen. Das sorgt für einen Ausgleich zu dem recht hohen Arbeitspensum, das das Start-Up ihm zurzeit abverlangt.

Das Handy für die Gesundheitsvorsorge zu nutzen, klingt zunächst einmal ungewohnt. Aber die Idee ist nicht so neu, zumindest nicht im englischsprachigen Raum. Der amerikanische Accelerator «Healthbox» hat sich auf innovative Unternehmensideen im Gesundheitsbereich spezialisiert und unterstützt junge Start-Ups, zeitlich befristet, mit einem Förderungs- und Mentorenprogramm. Unter anderem versorgt er SOMA Analytics zurzeit für drei Monate mit einem Büro in London, einer Finanzspritze und guten Kontakten. Für Fabian, Christopher, Peter und Johann bedeutet das eine grosse Chance. Durch das gesteigerte mediale Interesse, das die Förderung durch «Healthbox» mit sich bringt, erhalten die vier bereits Anfragen von Unternehmen, die ihre App verwenden wollen. «Weil die merken, dass der Stress der Mitarbeiter bei ihnen immense Kosten verursacht», erklärt Johann Huber. Apps könnten die Gesundheitsvorsorge revolutionieren, davon sind die Jungs von SOMA Analytics überzeugt.


1 Kommentar

  • philipp bachmann

    Jajaja, wir haben auch eine App entwickelt für die Prävention, aber mit einem Zusatzgerät. Vielleicht könnte man gemeinsam ein breites Programm entwickeln…www.cardiosnip.com

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