Horn oder nicht Horn?

Passend zur OLMA: ein Text zur Hornkuhinitiative.

Ende November sind knapp 5.5 Millionen Stimmberechtigte dazu aufgerufen an der Urne über die Vorlage «Für die Würde der landwirtschaftlichen Nutztiere (Hornkuh-Initiative)» abzustimmen. Auf den ersten Blick mag das auch für hartgesottene Demokraten ein wenig befremdlich wirken. Stimmen wir jetzt bald auch über das Angebot in der Uni-Mensa an der Urne ab? Oder wie es die Gegner der Vorlage formulieren: So eine Detailfrage gehört nicht in die Bundesverfassung. Falsch. Die nötigen 100’000 Unterschriften waren schnell zusammen und so haben die Unterzeichner die Frage nach der Wichtigkeit dieser Frage bereits beantwortet.

Der Initiant und kurlige Bergbauer Armin Capaul wollte sein Anliegen bereits auf dem parlamentarischen Weg einbringen, was erfolglos blieb. Und was macht man in der Schweiz, wenn der Gesetzgeber nicht spuren will? Genau. Es wird eine  Initiative lanciert. Doch welches «Problem» soll denn genau angegangen werden? In der Schweiz leben rund eine Million Kühe, doch nur zehn Prozent tragen ihre Hörner. Wo sind denn die anderen 1.8 Millionen Hörner hin? Diese dürfen gemäss Artikel 32 der Tierschutzverordnung in den ersten drei Lebenswochen unter Schmerzausschaltung durch eine Person mit Sachkundenachweis «entfernt» werden.

Praktisch wird daraus ein Ausbrennen der Hornanlagen unter Lokalanästhesie. Ein 700 Grad heisser Eisen-Kolben wird dazu ca. 15 Sekunden auf die Hornanlage des Kalbes gedrückt. Das dies die Tiere ein Leben lang beeinträchtigt, zeigen zwei jüngst veröffentlichte Studien, wie bereits das Tagblatt und die Bauernzeitung berichteten.

Doch warum macht man überhaupt diesen Eingriff? Kühe ohne Hörner können sich, andere Tiere und auch Menschen weniger verletzen. Die Hörner sind ein Mittel der Tiere, um sich Platz und auch Respekt zu verschaffen. Tragen die Tiere ihre Hörner nicht, sinkt das Verletzungsrisiko. Es ist wohl allgemein anerkannt, dass das Enthornen die Arbeit und die Produktion mit den Tieren einfacher und sicherer macht.

Um dennoch die Hörner zu den Tieren zurück zu bringen, will Armin Capaul die Bauern entschädigt haben, die auf die Enthornung verzichten und so Nachteile in Produktion und täglicher Arbeit auf sich nehmen – zugunsten des Tierwohls. Es soll kein zusätzliches Geld ausgegeben werden, denn die Mittel sollen aus dem bestehenden Direktzahlungs-Topf umverteilt werden.

Sowohl National-, wie auch Ständerat empfehlen die Vorlage zur Ablehnung. Nun ist es an den Stimmbürgern zu entscheiden, ob sie, wie auch Armin Capaul, für das Wohl der Tiere einstehen wollen.

Damit der ohnehin bereits harte Verteilungskampf um die knappen Direktzahlungen nicht weiter verschärft wird, fordert der Bauernverband, dass für die Umsetzung der Initiative neue Mittel bereitgestellt werden. Was in Anbetracht des am Gesamthaushalt des Bundes gemessenen sinkenden Budgets für Direktzahlungen durchaus sinnvoll scheint. Der Bauernverband hat Stimmfreiheit beschlossen. Zum Kreis der Befürworter zählen sich von den relevanten politischen Kräften einzig die Sozialdemokraten.

Studie 1 https://www.bauernzeitung.ch/news-archiv/2018/sonntagszeitung-kuehe-brauchen-hoerner

Studie 2 https://www.tagblatt.ch/schweiz/hornkuh-initiative-kaelber-leiden-unter-dem-enthornen-ein-leben-lang-ld.1046130

https://www.arte.tv/de/videos/079473-001-A/re-die-wuerde-der-kuh/

Initiative im Wortlaut: https://www.bk.admin.ch/ch/d/pore/vi/vis456t.html


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