Hexenjagd in St. Gallen

Das Studententheater der HSG spielt das Stück «Hexenjagd» von Arthur Miller. prisma war bei der Generalprobe am Donnerstag dabei.

Ist der Teufel unter uns? Salem, Massachusetts im Jahr 1692. Pfarrer Samuel Harris überrascht eine Gruppe junger Mädchen bei okkulten Riten im Wald und er kann seinen Augen nicht trauen: Handelt es sich um Hexerei? Die Mädchen werden daraufhin von anscheinenden Halluzinationen und Ohnmachtszuständen gefangen genommen. Um nicht als Hexen angeklagt zu werden und dem Todesurteil zu entgehen, beschuldigen sie andere im Dorf, mit dem Teufel im Bunde zu stehen. Von da an nimmt das Drama seinen Lauf. Inhaltlich verstricken sich Beschuldigte und Zeugen in einem inquisitorischen Prozess in ein immer undurchsichtigeres Netz aus Vermutungen, Anschuldigungen und fragwürdigen Beweisen.

Das Studententheater hat es mit der Wahl für «Hexenjagd», einem Stück, das auf wahren Begebenheiten beruht, hervorragend verstanden, eine Querverbindung zu aktuellen Themen wie Fake-News, Populismus und Shitstorm herzustellen und diese sozusagen mit ins Rampenlicht zu stellen. Wir sind es vom Ensemble unseres Studententheaters durchaus gewohnt, aussergewöhnliche Stücke in aussergewöhnlicher Manier vorgetragen zu erhalten. Und trotzdem schaffen sie es immer wieder, zu überraschen und uns in eine Traumwelt zu entführen, die wir nicht selten gleich hinter der nächsten Ecke vermuten; derart realistisch tragen die Schauspieler ihre Rollen vor! Das kommt nicht von ungefähr.

Theater, die absolute Leidenschaft

Das Studententheater hat sich an ein emotionsgeladenes Stück herangewagt, das von Anfang an durch seine schaurige Atmosphäre gefangen nimmt. Bemerkenswertes Detail: Auch zwei Flüchtlinge aus Afghanistan, welche die Sekundarschule besuchen, spielen beim aktuellen Stück mit. Theater bietet schon seit jeher auch eine ideale Integrationsplattform, und die Akteure nutzen das wohlwissend. Generell besteht die 15-köpfige Truppe nur etwa zur Hälfte aus Studierenden der HSG, die anderen machen etwa eine Lehre als Bäcker oder Coiffeurin. Das Studententheater studiert jedes Semester ein Stück ein – ergo führt jedes Semester ein Stück auf, Regie übernimmt dabei jeweils eine professionelle Theaterpädagogin.

«Theater ist absolute Passion; ich liebe die Herausforderung, mich in andere Rollen zu versetzen.», sagt Jelena Taylor Botacio, welche im Stück die Abigail spielt und für die es mittlerweile schon das achte Theaterstück ist, in dem sie mitspielt. «Das Theater hat etwas Bereicherndes und Befreiendes.», meint Dalia Zito (Rolle der Tituba im Stück). Als Schauspieler(-in) lernt man in jeder Rolle, die Welt mit anderen Augen zu sehen. Man kann Sachen machen, die man sonst nicht machen dürfte; so gesehen ist Theater enorm befreiend!

Zwei Stimmen, die offenbaren: da wird mit Herz und Seele gespielt! Wir freuen uns riesig auf die Premiere!

Die Aufführungen von «Hexenjagd» finden am 13. / 14. / 15. Mai immer um 20 Uhr in der Grabenhalle statt (Unterer Graben 17). Tickets sind hier erhältlich. Die Aufführung ist Teil der Kulturtage St. Gallen, somit kommt man mit dem «Kulturtage-Bändel» vergünstigt in diese Vorstellung sowie an andere Veranstaltungen im Rahmen des Kulturtage-Programms.


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