prisma empfiehlt – Kleine Wölfe / Lonely Pack

Manchmal ist es absolut wichtig, sich darüber im Klaren zu sein, wie gut es uns in unserer Situation eigentlich geht: Uni, eigene Wohnung, gute Zukunftsaussichten… Deshalb hat das prisma dieses Mal eine Empfehlung für euch, die dem Zuschauer die realen Probleme dieser Welt unverschleiert und hart wie sie sind, vor Augen führt.

https://youtu.be/b6MhwP9wvFc

Der Dokumentarfilm Kleine Wölfe entstand im Jahr 2010. Bekanntheit erreichte er allerdings erst einige Jahre später mit der Veröffentlichung auf Youtube. Die Regisseure Justin Peach & Lisa Engelbach verfolgten damals den elfjährigen Sonu, der mit seinen Freunden in den Strassen Kathmandus lebt und zeigen unkommentiert, ohne künstlerische Stilmittel einen Tag im trostlosen Dasein des Rudels kleiner Wölfe. Die Reaktionen des Publikums daraufhin ganz unterschiedlich: Wut, Trauer und Fassungslosigkeit liegen sehr nah beieinander.

„Nur, weil es uns schlecht geht, geht es euch gut.“

Die ersten Sekunden der Dokumentation zeigen eine heruntergekommene Strasse inmitten der nepalesischen Grossstadt. Eine Ladenzeile mit einem Bündel Lumpen vor dem nächtlich-vergitterten Eingang fällt besonders ins Auge. Bei näherem Betrachten erkennt man, dass sich das Bündel bewegt, reckt und streckt. Sonus Rudel erwacht aus seinem Rückzugsort. Eng ineinander verschlungen starten die Jungen ihren Tag, indem sie sich die erste Zigarette anstecken. Mit Hunger in den Augen wenden sie sich an das Kamera-Team, welches für ein Frühstück sorgt. 

Klebstoff, Glücksspiel & Hunger…

Im Laufe der Dokumentation tun sich die Abgründe des alltäglichen Daseins der Wölfe ins Unermessliche auf: Die Sucht nach dem Inhalieren von hochgiftigen Klebstoffdämpfen mit halluzinogener Wirkung hat die Gruppe völlig im Griff. Wie Verdurstende stehen die Kleinen im Kreis, mit je einer Plastiktüte in der Hand, um Sonu herum, der heute den Kleber verteilt. Das wenige Geld, was sie beim Betteln verdienen, wird entweder für Drogen ausgegeben oder beim Glücksspiel gegen etwas ältere Gruppenmitglieder verloren. Der Hunger ist dabei ein ständiger Begleiter. Wenn die Sucht jedoch überwiegt, werden auch Lebensmittel gegen Geld für Drogen eingetauscht. 

Schweineblut & Kopfbinden…

Schnell wird ausserdem klar, dass die wenigen Touristen, die sich in die elende Gegend Kathmandus, in der das Rudel haust, wagen, schwer zu einer Geldspende überredet werden können. Der Überlebenstrieb bringt die Jungen deshalb dazu, sich mit Tricks das Mitleid der Passanten zu sichern. Dabei legen sich die Kleinen mit Binden, die in Schweineblut getränkt wurden auf die Strassen, um starke Verletzungen zu simulieren. Trotz dieser Zustände berichten sie immer wieder von sexuellen Übergriffen von Touristen und Infektionen, die daraufhin ihren Weg in das Rudel gefunden haben. S

Wie der Tag begonnen hat, so endet er auch. Keine Perspektive, keine Familie, keine Hoffnung. Die Wölfe verschlingen sich in ihrem Versteck – Was für uns absoluter Horror wäre, war für sie ein völlig normaler Tag. Das macht nachdenklich. Aber urteilt selbst. Der Film ist auf Youtube mit deutschen und englischen Untertiteln abrufbar. 

Wie geht es weiter?

Der Grund, warum wir ausgerechnet jetzt auf diese Dokumentation aufmerksam machen wollen ist Folgender: Es ist den Regisseuren gelungen bei einer zweiten Nepalreise Sonu, der nun 21 Jahre alt ist, sich in einer Entzugsklinik befindet und Vater einer Tochter ist, zu finden. Entgegen aller Erwartungen wurde mittlerweile auch ein zweiter Vertreter der kleinen Wölfe lebend aufgefunden. Nun planen die beiden Regisseure einen zweiten Teil der preisgekrönten Dokumentation zu drehen, welcher 2020 veröffentlicht werden soll. Mehr Informationen zu dem Projekt findet ihr unter www.kleinewölfe.de

Fazit: Die Dokumentation Kleine Wölfe ist absolut sehenswert. Sie spiegelt die Realität in geradezu erbarmungsloser Art und Weise wieder und bleibt dabei völlig objektiv. Wer diese Dokumentation sieht, wird danach über viele Dinge anders denken!


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