Data Science Fundamentals: Warum du dich anmelden solltest – Ein Interview mit Herrn Prof. Dr. Binswanger

Anlässlich der bald ablaufenden Anmeldefrist für das Zertifikatsprogramm Data Science Fundamentals an der HSG hat sich prisma mit Prof. Dr. Binswanger, einem der Verantwortlichen, getroffen, um über das Programm sowie seine persönlichen Erfahrungen zu sprechen.

Stellen Sie sich vor, ich wäre im Assessment. Warum sollte ich mich für das Data Science Fundamentals Programm (DSF) anmelden?

Wir alle kennen den Slogan Daten sind das neue Öl. Es scheint, als wären Daten etwas sehr wichtiges und einer der zentralen Faktoren, um Wert zu schaffen. Aber was bedeutet das eigentlich? Das DSF-Programm ist für diejenigen, die tiefergehend verstehen wollen, wie das neue “Datenöl” arbeitet und das mit einer Führungsposition verbinden wollen. Wir haben allerdings auch einige Studierende im Programm gehabt, die sich vor allem für Data Science selbst interessieren; einigen von ihnen haben danach prestige-trächtige Masterprogramme in Data Science gewählt, z.B. an der ETH oder am Imperial College. Das Programm ist auf jeden Fall für diejenigen gedacht, die eine Extrameile gehen wollen. Besonders schön finde ich es, dass es an der HSG viele Studierende gibt, die dazu bereit sind, weil sie zukunftsorientiert denken. Es ist jedes Mal ein Vergnügen, so viele junge und motivierte Studierende um sich zu haben.

Wenn ich mich an mein Assessment zurückerinnere, war ich dort schon verschreckt von der vielen Mathematik. Können Sie den Interessenten für das DSF die Angst davor nehmen?

Wenn wir über Management und Strategien reden, dann reden wir nicht über die deutsche oder englische Sprache, sondern über Management. Wir bedienen uns lediglich der Sprache. Genau so muss man die Mathematik auch sehen. Es ist eine Sprache, um etwas präzise auszudrücken. Spätestens in der zweiten Session wird allen klar, dass es viel einfacher ist, den Code in einer Formel auszudrücken als mit Worten.

Ich glaube, es gibt einen guten Grund, weshalb manche sich vor der Mathe im Assessment fürchten oder zumindest nicht so warm mit ihr werden. Im Assessment müssen wir einen ganzen Katalog an Themen behandeln und es besteht wenig Zeit, klar zu machen, warum man Mathe in der Praxis eigentlich wirklich braucht, um richtig tolle Probleme zu lösen.  Für viele macht es bei uns zum ersten Mal richtig klick und sie verstehen, dass Mathematik als Werkzeug verwendet wird und direkten Anwendungsbezug hat. Wir lösen konkrete Probleme aus der Praxis. Dann entwickeln viele Spass an der Mathe und das freut mich immer besonders.

In welchen Berufsfeldern sehen Sie die Inhalte am besten umsetzbar?

Wenn man von den typischen HSG Berufen ausgeht, dann sehe ich das überall. Daten sind das neue Öl und man braucht sie. Früher hat man Statistik in bestimmten Bereichen verwendet und in anderen nicht. Egal ob ich Linguist oder Ingenieur bin oder in einer Bank arbeite, heutzutage arbeiten alle mit Daten. Das schöne ist, dass damit die verschiedenen Bereiche integriert werden. Überall, wo man zukunftsorientiert unterwegs ist, kommt man als ambitionierter Studierender kaum an Daten vorbei. 

Sie sind jetzt seit vier Jahren beim DSF Programm, welches ist eine kleine Anekdote oder Geschichte, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Was mir jedes Mal besonders Spass macht ist, die Studierenden am Anfang zu sehen, wenn sie vor der Reise, auf die wir gehen, noch ein bisschen Angst haben. Es ist schon sehr anstrengend – aber positiv – von 09:00 Uhr morgens bis 18:00 Uhr zwei Wochen lang konzentriert zu lernen. Wenn dann aber am Freitag nach der zweiten Woche, wenn alle super müde sind, trotzdem noch alle mitmachen und „high“ von den Datenwolken sind, dann kann man sich als Dozierender kaum einen schöneren Moment vorstellen.

Aus einer persönlichen Sicht, was war Ihre Motivation dafür, sich im Rahmen des DSF zu engagieren?

Eine wichtige Motivation für mich war sicher meine Überzeugung, dass möglichst viele spätere Führungspersonen datenbasierte Lösungen verstehen müssen, wenn wir wollen, dass wir die guten Seiten davon nutzen. Je fundierter und informierter die Nutzer sind, desto verantwortungsvoller ist die Nutzung. Zudem ist es ein wichtiger Wettbewerbsvorteil, weswegen es auch gut an die HSG passt. Es war auch das Verantwortungsgefühl für die späteren Führungskräfte neben dem, dass ich mich für das Gebiet interessiere und es mir selber Spass macht. 

Zu Beginn des Programms war der Anteil der Frauen noch bei 11,4%. Hat sich dies geändert? 

Wir haben das Gespräch mit Frauen gesucht und sogar der Name des Programms wurde von weiblichen Studierenden vorgeschlagen. Wir hatten alle möglichen Vorstellungen wie wir das Programm nennen sollen, damit es Frauen mehr anspricht. Als wir Frauen selbst gefragt haben, merkten wir, dass ihre Vorschläge komplett anders waren. Von diesen haben wir einen als Programmnamen angenommen. 

Was sicher auch geholfen hat mehr Frauen für DSF zu interessieren, ist die Infoveranstaltung von Frauen aus dem letzten Kursjahr für interessierte Frauen des nächsten Kursjahres. Diese können sich dort ohne Programmleitung oder Männer austauschen. Das hat letztes Jahr sehr gut funktioniert. Dieses Jahr wird sie wieder stattfinden, hoffentlich wird das nicht nur online möglich sein, sondern physisch. Wir hoffen darauf, dass wir uns nach dem 8. Juni auch wieder persönlich auf dem Campus treffen können. 

Oft haben Frauen auch das Gefühl, dass ihnen männliche Kollegen voraus seien mit Vorwissen. Während der Probevorlesungen merken sie dann aber, dass die männlichen Kommilitonen genauso wenig Ahnung haben wie sie selbst. Die allerwenigsten haben schon Erfahrungen mit dem Programmieren gemacht. Da sind alle im gleichen Boot. Deswegen versuchen wir auch den Einstieg so sanft wie möglich zu gestalten. 

Wir haben jedes Jahr mehrere Bestleistungen (Note 6) und mindestens eine davon warimmer weiblich. 

Wir wissen, dass wir ein Problem damit haben, weibliche Studierende anzulocken. Letztendlich können wir aber die Entscheidung für diese nicht fällen. Wir können das Problem des Frauenmangels nur beheben, wenn sich die Frauen auf das Programm einlassen. Wir haben die Türe geöffnet, reingehen müssen sie selbst.

Wie sieht die Verteilung zwischen BWL/VWL/IA/Recht aus?

Relativ gesehen haben wir mehr VWL-Studierende, auch wenn BWL die grösste Anzahl liefert, da mehr Studierende BWL belegen. Die VWLer haben oft eine Affinität zu statistischen Sachverhalten und neigen deswegen dazu, sich für das DSF anzumelden. Mich freut es immer besonders, wenn ich auch nicht-VWLer frisch an diese Welt heranführen kann. Im Unterricht selbst merkt man oft nicht, wer aus welcher Vertiefung kommt. 

Was mich besonders freut, sind Kandidaten aus Law&Eco, diese sind oft sehr gut und haben relativ zu ihrem Vorwissen oft eine der grössten Lernkurven. 

Aus dem reinen Rechts-Schwerpunkt hatten wir bisher noch niemanden. Es wäre schön, wenn sich das ändern würde. Da man, wenn man DSF als Jurist wählt und sich die Wahlfächer an den Major anrechnen lässt, zumindest in bestimmten Kantonen die Anwaltsprüfung nicht machen kann, da dafür gewisse notwendige Fächer fehlen, müssen Studierende eine schwere Wahl treffen. Uns ist es wichtig, dass diese Wahl bewusst getroffen wird. 

Wo sehen Sie das DSF Programm in 5-10 Jahren?

Für das Thema Digitalisierung sind 5-10 Jahre ein sehr langer Zeithorizont. Weil wir ein Zertifikatsprogramm sind, sind wir agil und können uns sehr stark den Entwicklungen anpassen, ohne hohe formelle Hürden überwinden zu müssen. Ich weiss nicht, wo wir in zehn Jahren sein werden, aber ich bin zuversichtlich, dass wir mit dem Programm da sind, wo es gerade aktuell sein wird. 

Sie fragen sich vielleicht auch, was der Unterschied zu einem Informatikstudium ist, das wir jetzt auch neu an der HSG aufbauen. Das DSF ist kein Informatikstudium. Unsere Idee mit dem DSF ist, ein Wirtschafts-, Rechts- oder IA-Studium anzureichern und wir legen Wert auf die Brückenfunktion, die das DSF ermöglichen kann. 

Wir bieten ausserdem die Möglichkeit, an einem Boot-Camp teilzunehmen (welches obligatorisch zum DSF-Programm gehört). Dies ist ein Erlebnis, bei dem alle gemeinsam zwei Wochen Vollgas geben. Auch bei der Projektarbeit wird zusammen getüftelt und Spassgehabt. Dafür gibt es eine hohe Nachfrage unter HSG-Studenten. Die Erlebniskomponente im DSF, das Zusammenwachsen und sich gemeinsam wie Datenwissenschaftler zu fühlen,ist das, was uns ausmacht. 

Wenn jemand direkt nach dem Assessment am DSF teilnimmt, wie relevant ist das Gelernte nach vollendetem Studium noch?

Sehr relevant, da wir keine spezifischen Tools unterrichten, die in drei Jahren komplett anders aussehen werden. Die Methoden und die Mathematik dahinter bleiben gleich. Neuronale Netzwerke gibt es schon seit den 50er Jahren und diese haben sich nicht wesentlich geändert. Die Fähigkeit, sich selbst Dinge anzueignen und zu erarbeiten wird im DSF auch trainiert. Oft lassen wir die Studierenden selber etwas machen und bauen Komponenten ein, die wir im Unterricht nicht behandelt haben. Viele eignen sich diese an und nutzen sie selbstständig für ihre Projektarbeit. Diese Fähigkeit wird auch in fünf Jahren noch relevant sein. 

Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für dieses Gespräch genommen haben.


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