Gefangen in der grünen Hölle (Teil 1)

Lockdown in einem fremden Land, allein im Amazonas-Regenwald. Mitten in der Covid 19 – Krise versucht Elisa alles, um zurück in ihre Heimat zu gelangen.

Wir ärgern uns, dass wir nicht mehr in den Ausgang dürfen, die Freunde nur noch virtuell treffen und nicht mal mehr auf dem Fussballplatz die Bälle turnusgemäss am Tor vorbeischiessen können. Der Freiheitsverlust scheint ungewohnt und gross, der eigene Verzicht unvergleichlich. Aber man stelle sich vor, diese Situation fernab der Heimat zu erleben, ohne Familie, mitten in einem endlosen Meer aus Bäumen, wo die Hitze gross ist und die Luftfeuchtigkeit einen nicht mehr atmen lässt.

Zur falschen Zeit am falschen Ort

Eine Reise durch Perú war ein langgehegter Wunsch von Elisa, die selber Wurzeln in diesem Land besitzt und es nun endlich auf eigene Faust richtig kennenlernen wollte. Der Besuch bei der Familie in einem ärmlichen Vorort von Lima war eindrucksvoll und Elisa freute sich auf das, was kommen sollte. Die Freude kam auch, dank all der wundervollen Orte in diesem vielfältigen Land – riesige Berge, sonnige Strände und ein schier endloser Regenwald. All die Bekanntschaften machten die Reise umso schöner und dank ihren Spanischkenntnissen, fügte sie sich in dem fernen Land gut ein.

Es verschlug sie schliesslich mitten in das Amazonasgebiet, den grössten Regenwald der Welt, bewohnt von unzähligen fremdartigen Pflanzen und sonderbaren Tieren. Ein tolles Erlebnis für einige Tage, sicher, aber auch ein Moloch, bei dem der Dschungelkoller irgendwann kommen muss. Elisa befand sich gerade am Dreiländereck zu Kolumbien und Brasilien, als der peruanische Präsident die Ausgangssperre erklärte. Panik stieg in ihr auf. Den Lockdown im kleinen Dorf Santa Rosa zu verbringen, mitten auf einer Flussinsel und mit gerade mal einer Strasse, wäre nicht auszuhalten.

Vom Regen in die nicht ganz so nasse Traufe

Daraufhin wandte sich Elisa an alle möglichen Stellen, diskutierte mit diversen Polizeibeamten und Militärs und erhielt schliesslich mit Glück und Beharrlichkeit einen Platz auf der letzten Fähre nach Iquitos. Endlich eine Stadt, wenn auch immer noch im tiefsten Dschungel und ohne Strassenverbindung in die Aussenwelt. Sie quartierte sich in einem Hostel ein und versuchte sogleich wieder, irgendetwas zu organisieren, denn einfach auf eine wunderliche Rettung zu warten, war nie eine Option:

«Ich bin wild entschlossen nach Lima und von dort aus nach Europa zu gelangen. Ich spreche fliessend Spanisch und bin Doppelbürgerin, habe auch meine peruanische ID mit dabei. Das erleichtert vieles, macht mich selbstständiger und erlaubt es mir, extrem aktiv zu sein und nicht apathisch im Hostel zu warten. Täglich organisiere und versuche ich etwas, war am Flughafen, beim Ministerium und der Militärbasis, ich gebe nicht auf und bleibe trotz vieler geplatzter Hoffnungen positiv.

Es leben derzeit vier Deutsche im Hostel und wir unterhalten und bekochen uns gegenseitig.

Auch die Supermärkte laufen noch, da hat es genügend Nahrungsmittel und Wasser, einen Bargeldvorrat hab ich auch. Die Stimmung in der Stadt ist entspannt, auch dank der hohen Militär- und Polizeipräsenz, an wortwörtlich jeder Ecke.»


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