COVID-1889 – Corona Virus Anno Domini

Von Zentralasien ausgehend wurde die Welt im 19. Jahrhundert von einer Pandemie erschüttert. In wenigen Wellen der Ausbreitung hatte die Epidemie die Welt im Griff – ist COVID-19 die neue Version eines alten Problems?

1889 markierte den Start einer heute als «Russische Grippe» bekannten Pandemie welche über sechs Jahre hinweg grassierte und in dieser Zeit nahezu eine Million Tote forderte. Die Lungenkrankheit, welche ursprünglich von Rindern auf den Menschen übertragen wurde, breitete sich wellenartig rasend schnell aus und war bis dahin die schlimmste Epidemie, die die Welt jemals gesehen hatte.

Von einer Pandemie zur Grippe

Damals gab es keinen Impfstoff gegen das Virus – eine Situation, welche unangenehme Ähnlichkeit mit der jetzigen aufweist – und die Menschen sahen sich den Wellen der Ausbreitung hilflos ausgeliefert. Die zweite Welle, bedeutend härter, stärker und aggressiver als die erste, forderte 1890 umso mehr Opfer. Erschreckend dabei: Die zweite Welle schlug nur wenige Monate nach einem trügerischen Abfall der Infektionen der ersten Welle zu. Blickt man heute auf die aktuellen Ansteckungszahlen und Entwicklung der COVID-19 Pandemie, breitet sich zu Recht ein flaues Gefühl im Magen aus. Und dennoch, es gibt auch durchaus Anlass zu positiven Gedanken. Das Erregervirus der Russischen Grippe, in Fachkreisen als HCoV-OC43 bekannt, ist heute lediglich ein Schnupfenvirus und harmloses, jährlich wiederkehrendes Krankheitsbild der kalten Wintermonate. Es besteht also durchaus die Möglichkeit, dass das heute scheinbar unbezwingbare Corona Virus in einigen Jahren oder Jahrzehnten zur harmlosen Grippe mutiert ist – aber zu welchem Preis?

1 Million für 100 Jahre

Mit knapp 1,5 Milliarden Menschen auf der Welt im Jahr 1890 hatte die Russische Grippe für weniger als 0.07% der Weltbevölkerung tödliche Folgen. Heute, mit knapp acht Milliarden Menschen, würde jedoch die gleiche Prozentzahl mehr als fünf Millionen Todesopfer bedeuten – einen Fünftel davon haben wir bereits erreicht. Was dabei nicht vergessen werden darf, sind die knapp hundert Jahre, welche die Russische Grippe für die Mutation zu einer harmlosen Wintergrippe benötigte. Hätte die Sars-CoV-2 Pandemie, so der wissenschaftliche Name des Corona Virus, die gleiche Zeitspanne wie ihr Vorgänger, wären die Folgen verheerend.

Fakt oder Fiktion?

Die Forschung arbeitet zurzeit unter Hochtouren daran einen Impfstoff gegen COVID-19 zu finden. Trotz einigen Fortschritten und erfolgversprechenden Tests kann bislang aber nur vermutet werden, wie lange es dauert, bis ein funktionstüchtiger, allgemein zugänglicher Impfstoff gefunden ist. Einige Jahre, so die optimistischste Antwort – Jahrzehnte, wenn man realistisch abschätzt. Ob in dieser Zeit die Möglichkeit besteht, dass sich das Corona Virus von selbst zur harmlosen Grippe wandelt, ist aber zu bezweifeln. Für diese Abklärung und fundierte Analysen braucht die Forschung noch mehrere Jahre Zeit und muss dazu auch den Fall der Russischen Grippe von hinten aufrollen. Und genau diese Zeit ist es, die momentan vielerorts in der Behandlung, beim Contact-Tracing und in diversen Schutzkonzepten fehlt – ein Faktor der Leben retten – oder kosten kann. Wann genau die erhoffte Lösung eintrifft und ob es dann bereits zu spät ist, steht in den Sternen. Klar ist aber bereits jetzt, zur gewohnten Normalität wird in naher Zukunft wohl nichts zurückkehren


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