Von wegen keine Preiserhöhung: SBB schafft Studierenden-GA ab

Trotz der Coronakrise und den damit verbundenen Ertragseinbussen verzichtet die SBB dieses Jahr auf eine Preiserhöhung – angeblich. Denn für manche Studierende kostet das GA plötzlich 1200 Franken mehr. Ein Kommentar.

Bild: Darya Vasylyeva

Stolz gab die «Alliance SwissPass» Mitte dieses Jahres bekannt, trotz Coronakrise und Ertragseinbussen von fast einem Drittel auf eine Preiserhöhung im öffentlichen Verkehr zu verzichten. Auf den zweiten Blick stellt man aber fest: Das stimmt nicht ganz, denn ab dem 13. Dezember wird das «GA Junior für Studierende» aus dem Sortiment gestrichen. Somit zahlen Studierende zwischen 26 und 30 Jahren statt wie bisher 2650 Franken in Zukunft 3860 Franken. Dies entspricht einer Preiserhöhung von satten 45%. Um den Aufschrei der betroffenen Studierenden klein zu halten, gibt es einmalig einen Rabatt über 500 Franken, als sogenannte «Abfederungsmassnahme». 25-Jährige erhalten diesen Rabatt sogar dauerhaft, zahlen somit aber immer noch 710 Franken pro Jahr mehr als zuvor.

Die «Alliance SwissPass» begründet die Abschaffung des Studierenden-GAs damit, dass dieses «einen Sonderfall darstellt» und «zu einer Ungleichbehandlung innerhalb dieser Altersgruppe führt». Diese Begründung macht aber bei genauerer Betrachtung kaum Sinn: Ob ein Student nun 24, 25 oder 26 Jahre alt ist, ändert oft nichts an dessen finanziellen Situation. Trotzdem würden in diesem Beispiel die Kosten für ein GA entweder 2650, 3360 oder 3860 Franken pro Jahr betragen. Eine willkürliche Preisstruktur, welche sicherlich nicht zu einer Verringerung der Ungleichbehandlung führt. Ob die Abschaffung somit überhaupt rechtlich standhält, ist fraglich, denn das Personenbeförderungsgesetz schreibt in Artikel 15 «für Kundinnen und Kunden in vergleichbarer Lage vergleichbare Bedingungen» vor.

Auch die Petitionen der Jungen Grünen und dem Verband der Schweizer Studierendenschaften gegen die Abschaffung des Studierenden-GA blieben trotz Unterschriften im vier- und fünfstelligen Bereich von der «Alliance SwissPass» unbeachtet. Ein Fehler, denn durch Online-Vorlesungen und Homeoffice-Empfehlung werden sich viele Studierende nun zweimal überlegen, ob sich das GA für sie nächstes Jahr wirklich noch lohnt. Somit vergraulen die SBB und Co mit der indirekten Preiserhöhung ihr jüngeres Klientel, welches dem öffentlichen Verkehr dann auch langfristig den Rücken zukehren wird. Bis die «Alliance SwissPass» das aber realisiert, ist der Zug wohl schon längst abgefahren.


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