Kommentar zur Urabstimmung: Wichtig ist nicht was draufsteht, sondern was drin ist

Letzte Woche hat sich eine Mehrheit der Studenten in einer Urabstimmung gegen eine Umbenennung der SHSG ausgesprochen. Der gewohnte Name «Studentenschaft» wird erhalten und nicht geschlechtsneutralisiert. Wichtig ist nicht was draufsteht, sondern was drin ist. Ein Kommentar.

Der Wertewürfel zum Umgang auf dem Campus (Quelle: Florian Wettstein, Institut für Wirtschaftsethik)

Rote Posaunen ertönen aus der Stadt

Die Forderungen der JUSO im Nachgang unserer Urabstimmung liessen nicht lange auf sich warten: Sie bezeichnen die HSG aufgrund des Abstimmungsergebnisses ihrer Studentenschaft als die «peinlichste Universität der Welt» und fordern nun eine Professur nach ihren Vorstellungen: Eine «Professur für feministische Ökonomie». Entsprechende Medienmitteilung lässt jegliches Verständnis für den demokratischen, inneruniversitären Prozess missen und verkennt die verdienstvolle universitäre Arbeit, die in unseren Schools bereits heute sowohl von Frauen wie auch von Männern geleistet wird. Ich bin kein Freund von name-dropping und mir ist ehrlich gesagt recht Hans wie Heiri, welches Geschlecht die Person vorne hat, welche gerade lehrt. Heute werde ich aber eine Ausnahme machen: Besonders beeindruckt hat mich in meiner universitären Laufbahn Frau Prof. Dr. Isabelle Wildhaber und Frau Prof. Dr. Michèle F. Sutter-Rüdisser. Für mich herausragende Repräsentantinnen für Kompetenz und Hingabe zu ihrem Fachgebiet mit stets einer Prise Witz und Leichtigkeit im Unterricht.

Die kritikwürdigste Universität der Welt

Die Wissenschaft, und mit ihr die gesamte Universitätslandschaft, muss frei sein und frei bleiben. Frei von jeglicher Ideologie, die diese Freiheit bedroht, egal von welcher Seite. Nur so kann das Spielfeld für den konstruktiven Lehrstreit um die besten Ideen der besten Köpfe nachhaltig gestaltet werden. Politische Einflussnahme, wie sie die JUSO nun fordert, hat einen totalitären Beigeschmack. Genau wie jede Forderung nach irgendwelchen Quoten. Die Einstellungspolitik der HSG richtet sich nach der Qualifikation der Kandidaten und ist überaus erfolgreich, auch wenn ab und an der Geist der Quote dennoch hier und da seine Runden zieht. Ich danke zudem der JFDP St.Gallen für ihre anerkennenden Worte unter dem Titel «Demokratie entspricht immer dem Zeitgeist» und wünsche der HSG, meiner «alma mater», der intellektuellen «Leuchttürmin» der Ostschweiz, weiterhin alles Gute auf ihrem selbstbestimmten Weg.

Bald wieder politisieren im adhoc

Als St.Galler bin ich sehr dankbar und stolz an einer so renommierten Universität studieren zu dürfen. Ich wünsche mir jedoch mehr politischen Diskurs mit meinen Kommilitonen. Am liebsten bald wieder am Stammtisch im Wienerberg oder dem adhoc und seinem vorgelagerten Festplatz. Gerne lade ich auch die JUSO ein, dann suchen wir gemeinsam mal den vielgenannten Neoliberalismus in den Tiefen der Bierkrüge und vielleicht können wir dann gemeinsam einstimmen: «HSG, du bisch viel meh als dis Klischee».

Jonas Streule


1 Kommentar

  • Markus Hintermänner

    Neoklassik = Ideologiefrei? Entspricht wohl eher dem FDP-Parteiprogramm. Sozialwissenschaft kann nicht objektiv und wertfrei sein. Vertreter*innen der Neoklassik legen nur ihre Werte nicht offen und verstecken sich so hinter einer Pseudo-Objektivität, die es nicht geben kann.

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