Akademischer Machiavellismus: Rankings, Strategien und Moral

Angehende Studierende stehen neben einer Fülle von Studiengängen auch vor der Wahl einer akademischen Institution und entscheiden damit über Lebensmittelpunkt, Berufsperspektiven und intellektuelle Befriedigung.

Bei der Wahl der richtigen Universität wird oft auf die Aussagekraft von Rankings gesetzt. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl von (minder-)seriösen Rankinganbietern mit unterschiedlichen Methodiken. Vor den drei Namen QS (Quacquarelli Symonds), ARWU (Academic Ranking of World Universities) und THE (Times Higher Education) gibt es jedoch kein Entkommen: Die «Big 3» bewerten Universitäten einmal ganzheitlich und dann gemäss Disziplin. Während sich die anderen Kriterien und deren Gewichtung unterscheiden, setzen alle drei viel Wert auf Forschung. Deren Qualität wird dabei quantitativ erhoben – mittels Metriken wie z.B. Zitationen pro Publikation eines Instituts. Einige Informationen werden zudem qualitativ mittels Umfragen ermittelt: So basiert beispielsweise das Kriterium «Employer Reputation» des QS Rankings auf Umfragen in denen Arbeitgeber ihre bevorzugten Universitäten bei Rekrutierungen nennen.

Und auf dem Rosenberg?

Die Universität St. Gallen verfolgt eine öffentlich einsehbare Ranking-Strategie: Im Fokus ihrer Ambitionen stehen die Rankings der Financial Times (FT), des Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) und des Handelsblatts. Mit zwei deutschsprachigen Rankings überrascht diese Auswahl leicht. Wirft man einen Blick auf den Fächerkanon der HSG, scheint Internationalität doch eine Kernkompetenz der Studierenden zu sein. Die verfolgte Strategie erklärt teilweise, wieso die HSG beispielsweise im FT-Ranking oben mitspielt aber bei den «Big 3» auf keinem nennenswerten Platz landet. Ausserdem ist die HSG als fachlich spezialisierte Universität nur minder für diese Rankings geeignet.

Vor- und Nachteile

Rankings liefern einen klaren Mehrwert – zum Beispiel Transparenz und Förderung der Konkurrenz im Bildungssektor – haben aber auch Schattenseiten: Denkbar ist, dass Universitäten Studierende bevorzugen, die durch ihre Nationalität oder ihr Geschlecht die Diversität erhöhen, um damit das Ranking zu manipulieren. Florian Weigert, Rankingverantwortlicher des Masters in Banking & Finance (MBF), erklärt, dass es im Aufnahmeverfahren des MBF auch bei den «weichen» Kriterien sehr klare Regeln zur Bewertung der zukünftigen Studierenden gibt. So fliesst zum Beispiel Arbeitserfahrung als eine Kombination aus Dauer und Art der Beschäftigung in die Wertung ein. Durch diese äusserst klar definierten Regeln wird sichergestellt, dass nur leistungsbedingte Faktoren im Bewertungsprozess gewichtet werden und Attribute wie Geschlecht oder Nationalität das Ergebnis nicht verfälschen. Auch die Vorwürfe, dass Kurse
mit Auslandsaufenthalt kostspieliges «Rankingtuning» seien, weist Prof. Dr. Weigert mit klaren Argumenten ab: «Dozierende im MBF haben weltweit wertvolle Kontakte in Forschung und Praxis und wir nutzen diese, um unseren Studierenden eine besondere internationale Erfahrung zu bieten.» Er fügt hinzu, dass die Studierenden nicht nur von gemeinsamer Auslandserfahrung als soziales Bindemittel profitieren, sondern auch die Möglichkeit erhalten, sich in einem förderlichen Umfeld intensiv mit einem gewissen  Thema zu befassen.

Man kann von Rankings also halten was man will, doch eines sind sie bestimmt: Eine Orientierungshilfe im Meer an Universitäten, die um angehende Studierende buhlen.


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