Auf einen Kaffee mit dem philosophierenden Germanisten Andreas Härter

Das prisma traf den Dozenten Andreas Härter auf einen Kaffee in der Stadt. Bei einem angeregten Gespräch tauschten wir uns über Gott und die Welt aus. Hier nun ein Auszug aus dem Gespräch.

Mit der HSG verbindet man in erster Linie BWL oder Management. Doch unsere Universität bietet so viel mehr als bloss die wirtschaftlichen Themenbereiche. Das Kontextstudium ermöglicht es uns, in andere Sprachen einzutauchen, mehr über verschiedene Kommunikationstheorien zu lernen oder zu philosophieren. Deshalb freut es uns umso mehr, in diesem Profs Privat «the man in charge», Leiter des Kontextstudiums und des Sprachzentrums, Prof. Dr. Andreas Härter, vorzustellen.

HSG’s treuster Dozent? 

Herr Härter erblickte in Grabs das Licht der Welt, wuchs in Herisau auf und besuchte danach als Teenager die Kantonsschule am Burggraben. Bereits in seiner Kanti-Zeit war für ihn klar, dass er eine Geisteswissenschaft studieren würde und nicht etwa eine Naturwissenschaft. Als es ihn dann für das Studium and die Universität Zürich verschlug, belegte Herr Härter Germanistik im Hauptfach und Philosophie im Nebenfach. Obwohl er damals das Letztere viel lieber mochte, war es aus seiner Perspektive zu riskant, sich ganz auf die Philosophie zu konzentrieren, denn die Suche nach einem Job in diesem Bereich gestaltete sich damals äusserst schwierig. Die Betreuerin seiner Masterarbeit empfahl ihm eine Assistenzstelle bei Herrn Anderegg, der damals Professor für deutsche Sprache und Literatur an der Universität St. Gallen war. Gesagt, getan, die Bewerbung wurde abgeschickt und bald darauf kam der positive Bescheid. In seiner Assistenzzeit an der HSG unterrichtete Andreas Härter nebenbei auch an der Kantonsschule am Burggraben und erhöhte zugleich stetig sein Pensum an der Uni. Ab 1989 durfte er sich als stetiger Dozent bezeichnen. Danach ging die Karrieretreppe weiter steil hoch – es folgte der Titel des Privatdozenten und anschliessend des Titularprofessors. Um ordentlicher Professor zu werden, musste man sich an verschiedenen Universitäten bewerben, was Herr Härter nicht tat. Grund dafür waren vor allem seine Kinder. Hätte er eine Stelle weiter weg angenommen, wäre es ihm nicht möglich gewesen, Zeit mit ihnen zu verbringen – etwas was ihm sehr am Herzen lag. Vielleicht, so überlegte er, fehlte ihm einfach auch der gewisse Ehrgeiz. Denn eine Professur erfordert ein ständiges Streben nach mehr. Dazu brauche man das gewisse Talent zum “Ellenbogenstossen”:  Man muss sich stets zeigen, networking betreiben und immerzu seine neusten Forschungsergebnisse publizieren. Das sei nicht unbedingt seine Welt.  

Neben seiner Arbeit als Titularprofessor ist er zuständig für das Kontextstudium. Er hat die Leitung des Semesterprogrammes inne.  Zudem ist er für den Bereich Fremdsprachen verantwortlich: stolz berichtet er, dass man an der HSG mittlerweile schon zehn Fremdsprachen auf verschiedenen Niveaus erlernen kann. Auch die akademische Leitung des «writing Labs», welches u.a. die  Schreibnacht vor der EWS-Abgabe organisiert hat, fällt in den Zuständigkeitsbereich des engagierten Profs. 

Neben seiner Tätigkeit an der HSG, der er sein ganzes Arbeitsleben lang treu blieb, unterrichtet er alle zwei Jahre in der Summer School am Middleburry College in Vermont (USA).  

Von der Musik zur grossen Liebe und zum Kabarett 

Neben seinen vielen akademischen Aufgaben ist Herr Härter leidenschaftlicher Musiker. Seit dem Beginn seiner Studienzeit trifft er sich regelmässig mit vier Freunden aus Herisau, die sich alle für das Studium nach Zürich begeben hatten. Ihre Musik fokussiert sich auf Blue Grass “eine Eigenart des Blues”, wie er erklärt.  Der Gruppe geht es nicht um Auftritte oder Karriere, für sie ist das regelmässige Zusammenkommen pure Entspannung. Alle drei Mitglieder arbeiten in hohen Positionen – wenn sie sich am Abend dann treffen, ausgelaugt von langen Arbeitstagen, so wirkt das Musizieren Wunder.  

 Durch seine Liebe zur Musik fand er auch die persönliche Liebe. Seine Frau ist Sängerin und Kabarettistin und wurde von einem der Mitglieder angefragt, der Band ihr geübtes Ohr zu leihen, um deren Gesangskünste einzuschätzen. Seit diesem Tag sind Herr Härter und seine jetzige Frau unzertrennlich. Sie war es auch, die ihm eine neue Welt eröffnet hat: Durch ihre Arbeit als Kabarettistin lernte er nämlich die Kleintheaterszene kennen und lieben. Das Kabarett seiner Frau ist nicht nur für die Performance, sondern auch für die Verfassung eines gewitzten Programmes zuständig, ein kreativer Prozess, bei dem Herr Härter gerne mitwirkt.  

Die Kunst des Theaters möchte er auch an seine Studierenden weitergeben und versucht deshalb, seine Studierenden so oft als möglich ins Theater mitzunehmen, sofern sich das mit der Thematik der jeweiligen Kurse verbinden lässt. Wir wurden ganz grün vor Neid, als Herr Härter von seinem Masterkurs erzählte, in dem er seine Klasse für eine Woche ins Bündnerland entführte, um am Kulturfestival “Origen” teilzunehmen. 

Im Übrigen ist der Professor seit 20 Jahren im Vorstand der schweizerischen Gesellschaft für Theaterkultur (SGTK). Neben der Vergabe verschiedener Preise gibt die SGTK jedes Jahr ein Buch heraus, das über die Preisträger des Grand-Prix des Theaters informiert: Bei der Herausgabe dieses Buches ist Herr Härter stark beteiligt. 

Philosophieren inmitten der Wirtschaft  

In der Wirtschaft wird schnelles Denken, Entscheiden und Handeln erfordert, weshalb diese Qualitäten auch einen hohen Stellenwert in unserem universitären Alltag einnehmen. Bei den Geisteswissenschaften lernt man jedoch eine gänzlich andere Art des Denkens und wissenschaftlichen Arbeitens. In diesem Sinne, bringt der Professor seinen Studierenden bei, selber Fragen zu entwickeln und immerzu kritisch zu hinterfragen. Dieser Prozess schliesst Geschwindigkeit aus und garantiert Unsicherheit … «aber diese Unsicherheit ist es, was das Denken offen behält.» Unter anderem sind dies Gründe, warum Herr Härter das umfassende Kontextstudium der HSG so schätzt, denn es eröffnet den Studierenden neue Gedankenwelten.  

Auf die abschliessende Frage, was er uns Studierenden raten würde meinte er: «Lasst euch nicht von euren Fragen abbringen und lasst euch nicht davon abbringen, Fragen zu stellen.» 

Scherzend versuchten wir Reporterinnen uns an einem abschliessendem Fragenhagel für unseren Interviewpartner, wohlwissend, dass er uns nur ungern mit einer knappen Antwort abfertigt. Dies ist das Resultat: 

Erstes wichtiges Buch?  – Jim Knopf 

Schönste Bibliothek? – Jakob und Willhelm Grimm Zentrum Berlin 

Haustiere? – Ist zwar kein Katzenfreund, besitzt aber drei davon 

Lieblingsort in St. Gallen? – Freudenberg 


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