Das neue SHSG-Führungsduo im Interview

Mertcem Zengin und Ali Jouini bilden das neue Führungsduo der SHSG. Das prisma lud daher die Gewinner der Wahl zu einem exklusiven Interview ein, um über Motivation, Herausforderungen und Pläne für das kommende Jahr zu sprechen.

Schachmatt: Das neue SHSG-Spitzenduo schlägt sich strategisch gut. (zvg)

Vielen Dank an euch beide, dass ihr euch Zeit genommen habt. Könntet ihr euch kurz vorstellen und über eure Zeit an der HSG reden?

MZ: Vielen Dank erstmal dem prisma für die Möglichkeit, die Studierenden kommunikativ zu erreichen. Ich heisse Mertcem, bin 22 Jahre alt und komme ursprünglich aus der Türkei. Aufgewachsen bin ich im Norden Deutschlands. An der HSG schätze ich die breite Vereinslandschaft, unter anderem bin ich Präsident des Turkish Business Club und war viel mit SGMUN unterwegs. Ausserdem habe ich seit dem Assessment in der Studentenschaft operative Tätigkeiten übernommen.

AJ: My name is Ali, I am from Geneva, the French speaking part of Switzerland. I came to HSG in 2018 and at first, it was a challenge for me. It was completely different from what I was used to in Highschool. I also joined SGMUN, had an amazing time there and moreover, I joined the Africa Summit as Vice President after my Assessment Year. I am really motivated for the time as Vice President at the SHSG. I want to bring some changes and I think that the English-speaking part of Business Administration is underrepresented.

Warum seid ihr darauf gekommen zu kandidieren, und warum glaubt ihr wurdet ihr gewählt?

MZ: Da wir gut in der Vereinslandschaft vertreten sind, haben wir von Kommilitonen und Kommilitoninnen mitbekommen, dass eine grosse Unzufriedenheit mit der Führung der SHSG herrscht. Dieses Gefühl hatten wir zudem schon seit langer Zeit selbst, besonders auch als involvierte. Wir haben klar auf Sachen hingewiesen, die falsch gelaufen sind, falsch laufen und wie man sie mit Lösungen verbessern kann. Wir sind uns nicht zu schade, diese umzusetzen. Zudem ist für mich unser Netzwerk mit Studierenden wichtig. Freundinnen und Freunde sind auf uns zugekommen und haben gefragt, ob es in Ordnung sei, Werbung für unsere Kampagne aufzuschalten. Das zu hören – gewonnene Wahl hin oder her – hat mich wirklich positiv erstaunt und begeistert.

AJ: As I said before is to bring more presence from the English side of the university. I want to try to improve the current situation. This is my ambition. When we had to stand at Mensa B to answer questions of the students, I asked them what they thought about SHSG. A lot of people either didn’t know anything about SHSG or they didn’t care. And that’s one thing we want to change with more transparency.

Personen aus der SHSG haben kritisiert, ihr seid nicht geeignet. Glaubt ihr von euch, die Richtigen zu sein?

MZ: Im Grunde geht es meines Erachtens nicht um «Die» oder «Wir», sondern generell um eine Veränderung, die in der Studentenschaft notwendig ist. Grundsätzlich glaube ich schon, dass die SHSG einen Wechsel nötig hat und dass Ali und ich die richtigen Ansprechpartner dafür sind.

Ihr habt viel Zuspruch erhalten, besonders auch auf Kanälen wie Jodel. Gingen dort einige Kommentare unter die Gürtellinie?

MZ: Das ist immer so eine Sache und man muss es mit Vorsicht geniessen. Klar hat mich die Unterstützung gefreut. Vor allem die vielen positiven Rückmeldungen und zu sehen, dass es sich natürlich entwickelt hat ohne unseren Einfluss. Ich glaube zudem, dass es nochmal die Wahlbeteiligung gehoben hat. Leute sind anonym auf Jodel und können dort viel schreiben. Dies hätte auch in eine andere Richtung gehen können. Glücklicherweise war das nicht der Fall.

Es gibt Studierende, die behaupten, Ihr hättet unfairen Wahlkampf betrieben und Kommentare gelöscht.

MZ: Nein, wir waren selbstverständlich offen für Kritik. Es gab einige Leute, die auch konstruktive Kritik geäussert haben. Das haben wir willkommen geheissen, aber Social Media ist nicht die Plattform, um sowas intensiv zu besprechen. Daher haben wir die Möglichkeit angeboten, uns persönlich darauf anzusprechen. Wenn solche Leute dann nicht kommen, um dann im «real life» Kritik zu üben, ist das schade. Wir haben zudem nur mit Fakten argumentiert. Kommentare haben wir später abgeschaltet, da unbeteiligte Dritte in Diskussionen gezogen wurden, die sich unwohl damit gefühlt haben.

Ihr habt euch sehr kritisch gegenüber der SHSG und den anderen Kandidaten geäussert, steht ihr noch dazu?

MZ: Ja, sonst hätten wir unser Wahlprogramm nicht so formuliert. Wir haben keine Einzelpersonen angegriffen, sondern die Mentalität und Struktur. Jobs in der SHSG sollten nach Qualifikation und Erfahrung ausgewählt werden und nicht untereinander unter Freunden. Wir stehen nach wie vor für Transparency: Accessibility, Diversity, Responsibility und Unity und wollen das auch durchsetzen.

Wenn Ihr die SHSG so kritisiert, warum habt euch dann erst in der Nachfrist beworben?

MZ: Für mich war es schon eine langfristige Überlegung, wie ich mich in der Studentenschaft engagieren möchte. In den vorherigen Jahren hat es nicht funktioniert. Es haben sich immer alle beschwert, aber niemand hat das Problem selbst in die Hand genommen. So dachten wir, wenn es niemand macht, müssen wir es machen. Aber wir haben es gerne gemacht. Wir sind mit voller Leidenschaft dabei und bereit, die kommenden Herausforderungen und Probleme, die es gibt, auf uns zu nehmen und das Beste für die Studierenden zu bieten.

Campus Platztor und Universitätsgesetz, die SHSG hat einen hohen Stellenwert auch nach aussen. Wie werdet ihr die SHSG dahingehend positionieren?

MZ: Ich finde es gut, dass die SHSG so involviert ist in universitären Projekte und ihre Stimme offen kundgeben kann. In den letzten Jahren ist mir allerdings aufgefallen, dass die SHSG sich immer näher an den Dozierenden orientiert und nicht an den Studierenden. Die genannten Projekte sind von hoher Relevanz, aber mehr Dienstleistungen und Services für uns, die Studierenden, ist auch gewollt und dringend benötigt. Zudem feiert die Studentenschaft kommendes Jahr ihr 100-jähriges Jubiläum, sodass dort die Studierenden einmal mehr im Fokus stehen werden.

Wo seht ihr die SHSG in einem Jahr?

MZ: Wofür wir stehen und was wir gerne langfristig hätten, ist eine Studentenschaft, die für die Studierenden da ist. Den Studierenden soll der Zugang zur SHSG erleichtert werden und das Image muss wiederhergestellt werden. Wir wollen keine exklusive SHSG, sondern eine für allen Studierenden. Und das sind, Stand jetzt, knapp 8000.

Ihr nennt euch Outsider. Glaubt Ihr, dass das Ergebnis der Wahl ein Denkzettel an den bisherigen Vorstand?

MZ: Absolut. Wir persönlich sehen, dass wir nicht nur die Wahl gewonnen haben, sondern die bisherigen Beteiligten auch «verloren» haben. Beide Gegenkandidaten kommen aus dem bisherigen Vorstand. Es herrscht Unzufriedenheit und die Wahlbeteiligung ist um knapp 4% gestiegen, was zeigt, dass die Studierenden Interesse zeigen und darüber nachdenken, was in der Führung passiert. Es ist Zeit, dass die SHSG in eine neue Richtung geht.

Vielen Dank für das Gespräch. Wollt Ihr noch einige Worte an die Studierenden richten?

AJ: In general, even though our election is controversial for some people, we are open for any suggestions and criticism. We are here to work for students, so we are happy to talk and work with everybody.

MZ: Da kann ich mich nur anschliessen. Wir werden versuchen, kurzfristig wie auch langfristig alles für die Studierenden zu tun. Danke für euer Vertrauen!


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

*

*