Das Peterli im gelben Gewand

Zu aller Anfang war ein Brief an das prisma-Team mit verhängnisvollem Inhalt. Ein Buch über die HSG, Klischees und Vorurteile, welche den Alltag der Studenten prägen.

Generalprobe mit Erfolgsgarantie – oder?

«Liebes prisma-Team, anbei schicke ich euch zwei Exemplare des ersten HSG-Dramas», hiess es anfangs Jahr in einem an unsere Redaktion adressierten, postalischen Schreiben. Beigelegt waren zwei Büchlein im Reclam-Format: «Überm Rad: Kontakt von HSGler und Volk. Generalprobe». Auf 48 Seiten und «based on some true stories», wie es auf der ersten Seite heisst, setzt sich der Autor unter dem Decknamen Martin J. Freistrøm ordentlich überspitzt mit den gängigsten Klischees und (jüngsten) Geschehnissen an der HSG auseinander. So ist der Leser unter anderem hautnah dabei, wenn «Studieninteressierte minderwertiger Schweizer Universitäten mit Abschluss in Wirtschaftswissenschaften» den Orientation Day for Master Candidates besuchen und wenn «eine Studentin mit ‘International Affairs’-Pullover vorbei hüpft und singend auf der Wiese einzelne Blumen pflückt».
Ganz gemäss der Widmung – «Dedicated to the HSG Spirit and all of his friends» – wollen wir euch das Stück natürlich nicht vorenthalten. Zweiter Akt, Szene 1, Quartierbeiz zum Krug – ein Auszug:

ANDERER BÜEZER. (im ausländischen Akzent) Hey ihr Wichtigtuer, was sucht ihr eigentlich hier? Eure Spezies sehen wir hier nicht oft…
HSGLER. Weshalb wir hier sind? Gemäss meinem Cousin (sagt «Kusäng»), der in einem Kurs im freien Wahlbereich eine innovative Marktforschung gelaunched hat, ist das Bier in diesem Lokal a priori satte 20 (betont) «Räppli» günstiger als in der relevanten Peer-Group im Umkreis von 3,3 km vom St. Galler Marktplatz. Als homo oeconomicus muss ich diese Arbitrage natürlich ausnutzen – summa summarum bin ich ja nicht dumm – und den Markt somit als Ganzes effizienter machen. Heute müssen wir aber als Gruppe noch eine Präsentation für einen Kurs beenden und die Uni ist bereits geschlossen. Darum sind wir hier.
BÜEZER. (nun ebenfalls aufgestanden und sich frontal vor den Tisch positionierend) Schau! Du kommst mir doch irgendwie bekannt vor – bist du nicht diese Gestalt, die jeweils dienstags und donnerstags gegen Mitternacht seine Abfälle im öffentlichen Mülleimer beim Marktplatz entsorgt?
HSGLER. (sichtlich entzückt) Ja, genau! Pause. Endlich jemand, der mein wahres «genius» bemerkt! Verstehe ich gar nicht in der Schweiz, wie ein rationaler Bürger auch noch freiwillig für seinen Müll bezahlt. Per se ja ein Allmend-Gut, für dessen Kosten ich bestimmt nicht privat aufkomme!
ANDERER BÜEZER. (in ausländischem Akzent) Ich bin der Müllmann, der also (betont) deinen Dreck einsammelt. Und Steuern für deinen Abfall und deine Ausbildung bezahle ich auch noch… echt bewundernswert, (drückt seine Brille ganz nahe an die Nase) dein (spricht es sehr klar aus) «genius opportunitus»!
(Spöttisches und übertrieben lautes Lachen aus der Stammtischrunde)
BÜEZER. (bleibt still und murmelt kleinlaut) Auch ich muss mein Bier kaufen, weil es anderswo zu teuer ist. Aber –
STAMMTISCH IM CHOR. Aber Abfallentsorgung auf Kosten der Gesellschaft…? Wer Ohren hat, der höre.
HSGLER. (zum anderen Büezer) Was? Ich verstehe nicht ganz… Vielleicht liegt es aber auch am Schweizerdeutschen. Wie meinst du das? Übrigens, kommst du aus dem Balkan? Serbien?
ANDERER BÜEZER. Montenegro.
HSGLER. Müllmann, Serbe – äh, Monteneger. Dann nenne ich dich «Garbic».


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