Elektronische Prüfungseinsicht ante portas?

Seit Jahren ist die Einführung der elektronischen Prüfungseinsicht ein heiss diskutiertes Thema. Trotz Klagen der Studierenden und der Unterstützung von Dozierenden hat sich in diesem Bereich wenig verändert. Woran liegt das?

Die Prüfungseinsicht bequem von Zuhause. (Bild: Stella Sun)

Prüfungseinsichten während der Semesterferien ergeben hinten und vorne keinen Sinn. Dennoch, die diesjährigen dezentralen Prüfungseinsichten der Bachelorstudierenden fanden mitten in den Ferien statt. Entschied man sich, am 6., 13. und 14. Februar an die Einsichten zu gehen, konnte man sich die gewünschte Auszeit von der Uni abschminken. Die andere Option war, gar nicht hinzugehen. Aus der Sicht eines Studenten stellte sich die Frage, ob es sich von Seite der Uni um eine Fehlplanung oder um «Absicht» handelte. Nichtsdestotrotz, eine elektronische Prüfungseinsicht wäre effizient und würde Probleme bezüglich der Termindiskussion lösen.

Alle Jahre wieder…

Bereits vor einem Jahr sorgten die Prüfungseinsichten mit ihrer unstrukturierten und unkoordinierten Art für grosses Aufsehen unter den Studierenden. Antworten zur aktuellen Lage liefert Florian Wußmann, ehemaliger Präsident der SHSG.

«Heute stehen wir leider immer noch am gleichen Punkt wie vor einem Jahr», bedauert Wußmann. Grosse Hoffnung legt er jedoch auf die nächsten paar Monate. Die aktuelle COVID-19 Problematik hat es ermöglicht, Berge zu versetzen. Man hofft, beim neuen Rektorat diesbezüglich Impulse auslösen zu können. Ein ausgearbeitetes Konzept gibt es nämlich schon lange und man bräuchte nur noch die Einwilligung des Rektorats.

Die Pläne liegen bereit

Bereits im Februar 2017 wurde für die Prüfungen des Herbstsemesters 2016 ein Testversuch mit elektronischer Prüfungseinsicht durchgeführt. Dass man heute davon nichts mehr hört und viele auch nichts davon wissen, bringt die Frage auf, ob es ein Misserfolg war. «Im Gegenteil.», entgegnet Wußmann. Es war eigentlich ein grosser Erfolg und kam bei den Studierenden, wie auch bei den Fakultäten, sehr gut an.

Die HSG kann auch mit elektronischer Prüfungseinsicht eine Campus Uni sein

Trotz dem erfolgreichen Pilotprojekt entschied sich das damalige Rektorat jedoch dagegen, die elektronische Prüfungseinsicht offiziell einzuführen. «Die HSG ist eine «Campus-Uni» und legt grossen Wert auf direkte Interaktionen.»Als solche «Campus-Uni» wurde als einer der Hauptgründe genannt, wieso sich im Bereich Digitalisierung der Prüfungseinsichten bis jetzt nichts bewegt hat. Aber würde die elektronische Prüfungseinsicht die Idee der «Campus-Uni» wirklich bedrohen? Es würde lediglich den ganzen Prozess vereinfachen und effizienter gestalten. Studierende sollen in Ruhe ihre Prüfungen zuhause anschauen und können sich bei Fragen trotzdem an die Dozierenden für persönliche Gespräche wenden.

Ein weiteres Hindernis sind die Kosten. Da die HSG nicht über die digitalen Ressourcen verfügt, die es erlauben, die Prüfungen elektronisch zur Verfügung zu stellen, müssten diese extern in Auftrag gegeben werden. Doch auch dieses Problem könnte man leicht lösen, meint Florian Wußmann. Die bei den herkömmlichen Prüfungseinsichten entstehenden Raum- und Personalkosten würden nämlich grösstenteils wegfallen und könnten für deren Digitalisierung eingesetzt werden.

Zukunftsblick

Die Prüfungseinsichten zu digitalisieren, wäre schon vor Jahren möglich gewesen. Die damals fehlende Weitsichtigkeit holt die HSG jetzt ein. Angesichts der Coronakrise sind solche Massnahmen noch dringlicher geworden. Hat die HSG ihre Chance verschlafen? Die nächsten Wochen werden zeigen, ob sich in Sachen elektronischer Prüfungseinsicht etwas bewegt. Never let a crisis go to waste…


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