Fyre – The greatest party that never happened

Die Chronologie des Scheiterns – wie Billy McFarland Träume in Albträume verwandelte und Amerikas Influencer auf den Boden der Tatsachen zurückholte.

Dokumentarfilm «Fyre». (zvg)

Es war das erste Mal, dass Billy McFarland und der Rapper «Ja Rule» ein Festival veranstalteten. Im Anschluss berichteten beinahe alle amerikanischen Zeitungen über die beiden und sogar Saturday Night Live widmete sich dem Festival. Auf den ersten Blick klingt das nach einem berauschenden Erfolg, doch das genaue Gegenteil war der Fall. Nun existiert auf Netflix eine Chronologie der Ereignisse, die aus dem, was als beste Party aller Zeiten gedacht war, den schlimmsten Reinfall der Festival-Geschichte machten.

Models im Paradies

Zu Beginn der Dokumentation entsteht der Eindruck eines Paradieses. Models wie Bella Hadid, Hailey Baldwin und Emily Ratajkowski feiern Partys an den Stränden einer Insel bei den Bahamas, die einst Pablo Escobar gehörte. Es wurde die perfekte Traumwelt geschaffen, die wohlhabende junge Leute aus ganz Amerika dazu verleiten sollte, immense Mengen an Geld für Tickets auszugeben. Sie sollten Sterneküche geniessen und Strandvillen bewohnen. An diesem Punkt der Doku wünscht man sich selbst, den kalten Tagen in der Schweiz entfliehen und Teil des Fyre Festivals sein zu können.

Die Katastrophe bahnt sich an

So berauschend all diese Partys mit Models am Strand, Privatjets, Jachten und Traumvillen auch wirken mögen, man bekommt zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass die Protagonisten in der Dokumentation wüssten, was sie da tun. Das Festival ist eine einzige Marketingstrategie, dafür aber eine geniale. Die Öffentlichkeit wird weiter mit Bildern befriedigt, die die traumhaften Strände auf den Bahamas zeigen und viele Influencer können das Fyre Festival in den sozialen Medien kaum mehr erwarten. Man bekommt einen guten Blick auf beide Seiten der Veranstaltung – zum einen auf die von «Ja Rule» und Billy McFarland geleitete Organisation des Festivals mit spannender Einsicht hinter die Kulissen, zum anderen auf den riesigen Medienhype rund um das Festival. Das Fyre Festival wurde zum Event des Jahrzehnts gepusht; einer absoluten Luxusveranstaltung, auf der niemand fehlen durfte, der etwas auf sich hält. Doch niemand ahnte, was sich wenige Monate vor dem vermeintlichen Festival Termin abspielen würde.

Absolut sehenswert

Regisseur Chris Smith hat mit seiner Dokumentation ganze Arbeit geleistet. Selbst wenn manch einer noch nichts vom Fyre Festival gehört hat, ist «Fyre» absolut sehenswert. Der Film erzeugt die richtige Mischung aus Schrecken, Erstaunen und Schadenfreude über die Ereignisse von 2017. Jeder wird danach wohl verstehen, wie es gelang, innerhalb kürzester Zeit eine globale Marke zu kreieren und diese dann in einigen Wochen derart an die Wand zu fahren, dass der Veranstalter Billy McFarland die nächsten sechs Jahre im Gefängnis verbringen soll. Lustigerweise steckt sein ehemaliger Kollege und Mitveranstalter «Ja Rule» bereits in der Planung der zweiten Auflage des Fyre Festival und das trotz mehr als 24 Millionen Dollar Schulden aus der vorherigen. Möglicherweise beschert er uns damit in einigen Jahren ja auch den Nachfolger von Fyre – the greatest Party that never happened.


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