Sein Leben ist wie ein UNO-Spiel: Farbig, wild und voller Surprise

Vom angehenden Eishockeyprofi und Gewinner des Swiss Music Awards 2012, bis hin zum diesjährigen HSG Ball: Schweizer Popsternchen Bastian Baker gewährt uns einen Einblick in sein Leben auf und hinter der Bühne.

Bastian Baker bei seinem Auftritt am HSG-Ball. (Bild: Mattes Films & Fabian Arnold)

Für den Lausanner Bastien Kaltenbacher, wie er mit bür- gerlichem Namen heisst, ist die Musik schon seit seiner Kindheit ein leidenschaftliches Hobby. Dass er die Musik jedoch eines Tages zu seinem Beruf machen möchte, gehörte anfänglich nicht zu seinen beabsichtigten Zielen. Vielmehr schlug Baker nach dem Abschluss des Sportgymnasiums eine professionelle Sportlerkarriere ein. Der Vertrag mit dem Eishockeyverein HC Fribourg-Gottéron stand ebenfalls schon auf den Beinen. Auch mit der Wahl der beiden Studiengänge Französisch und Geschichte setzte Baker auf eine akademische Laufbahn anstelle auf ein Leben auf der Bühne. Doch was führte ihn schlussendlich ins Musik-Business? «Da bin ich einfach so hineingeschlittert», antwortet er auf diese Frage. Begegnungen mit Musik-Produzenten, Zufälle und ein Quäntchen Glück machten diesen Sprung erst möglich. Aufgeben musste er seiner Meinung nach für den Beruf als Vollzeitmusiker weder seine sportliche noch akademische Karriere, denn er habe sich bewusst gegen diese Wege entschieden.

Ein Erfolg jagt den nächsten

«Ich fühle mich genauso wie du.» Solche Nachrichten bekam Bastian Baker massenweise nach der Veröffentlichung seines ersten Albums. «Diese Facebook-Nachrichten, E-Mails oder dazumal eben noch Briefe (lacht), haben mir in meinen Jugendjahren gezeigt, dass ich mit meinen Sorgen nicht alleine bin und ich mit meiner Musik Menschen helfen kann». Schon seine erste Single «I’d sing for you» dominierte während mehreren Wochen die Schweizer Charts und gewann im Jahre 2011 seinen ersten Swiss Music Award für den «Best Breaking Act National». Auch international liess der Durchbruch nicht lange auf sich warten: So trat er mit seiner Band an den olympischen Spielen in Südkorea auf und begleitet die Country-Sängerin Shania Twain auf Welttournee. Auf die Frage, welcher dieser vielen Momente nun das grösste Highlight für ihn war, antwortete er bescheiden: «Ich hoffe immer, dass das grösste Highlight noch vor mir liegt. Vielleicht geschieht es heute Abend am HSG Ball oder zu einem späteren Zeitpunkt. Wer weiss?»

Bastian Baker behind the stage

Gerade als wir ihn fragen, ob er vor seinen Auftritten jeweils einem spezifischen Ritual nachgehe, betritt seine Managerin den Raum und stellt eine Auswahl von Getränken vor ihm auf den Tisch. Lachend sagt er: «Hier, das Ritual ist serviert. Ich nehme vor jedem Auftritt immer einen Ingwer-Shot, viel Wasser und ein paar Schlucke Birnensaft zu mir.» Baker bemerkt unsere verwunderten Blicke und fügt hinzu, dass ihm ein amerikanischer Agent vor einem seiner ersten Festival-Auftritte erklärte: «If you wanna have a sweet voice, you have to drink peer juice.» An diesen Ratschlag erinnert er sich bis heute und hält daran fest. Ansonsten versuche er vor jedem Auftritt einige Moment für sich innezuhalten und hört dabei Musik auf seiner Spotify-Playlist, deren Spektrum von Entspannungsmusik bis zu Eminem reicht. Gerne spiele er bis zum Showbeginn auch einige Runden UNO mit seinen Jungs. Mit einem ironischen Unterton fragen wir nach, ob er und seine Band das Spiel auch nach der Show noch fortsetzen. Schmunzelnd antwortet Baker: «Ehrlich gesagt, in letzter Zeit schon. Früher war es sehr wild. Es kann auch heute noch wild werden. Aber heute geniesse ich wirklich den Spass auf der Bühne und das reicht mir völlig aus.» Lachend fügt er hinzu:«Tja, wir werden eben auch älter». Wir Redaktorinnen merken ihm und seiner Band das Älterwerden jedoch gar nicht an – im Gegenteil. Denn während des Interviews können es seine Bandkollegen nicht lassen, durch die Glasscheibe, welche den Interview- und Bandaufenthaltsraum trennt, Faxen zu machen und Grimassen zu schneiden. Damit bringen sie Baker immer wieder zum Lachen.

Bastian Baker off-stage

Natürlich nimmt es uns auch wunder, wie Baker nach einer Woche voller Shows und langen UNO-Abenden am liebsten seinen freien Sonntag verbringt. «In meinem Beruf weiss ich nie, wann Sonntag ist. Aber in letzter Zeit gab es einige Tage, an denen ich mir gedacht habe, das könnte ein Sonntag gewesen sein. Das waren Tage, an denen ich in Trainerhosen auf dem Sofa lag, Fern sah und dabei alle zwei Minuten einnickte.» An diesen Tagen geniesst es Baker auch, Zeit mit seiner Familie und Freunden zu verbringen und dabei den Gaumen zu verwöhnen. Dies tut Baker am liebsten mit Raclette. Für ihn ist es immer Raclette-Saison. Neben dem Racelette-Käse seien bei ihm im Kühlschrank auch immer Cashew-Nüsse zu finden, wobei wir nach einer längeren Diskussion zum Schluss kamen, dass diese gar nicht im Kühlschrank gelagert werden müssen. Aber in den Mini-Bars der Hotels sei dies jeweils so, bekräftige Baker seinen Standpunkt. An diesem Punkt wird Baker etwas wehmütig und sagt: «An dieser Kühlschrank-Diskussion merkt man, dass ich nicht wirklich ein zu Hause habe, sondern von einem ins nächste Hotel wechsle.» Deshalb ist es ihm umso wichtiger, auf seinen Reisen zwei Gegenstände als ständige Begleiter dabei zu haben. Dabei handelt es sich um seine Gitarre und seine Ledertasche. Vor allem von letzterer kann er sich nicht trennen: «Es ist eine alte Ledertasche, die ich seit zehn Jahren immer dabei habe, aber nicht mehr weiss, woher ich sie habe. Sie ist mittlerweile total kaputt. Aber im Innern hat sie zwei Seitentaschen, in welchen ich bedeutungsvolle Souvenirs wie einen Buddah aus Thailand oder eine Kette aus New York dabei habe. So kann ich die Erinnerungen an diese Orte immer mit mir tragen.»

Zukunft in der Schweiz

Bei den Fragen zu seiner Zukunft wurde Baker dann sehr kreativ, meinte aber, dass er bisher noch gar nie wirklich Zeit hatte, um sich Gedanken über seine ferne Zukunft zu machen. Er ist sehr ein «Leben im Moment» Mensch und habe auch keine wirklichen Ängste im Leben. Nur Horrorfilme und Geisterhäuser findet er nicht so toll. «Die echte Welt sei ja schon furchteinflössend genug», meinte er halb lachend, halb schmunzelnd. Zudem lasse er sich von der Zukunft gerne überraschen. Er könne sich deshalb gut vorstellen, in zehn Jahren stolzer Familienvater zu sein und eine Crevetten-Kultur in Thailand zu eröffnen. Jedoch steht für Baker fest: Auswandern kommt für ihn nicht in Frage. Dazu meint er nämlich: «Auf meinen Reisen habe ich eines ge- lernt. Es gibt kein anderes Land auf der Welt, in welchem die Sicherheit, die Schönheit der Natur und der Komfort so hoch sind wie in der Schweiz.» Eine Crevettenfarm à la Bastian Baker werden wir in dem Fall wohl auch in sehr weiter Zukunft nicht sehen…


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