Tekhne Studio und ihre erste Fashion-Show

Techno, EBM, Avantgarde – Tekhne Studio nimmt das prisma mit in eine Welt, die uns in St. Gallen oft verborgen bleibt.

Extravagante Outfits an der Modenschau im botanischen Garten. (zvg © Evann Treceño)

Als ich vor einigen Wochen in der Redaktionssitzung hörte, dass wir eine Anfrage von Tekhne Studio für einen kleinen Promo-Artikel erhalten haben, sah ich von meinem Handy auf und wurde auf einmal hellhörig. Ich hatte schon einiges von diesem Verein gehört und war letztes Jahr auf einer ihrer Partys im «Ostklang». Da es mir damals gut gefallen hatte und ich einige der Jungs, die den Verein zu leiten schienen, kenne, stimmte ich zu, den Artikel zu übernehmen. Es handelte sich um ein Fashion-Event im botanischen Garten. Mehr wusste ich nicht – mehr wussten wir nicht.

Einige Tage später kontaktierte mich Daniel, ein Tekhne-Gründungs- mitglied per Mail und wir machten ein Treffen aus. Mit Kaffee und reichlich Zigaretten ausgestattet trafen wir uns zu dritt, mit Hadri, einem weiteren Gründer, oben am Campus. Das Gespräch verlief sehr entspannt. Ich bat die beiden darum, mir erstmal etwas Allgemeines über ihren Verein zu erzählen.

Ein Zufluchtsort für Andersdenkende…
Wir redeten lange, bestimmt eine Stunde. Die Jungs erklärten mir, dass ihr Verein von mehreren Freunden, die sich damals in der Startwoche kennengelernt haben, gegründet worden war. Ihre Mission sei es, Menschen dazu zu bringen, etwas zu kreieren bzw. ihre Kreativität ausleben zu können. Dabei wollen sie im Prinzip alle ansprechen. Mit «alle» sind in diesem Fall nicht nur die Studierenden der HSG gemeint, sondern wirklich alle. Aus diesem Grund können sie wohl auch kein Verein an der Uni sein. Es gibt Vereinsbestimmungen der Uni, die dasAufnehmen externer Mitglieder verbietet.

Tattoos, Hauspartys und Kunst…

«Uns alle bei Tekhne verbindet ein gewisses Gefühl, vielleicht kann man auch eine Szene sagen, die wir aus unseren Heimatstädten kennen, aber noch nicht in St. Gallen entdeckt haben», erzählte mir Daniel, wäh- rend er sich eine Zigarette drehte. Aus diesem Grund habe sich Tekhne zum Ziel gesetzt, etwas dieser Szene und dieser Vibes nach St. Gallen zu bringen. Der Verein existiert seit ca. einem Jahr. Eines ihrer ersten Events war eine Hausparty. Keine normale Hausparty natürlich: Tattoo-Künstler aus verschiedenen Teilen der Schweiz reisten an und tätowierten Freiwillige vor Ort. Am Ende gingen wohl mehrere Dutzend Leute mit neuen Tätowierungen nach Hause, darunter auch einige HSGler.

Ein Verein, eine Liebe,… eine Fliege?!?
Wenn man sich auf der Insta-Seite des Studios mal umschaut, stolpert man schnell über eine Fliege. Irgendwie kennt man sie, aber man weiss nicht woher. Auf meine Nachfrage, warum ihr Verein denn eine Fliege als Logo habe, entgegnete Daniel mit einem leichten Augenzwinkern, dass ihr Logo eine Art Hommage an die Fliege im Hauptgebäude sei, da Tekhne sich viel mit Kunst auseinandersetzen würde. Im Gegensatz zu Pro- Arte, dem Verein, der die Kunstführungen an der Uni anbietet, will Tekhne die Leute aber nicht nur für Kunst begeistern, sondern sie auch dazu bewegen, sich selbst kreativ zu betätigen.

Mir stellten sich verschiedene Fragen: Was sollte das für ein Fashion-Event im botanischen Garten werden? Wie gross sollte das Ganze werden? Wie finanzieren sie das alles überhaupt? Nach einigen Fragen stand fest: Tekhne Studio plant eine Outdoor-Modenschau im botanischen Garten. Dabei sollten mehrere kleine Schweizer Designer die Chance bekommen, ihre Schnitte der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Ins kalte Wasser geworfen…

Die beiden gestanden mir auf die Frage, ob sie denn überhaupt Erfahrungen auf dem Gebiet hätten, dass sie mehr oder weniger improvisieren würden. Da es bei Tekhne keine Rangordnung bzw. keinen Vorstand gibt, ist eben auch keiner zu 100 Prozent verantwortlich. Allerdings spornen Ehrgeiz und Interesse die Jungs immer wieder an, alles zu geben. Das geht sogar soweit, dass die Mitglieder ihr eigenes Geld in das Event stecken.

Ein Tag im Park…

Als ich am Morgen des 27. Septembers im botanischen Garten eintraf, hatte ich zuerst Schwierigkeiten, mich zurechtzufinden. Im Nachhinein hat sich herausgestellt, dass ich von der falschen Seite gekommen bin. Als ich auf dem Gelände des botanischen Gartens stand, sah ich in der Entfernung jemanden um die Ecke eines Gewächshauses verschwinden, der bereits sehr auffällig gekleidet war. Dementsprechend ging ich mal in dieselbe Richtung. Und tatsächlich, hinter einer kleinen Ecke, umgeben von natürlichem Grün, entdeckte ich eine kleine Tür, vor der einige bekannte Gesichter standen und rauchten.

Im Garten Eden…

Als mich Daniel empfing, stellte er mich zuerst einigen Leuten vor und zeigte mir kurz den Raum, in dem sich die Models umzogen. Die Models, so erklärte er mir, seien allesamt Studierende der HSG oder Bekannte bzw. Freunde der Vereinigung, sodass wenigstens bei den Löhnen gespart werden konnten. «Allerdings», fuhr er fort, während wir durch den botanischen Garten spazierten, links und rechts von Efeu und anderen Rankgewächsen umgeben, «es ist natürlich auch mit viel Risiko verbunden, Models mit wenig bis gar keiner Erfahrung für so ein Event zu buchen». Nachdem er mir die Location ausgiebig gezeigt hatte, staunte ich nicht schlecht. Durch mehrere Durchgänge mit Pflanzendach sollten die Models performen, an einem Teich kurz posieren und schliesslich in einer grossen ovalen Tour wieder zurück zum Anfang gehen. Aussen um das Oval waren einreihig Stühle platziert, auf denen die Zuschauer Platz finden sollten. Auf einer kleinen Erhöhung befand sich eine Musikanlage mit zwei grossen Lautsprechern, über die ein DJ während der Show Musik spielen sollte. Nachdem ich mein Eintrittsband geholt und mir einen kurzen Eindruck von der Szenerie gemacht habe, verabschiedete ich mich und bemerkte, dass es bis zum Abend noch viel zu tun gab und die Stimmung entsprechend hektisch war.

Die Stimmung war eigen…

Am Abend nahm ich den Weg zum botanischen Garten erneut auf mich, fand diesmal den Eingang allerdings problemlos. Erneut traf ich auf Daniel, der mich an einem der besten Plätze, direkt neben dem Teich, an welchem die Models kurz innehalten sollten, platzierte. Nach einer kurzen Verspätung fing die Veranstaltung, eingeläutet durch eine Ansage über die Boxen, an. Die jeweiligen Designer und ihre Hintergründe wurden kurz vorgestellt, während sich die Models bereit machten. Die Stimmung war sehr eigen. Man spürte viel Anspannung bei den Mitgliedern von Tekhne – verständlich, wenn man bedenkt, dass dies die erste Fashion Show war, die sie organisierten. Und auch die Zuschauer waren gespannt, weil sie nicht wussten, was sie zu erwarten hatten. Folgende Designer stellten ihre Werke an diesem Abend zur Schau: La matrice, Killa and Mastasof, pimpy, NADH und ONRYO. Genaueres über diese Designer werdet ihr demnächst auf unserer Website finden!

The Power of the People

Während die Models vorbeiliefen und ihre experimentellen Outfits präsentierten, wummerten EBM- und Technobeats durch die Boxen im idyllischen botanischen Garten. Das Hauptevent endete nach circa einer Stunde. Anschliessend wurde zur Afterparty im Affekt eingeladen. Ich traf Daniel nach der Veranstaltung noch kurz. Er wirkte sehr glücklich. Natürlich war er sehr froh darüber, dass alles bis auf Kleinigkeiten makellos ablief. Dennoch konnten sie mit dem Event leider finanziell nicht ganz bei plus-minus-null raus- kommen, da weniger Leute kamen als gedacht. Ein paar Tage später schickte er mir noch die Nachricht: «The power of the people, the creators, the ambiance, the happiness make the losses feel unimportant», was meiner Meinung nach ein gutes Ende für diesen Artikel und eine gute Zusammenfassung der Mission von Tekhne Studio ist.


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