Vorarlberg flirtet mit der HSG

Die Chancen stehen gut, dass es in Dornbirn schon bald einen HSG-Ableger für Informatik und Digitalisierung gibt. Ein aktueller Stand der grenzüberschrei- tenden Verhandlungen.

Österreichischer Annäherungsversuch (Illustration Katarina Hellriegel)

Der Sitz der Vorarlberger Landesregierung befindet sich im österreichischen Bregenz – eine Information in etwa so spannend wie ein Striptease im Radio. Doch exakt hierher verirrten sich im April diesen Jahres mit Bruno Henseler, HSG-Verwaltungsdirektor, sowie Ulrich Schmid, Prorektor für Aussenbeziehungen, gleich zwei namhafte Exponenten der HSG. Grund für den «Staatsbesuch»: Ein Gespräch über einen möglichen Aussenstandort unserer Uni in Dornbirn. Vielleicht entsteht in der Alpenrepublik analog zu Singapur bald eine Art Filiale der HSG mit Schwerpunkten in den Bereichen Informatik und Digitalisierung. Doch dieses Modell ist gemäss Prorektor Schmid – mit Verweis auf die fehlende Kommunikationsreife – nur eine von vielen möglichen Varianten.

Doch wieso in aller Welt sollte die HSG in Österreich fremdgehen? Schliesslich sollte die HSG ihren eini- germassen guten Namen nicht zu leichtfertig teilen. «Die Zusammenarbeit mit dieser für uns sehr wichtigen grenznahen Region ist für uns der grösste Pluspunkt an diesem Projekt», gibt Schmid zu Protokoll. Die Regionalisierung – ein erklärtes Ziel der HSG – erstrecke sich nicht nur auf die Ostschweiz, sondern auch auf Vorarlberg. Vorarlberg, das noch als grenznah zu bezeichnen ist, möglicherweise aber schon bald zum 27. Kanton der Eidgenossenschaft mutiert.

Lehrstühle for free?

Auf die Kostenverteilung des Projektes angesprochen stellt Schmid klar: «Es muss für uns auch finanziell eine Win-Win-Situation sein.» Unter anderem stehe ein Angebot im Raum, dass das Land Vorarlberg Geld für neue Lehrstühle bereitstellen würde. Diese Rechnung müsse aber – wie noch so vieles anderes – weiter diskutiert werden.

Die Gefahr einer Verwässerung durch den Ausbau in Richtung Infor- matik und Digitalisierung bestehe nicht, so Florian Wussmann, Präsi- dent der SHSG. Beim Informatikstu- diengang, der neu an der HSG ange- boten wird, war die SHSG bereits involviert und Wussmann betont, dass dabei viel Wert auf den unternehmeri- schen Fokus gelegt wird. Schmid be- schwichtigt ebenfalls und ergänzt, dass kein rein technischer Studien- gang geplant sei, sondern einer, bei dem die Computertechnologie im Kontext mit Management gelehrt wer- den soll. Er betont: «Wo HSG drauf- steht, muss auch HSG drin sein».

Eine märchenhafte Zusammenarbeit
Die HSG geniesse, so Schmid, eine hohe Autonomie und stünde in einer guten Beziehung mit der Landesregierung, wodurch sich eine «sehr positive und fruchtbare Zusammenarbeit» ergibt. Die letzte Entscheidung liegt aber bei der Landesregierung und dem Unirat, von beiden Parteien kann die HSG jedoch auf Unterstützung zählen. Schmid fügt an: «Zuerst müssen wir schauen, dass das Projekt auf akademischer Ebene fliegt».

Bisher ist die SHSG nicht involviert in die Verhandlungen mit Vorarlberg, doch das soll sich ändern, sobald der Letter of Intent unterzeichnet ist. Dies kann schon sehr bald der Fall sein, voraussichtlich wird die Absichtserklärung nämlich noch während des aktuellen Semesters unterzeichnet.

Interessant: Eine solche Zusammenarbeit mit Vorarlberg war nicht auf dem Schirm der HSG, sondern wurde zunächst vom Land und der Handelskammer Vorarlberg initiiert. Die HSG sei immer offen für Vorschläge, insbesondere für solche von Nachbarn und sie betrachte diese Kollaboration grundsätzlich mit Sympathie. Wir sind gespannt, inwiefern sich die HSG von österreichischer Seite um den Finger wickeln lässt.


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