«Wir haben keinen Machtfokus»

Sarah Bünter, die neue Präsidentin der Jungen CVP, studiert an der HSG im Master International Affairs. Sie spricht über ihren Weg in die Politik und kommentiert die anstehende Bundesratswahl vom Mittwoch 11. Dezember.

Sarah Bünter: Die HSGlerin an der Spitze der Jungen CVP.

Wolltest du schon immer in die Politik?

Nein, gar nicht. Ich bin in einer sehr politischen Familie aufgewachsen. Darum hatte ich eine gewisse Affinität zur Politik. Durch mein Studium in International Affairs war zwar immer ein gewisses Interesse da, doch aktiv wurde ich erst mit 21 Jahren.

Wie kamst du dann aktiv in die Politik?

Als ich von zu Hause auszog, habe ich gemerkt, in wie vielen Bereichen des persönlichen Lebens die Politik eine Rolle spielt. Zudem habe ich ein Praktikum bei der CVP des Kantons St. Gallen gemacht und einen Einblick hinter die Kulissen erhalten. Danach wusste ich, wenn ich etwas verändern möchte, dann muss ich mich auch selber engagieren. Dass ich mich bei der JCVP so aktiv einbringe, verdanke ich einem lustigen Ereignis. Mein WG-Mitbewohner nahm mich zur Delegiertenversammlung der JCVP Schweiz mit. Da habe ich mit dem damaligen Präsidenten gesprochen und erfahren, dass er als Bündner nicht gerne Ski fährt. Das konnte ich als passionierte Snowboarderin nicht verstehen. Er meinte dann, dass er aber an ein Skiwochenende mit- kommen würde, wenn ich ein solches organisiere. Das Skiwochenende findet nun nächstes Jahr zum vierten Mal statt und ich habe dank diesem den Weg wohl etwas unkonventionell in die JCVP Schweiz gefunden. (lacht)

Im Mai dieses Jahres wurdest du als Präsidentin der Jungen CVP gewählt. Wie wird man denn Präsidentin einer Jungpartei?

Gewählt wird man erst mal von den Delegierten. Doch bei mir waren es wohl viele Zufälle. Einerseits war es das angesprochene Skiwochenende, andererseits, dass ich später an einem Mentoring Programm der CVP teilnahm. Mein Mentor war zufälligerweise Gerhard Pfister, der Parteipräsident der CVP. Dadurch bekam ich einen sehr tiefen Einblick in die Politik. Mehr Politik in einer Person geht fast gar nicht. (lacht) Ich durfte dann auch im Strategieausschuss der CVP Schweiz für die nationalen Wahlen mitwirken. Dass ich selbst bereits früh aktiv mitwirken durfte, hat in mir schnell das Feuer entfacht. Von Gerhard Pfister konnte ich sicher viel profitieren, denn er hat mir viele Türen geöffnet. Doch als dann das Präsidium der Jungen CVP Schweiz frei wurde, war es ein normales Wahlverfahren mit drei Kandidierenden. Zudem habe ich mir sehr lange überlegt, ob ich das machen soll und ob ich überhaupt geeignet bin für eine solche Aufgabe.

War die enge Beziehung zur Mutterpartei und speziell zu Gerhard Pfister ausschlaggebend, dass du am Schluss gewählt wurdest?

Ich denke, es waren verschiedene Faktoren, aber das hat mir sicherlich sehr geholfen. Dass ich einerseits schon im Vorstand war und dass ich bereits viele Kontakte zu den nationalen Parlamentariern hatte, war sicher ein Vorteil. Diese Beziehungen sind für uns als Jungpartei sehr wichtig, um unsere Anliegen ins Parlament einzubringen.

Nun waren gerade Parlamentswahlen in der Schweiz. Die CVP ist mit 13 Sitzen weiterhin die stärkste Kraft im Ständerat. Im Nationalrat hat sie drei Sitze verloren und ist dort bei 11,4%. Wie zufrieden bist du mit dem Ergebnis?

Gemäss den Prognosen ist es für uns ziemlich positiv, denn es hiess immer, die CVP würde weiter verlieren und unter die 10%-Marke fallen. Erst einmal war dies nicht der Fall. Zudem haben wir in St. Gallen beispielsweise über 2 % zulegen können, jedoch gleichzeitig einen Sitz verloren. Das war ein sogenanntes Restmandat, das wir vor vier Jahren mit Proporz-Glück gewonnen und nun leider verloren haben. Aber wir konnten uns insgesamt stabilisieren, und das war das Wichtigste, um nun weiterzukämpfen.

Und wie zufrieden bist du mit dem geführten Wahlkampf ?

Ich bin sehr zufrieden damit, was wir als Jungpartei geleistet haben und wieviel wir der CVP helfen konnten. Gemäss meiner Analyse haben wir in St. Gallen fast 15 % der Stimmen unserer Mutterpartei generiert, im Jura waren es sogar gut 22 %. Daran sieht man, wie viel wir als Jungpartei beitragen können und das macht uns auch sehr stolz.

Nun stehen ja wieder Bundesratswahlen an. Die Grünen fordern einen Sitz von der FDP. Gerhard Pfister, der Präsident der CVP, hat angekündigt, dass die CVP die Grüne Kandidatin Rytz mehrheitlich nicht wählen wird. Doch die CVP könnte neu das Zünglein an der Waage sein, bei drei linken (2 SP, 1 Grüne) und drei rechten Bundesräten (2 SVP, 1 FDP). Findest du diese Aussichten nicht verlockend?

Natürlich wäre das verlockend. Aber dies zeigt genau einen wichtigen Unterschied der CVP zu anderen Parteien. Wir haben keinen Machtfokus, sondern überlegen uns, wie das politische System in der Schweiz funktioniert und wie wir als Partei die Schweiz weiterbringen können. Im Studium und auf meinen Reisen habe ich gesehen, was politische Stabilität bedeutet. Deshalb ist es für mich klar, dass es Diskussionen über eine neue Formel zur Verteilung der Bundesratssitze braucht. Jedoch bin ich grundsätzlich dagegen, dass Bundesräte abgewählt werden. Ich denke, die Grünen müssen nun zuerst einmal zeigen, dass sie kompromissfähig sind und ihr Resultat in vier Jahren bestätigen. Für mich zeigt es eine gewisse Ungeduld, dass Regula Rytz vor der Zusammenkunft ihrer Fraktion sich selbst offiziell zur Wahl stellt.

Du hast gesagt, du seist viel unterwegs. Wie ist das Studium mit deiner politischen Tätigkeit vereinbar?

Es war oftmals eine Herausforderung. Ich wurde im Mai gewählt und hatte im Juni Abschlussprüfungen. Ich dachte, der Aufwand würde dann zeitlich zu den Wahlen anfallen. Doch der Juni war ein sehr intensiver Monat mit vielen Medienanfragen. Wir haben zum Beispiel Glanz & Gloria und SRF Virus schon vorgedreht, was dann erst im Sommer erschienen ist. Dort hatte ich schon eine kleine Krise, weil mir für meine letzten drei Prüfungen nur jeweils ein Tag zum Lernen blieb. Ich war also sehr effizient. (lacht) Mir kam jedoch zugute, dass viele Fächer einen politischen Aspekt hatten. Da hat es mir extrem viel geholfen, dass ich in der Politik aktiv war. Zum Beispiel ging es um nachhaltige Verkehrssysteme. Dort kannte ich die politischen Hintergründe schon etwas und dann musste ich nur noch die Theorie dazu lernen.

Wie wird es denn in Zukunft nach der Masterarbeit aussehen? Wird man dich in einem politischen Amt sehen?

Ich sage immer: Es macht mir sehr viel Spass, mich politisch zu engagieren. Ich habe aber auch gemerkt, dass es ganz viele Junge gibt, die wir nicht abholen. Dies will ich ändern und darum steht für mich die Junge CVP im Fokus. Wie es bei mir persönlich weitergeht, ist offen. Ich kandidiere für den Kantonsrat und dann fürs Stadtparlament. Das mache ich auch mit Herzblut und es macht mir viel Spass. Für mich ist aber auch ganz klar, dass ich auch ein Leben ohne Politik im Fokus leben könnte. Dann würde ich im Hintergrund mitwirken. Es ist nicht mein verbissenes Ziel beispielsweise irgendwann Nationalrätin zu werden, aber würde ich gewählt, würde ich es natürlich sehr gerne machen.


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